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18. Januar 2011

DIW-Studie: Frauen mit Seltenheitswert

 Von Jutta Maier
Lange Arbeitszeiten und Aufopferungsbereitschaft gelten als Qualifikationsmerkmale für Chefs.  Foto: dpa

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass die Führungsetagen der Wirtschaft kaum weiblicher werden. So habe sich der Anteil der Männer in den Vorständen 2010 im Vergleich zu 2006 „nur in homöopathischen Dosen“ verringert.

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Wenn, wie im Fall von Doris Schröder-Köpf, eine Frau in den Aufsichtsrat eines Unternehmens wie Karstadt einzieht, sorgt das für Schlagzeilen – nicht nur, wenn man die Gattin eines ehemaligen Kanzlers ist. Dadurch entsteht bisweilen der Eindruck, es tue sich etwas in den Führungsgremien der deutschen Wirtschaft. Doch dieser Eindruck täuscht, wie eine neue Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin zeigt.

In den Aufsichtsräten und Vorständen hierzulande gibt es weiterhin kaum Frauen: Mehr als 90 Prozent der 100 größten Unternehmen haben keine einzige Frau im Vorstand. 2010 lag der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten Unternehmen bei schlappen 3,2 Prozent, in den größten 100 sowie in den Dax-30-Konzernen sogar nur bei 2,2 Prozent, wie das DIW-Managerinnen-Barometer belegt.

„Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass freiwillige Selbstverpflichtungen wie bisher nicht reichen“, sagt DIW-Expertin Elke Holst. Die Wirtschaft hatte sich schon 2001 für mehr Frauen in Führungspositionen ausgesprochen. Holst fordert deshalb von den Unternehmen, sich verbindliche Zielgrößen innerhalb eines festen Zeitrahmens zu setzen, damit sich spürbar etwas ändert.

Der Untersuchung zufolge hat sich der Anteil der Männer in den Vorständen 2010 im Vergleich zu 2006 „nur in homöopathischen Dosen“ verringert, nämlich um zwei Prozentpunkte auf 96,8 Prozent. Damit stellten sie immer noch fast alle Posten in dem Gremium. Der Frauenanteil in den Vorständen legte gegenüber 2009 nur um 0,7 Prozentpunkte zu – damit stehen 29 Frauen 877 Männern gegenüber. Noch seltener sind weibliche Vorstandschefs: In den 100 größten Unternehmen gibt es gar keine, innerhalb der „Top 200“ bilden Isabell Remus, Vorstandsvorsitzende bei Sandoz International im bayerischen Holzkirchen, und Petra Hesser, Chefin bei Ikea Deutschland, die Ausnahmen.

Besonders in der Finanzbranche beherrschen Männer die Chef-Etagen

Besonders in der Finanzbranche sind Frauen unterrepräsentiert. Und das, obwohl dort mehr als die Hälfte der Beschäftigten weiblich ist. Die Hoffnung habe sich nicht erfüllt, dass die Umwälzungen in den Vorständen und Aufsichtsräten von Banken und Sparkassen im Zuge der Krise zu einem höheren Frauenanteil führen würden, so die Studie. Ihr Anteil in den Vorständen ist seit 2006 nur um 0,4 Prozentpunkte auf 2,9 gestiegen. Bei den Versicherungen blieb er mit 2,5 Prozent unverändert.

Bei den Aufsichtsräten sieht es etwas besser aus: In den 200 größten Unternehmen sind immerhin 10,6 Prozent der Posten in Frauenhand (0,8 Prozentpunkte mehr als 2009). Der Grund dafür sind die Mitbestimmungsregeln, die einen bestimmten Anteil von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat vorschreiben. „Mehr als 70 Prozent der Frauen in Aufsichtsräten sind Arbeitnehmervertreterinnen“, sagt Holst.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Aufsichtsräten damit immerhin im Mittelfeld. Anders bei den Vorständen: Egal ob Schweden, Frankreich (dort wurde jüngst eine gesetzliche Quote für große börsennotierte Unternehmen verabschiedet), USA, China, Brasilien oder Russland: In all diesen Ländern besetzen mehr Frauen Vorstandsposten als hierzulande.

Trotzdem fordert Holst keine gesetzliche Frauenquote, wie es sie schon seit dem Jahr 2003 in Norwegen gibt. Der Frauenanteil stieg danach von sechs auf die vorgegebenen 40 Prozent.

Die öffentliche Zustimmung für eine Quote dürfte zwar wachsen, so DIW-Wissenschaftlerin Holst. „Am besten wäre es aber, wenn die Unternehmen selbst mehr Frauen in Führungspositionen berufen.“

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