SAP hat unvermittelt die Return-Taste gedrückt. Nach dem überraschenden Rausschmiss von Konzernchef Léo Apotheker setzt das Walldorfer Software-Unternehmen erneut auf eine Doppelspitze. Die beiden Vorstandsmitglieder Bill McDermott (Vertrieb) und Jim Hagemann Snabe (Produktentwicklung) sollen den Weltmarktführer für Unternehmenssoftware künftig wieder auf Erfolg programmieren. Unterstützung erhalten sie dabei von Hasso Plattner. Der SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef werde die neue Spitze "in Fragen der Technologie und der Produktentwicklung" beraten, teilte SAP mit.
Weshalb Apotheker das Unternehmen nicht länger führen soll, blieb auch bei einer Telefonkonferenz am Montag unklar. Strategische Differenzen habe es nicht gegeben, sagte Plattner, fügte aber hinzu, SAP müsse wieder das Vertrauen seiner kleineren Kunden gewinnen. SAP werde nur Gewinne erzielen, "wenn wir ein glückliches Unternehmen sind". Bei SAP müssten jetzt wieder alle an einem Strang ziehen.
Revolte der Kunden
Von Glück konnte in den vergangenen Monaten bei SAP kaum die Rede sein. Mit aller Macht wollte Vertriebsexperte Apotheker das Unternehmen auf Profit trimmen. Die Wartungsgebühren für Sofwarelizenzen sollten um fünf Prozent steigen. Doch die Kunden gingen auf die Barrikaden. Nach monatelangem Streit nahm Apotheker den drastischen Aufschlag zurück. Nicht die einzige Schlappe für den 56-Jährigen, der von sich sagt: "Ich kann nicht verlieren." Angelastet wurde ihm auch, dass die lange angekündigte Mietsoftware für mittelständische Unternehmen noch nicht zur Marktreife gelangt ist.
Und auch intern verspielte Apotheker, der SAP von Mai 2008 an zunächst gemeinsam mit Henning Kagermann führte, bevor er ein Jahr später allein die Verantwortung übernahm, Kredit. Beschäftigte beschreiben ihn als barsch und einschüchternd. Vertriebsleuten soll er gedroht haben, sie künftig auf Reisen zu begleiten, wenn sie Preisaufschläge bei Kunden nicht durchdrücken könnten. Die Quittung für all das lieferte eine Mitarbeiterbefragung, nach der das Vertrauen in den Vorstand um 15 Punkte auf 50 Prozent gesunken sei.
Bill McDermott (48) und Jim Hagemann Snabe (45) sollen es jetzt als gleichberechtigte Vorstandssprecher richten. Die neue Führung brauche eine "starke Vision für Produkte", um den Sofware-Riesen wieder in die Erfolgsspur zu bringen, raten Analysten. Denn nach Ansicht von Branchenkennern hat SAP das Internet nicht verstanden und den Trend verschlafen, dass Software künftig im Rechenzentrum eines Anbieters läuft, und nicht mehr in dem der Kunden.
Erst vor wenigen Tagen noch hatte Apotheker die Bilanz 2009 des Dax-Konzerns präsentiert - mit hoffnungsfrohem Ausblick. Klar, auch bei SAP hat die Krise ihre Spuren hinterlassen. Nettogewinn sowie Lizenz- und Wartungsumsätze schrumpften. Der Vorstand kappte - erstmals in der Firmengeschichte Stellen - 4000 fielen weg. Doch 2010 "wird ein starkes Jahr", orakelte der nun geschasste Vorstandschef, mit dem auch Arbeitsdirektor Erwin Gunst gehen muss, und versprach ein Umsatzplus. Dafür werden nun seine Nachfolger sorgen müssen.
An der Börse kam der Vorstandsumbau, zu dem auch die Berufung von Vishal Sikka (Technik) gehört, nicht gut an. Die SAP-Papiere gaben gegen den Markttrend um fast 2,5 Prozent nach. Anleger seien besorgt über die stärkere Konzentration auf Innovationen, eventuell höhere Ausgaben für Entwicklung sowie die geringe Konzentration auf Margen, sagt BHF-Bank-Experte Jochen Klusmann.
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