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Dresdner und Commerzbank: Bankenfusion kostet 9000 Jobs

Die Commerzbank erwirbt die Dresdner Bank für 9,8 Milliarden Euro. Der Zusammenschluss kostet 9000 Jobs, die meisten davon im Inland. Von Bernd Salzmann und Anna Sleegers

Von der Vorstandstoilette der Commerzbank hat man einen grandiosen Blick - auf den grünen Ex-Konkurrenten.
Von der Vorstandstoilette der Commerzbank hat man einen grandiosen Blick - auf den grünen Ex-Konkurrenten.
Foto: dpa

Mit der Übernahme der Dresdner Bank nimmt die Commerzbank Anlauf in die Top-10 der Banken in der Eurozone. Wie die Commerzbank und die Dresdner-Mutter Allianz mitteilten, beträgt der Kaufpreis 9,8 Milliarden Euro. Das ist zwar deutlich mehr als die neun Milliarden Euro, mit denen Analysten das Institut taxieren. Im Gegenzug gibt die Allianz jedoch eine Garantie für wackelige Wertpapiere in den Büchern der Dresdner Bank ab. Das kann die Versicherung bis zu 975 Millionen Euro kosten, und würde gebenenfalls den Kaufpreis verringern.

Die Fusion wird 9 000 Vollzeitstellen kosten, davon 6 500 im Inland. Der Stellenabbau werde allerdings "sozialverträglich" erfolgen, kündigte die Commerzbank an. Damit sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Die natürliche Fluktuation, also der Arbeitgeber-Wechsel oder der Rückzug in den Ruhestand, würde es dem fusionierten Institut nach FR-Informationen erlauben, dieses Ziel nach ungefähr drei Jahren zu erreichen. Ungefähr 70 Prozent der Arbeitsplätze sollen in Abwicklungs- Steuerungs- und Produktionseinheiten abgebaut werden.


Foto: FR-Infografik

Den Arbeitnehmern gehen diese Zusagen jedoch nicht weit genug. "Wir fordern einen Integrationsvertrag, der weitere Standorts- und Beschäftigungszusagen vorsieht", sagte Uwe Foullong, Arbeitnehmervertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Commerzbank-Aufsichtsrat der Frankfurter Rundschau.

Nicht explizit erläutert wurde in den Mitteilungen von Allianz und Commerzbank, wie die Zukunft von Dresdner Kleinwort aussieht. Die Investmentbank muss mit erheblichen Einschnitten rechnen. Offenbar haben sich die Verhandlungspartner darauf verständigt, das Geschäftsmodell der Commerzbank auf das neue Institut zu übertragen. Und die Commerzbank hat ihre Investmentbanking auf die Bedürfnisse der deutschen Firmenkundschaft zurückgestutzt.

Mit dem Verkauf der Dresdner Bank zieht die Allianz zwar einen Schlussstrich unter das wenig glückliche Kapitel Dresdner Bank. Gleichzeitig hob der Konzern gestern jedoch hervor, dass er das Konzept des Allfinanzkonzerns keineswegs ad acta gelegt hat. Der Versicherer kann seine Vertriebskanäle für Fonds und Versicherungen durch das Geschäft mit der Commerzbank sogar noch ausbauen. Nach Angaben der Allianz wird das fusionierte Institut ihre Produkte künftig exklusiv anbieten. Die Kooperation der Commerzbank mit der AMB Generali laufe mit Vertragsende aus.

Da die Hauptversammlung der Commerzbank zuletzt den Freibrief für eine Kapitalerhöhung verweigerte, ist die Übernahme des nur unwesentlich kleineren Wettbewerbers ein echter Kraftakt. Daher wird die Dresdner Bank ihr nicht gleich komplett gehören. Zunächst erwirbt sie 60,2 Prozent an der Dresdner Bank und bezahlt dafür mit 2,5 Milliarden Euro in bar, eigenen Aktien im Wert von rund 3,4 Milliarden Euro und mit ihrer Fondsgesellschaft Cominvest, die mit 700 Millionen Euro bewertet wird. Mit dem Kauf der Asset-Management-Tochter der Commerzbank steigt die Allianz eigenen Angaben zufolge mit 300 Milliarden Euro verwalteten Geldern zum "größten Vermögensverwalter in Deutschland" auf.

Die mehr als eine Million vom Allianz-Vertrieb betreuten Bankkunden gehen nicht an die neue Großbank über, sondern gehören auch in Zukunft zur Klientel des Versicherungskonzerns, der damit unterstreicht, dass er sein Allfinanzkonzept nicht zu den Akten legt: So kündigen die Münchner an, ihr Netz an Bankagenturen ausbauen zu wollen.

Vorgesehen ist allerdings ein friedliches Miteinander: Sämtliche Bankprodukte werden von der Commerzbank und der Oldenburgischen Landesbank (OLB) bezogen werden, die im Allianz-Konzern verbleibt, heißt es dazu.

Aus der Barkomponente wird die Risikoabschirmung von 975 Millionen Euro bereitgestellt, der bis zum Jahr 2018 aufrecht erhalten wird. Wenn sie nicht zur Deckung der Risiken benötigt wird, streicht die Allianz auch diese Teilsumme ein. Die Aktienkomponente macht die Allianz zur Großaktionärin der Commerzbank. Sie entspricht zunächst einer Beteiligung von 18,4 Prozent.

Im zweiten Schritt, der spätestens Ende 2009 abgeschlossen werden soll, wird die Dresdner Bank auf die Commerzbank verschmolzen. Dabei überschreibt die Commerzbank der Allianz noch einmal neue Aktien im Wert von 3,2 Milliarden Euro. Wie hoch die Allianz-Beteiligung an der Commerzbank dann ist, hängt davon ab, wie sich der Aktienkurs entwickelt.

Die Allianz unterstrich, dass sie dauerhaft eine Beteiligung von knapp 30 Prozent anstrebt. Das gibt ihr die Möglichkeit, gravierende Beschlüsse der Hauptversammlung zu blockieren und stellt für das fusionierte Institut eine Art Versicherung gegen Übernahmeattacken dar.

Autor:  BERND SALZMANN UND ANNA SLEEGERS
Datum:  1 | 9 | 2008
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