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Gentech-Kartoffeln: Druck auf BASF wächst

Der BASF-Konzern gerät nach dem Fund nicht genehmigter Gentech-Kartoffeln auf einem Acker zunehmend unter Druck. Politiker aus allen politischen Lagern fordern rasche Aufklärung.

Gentechnik-Gegner protestieren gegen den Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora.
Gentechnik-Gegner protestieren gegen den Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora.
Foto: dpa
Berlin –  

Der Fund nicht genehmigter Gen-Kartoffeln auf einem Acker des BASF-Konzerns verstärkt die Kontroverse über die Gentechnik. Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) verlangte als Konsequenz, auch den Anbau der bereits zugelassenen Kartoffelsorte Amflora in Deutschland zu untersagen.

Die Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Bärbel Höhn, sagte der Frankfurter Rundschau: „Jetzt müssen schleunigst alle anderen Freisetzungsexperimente von BASF in Deutschland kontrolliert werden.“ Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) müsse sofort handeln.

Am Montag hatte die BASF-Tochter Plant Science von sich aus eine Betriebspanne gemeldet: Auf einer Plantage in Schweden, wo Amflora gezüchtet wird, waren geringe Mengen der ebenfalls gentechnisch veränderten Amadea entdeckt worden. Auch wenn der Chemieriese die unerlaubte Vermischung mit knapp 0,01 Prozent angab, hat er ein Problem: Diese Sorte ist europaweit noch nicht genehmigt. Beide Kartoffelarten sind vorerst nicht für die Lebensmittelherstellung vorgesehen; ihr Nutzen wird damit begründet, dass sie besonders viel Amylopektin-Stärke produzieren, die in der Papier- und Klebstoffindustrie verwendet wird.

Amflora wird in Tschechien, Schweden und im mecklenburgischen Zepkow als einzigem deutschen Standort angebaut. Nach dem unliebsamen Fund, den BASF als Einzelfall wertet, hatte Backhaus verboten, die in seinem Bundesland gezüchteten Kartoffeln in den Verkehr zu bringen. Er sehe sich nach einem Expertentreffen bei der EU-Kommission in seiner Entscheidung vollauf bestätigt, die Amflora-Ernte zu beschlagnahmen, sagte er gestern. „Auch in Brüssel ist man höchst beunruhigt darüber, dass zugelassene gentechnisch veränderte Kartoffelsorten mit nicht zugelassenen Sorten vermischt wurden. Das darf nicht passieren.“

„Nicht unter Kontrolle“

Die Kommission setzt BASF unter Druck. Kommende Woche wollen Experten aus Brüssel und den drei betroffenen Mitgliedstaaten sich vor Ort ein Bild der Lage machen. Man wolle wissen, wie es zu der Panne kommen konnte und den „Gesamtumfang der Verunreinigung bei Amflora klären“, teilte die Kommission mit.

BASF vermutet „menschliches Versagen“ als Ursache für den Vorfall. Für Backhaus zeigt er, „dass eine Koexistenz zwischen gentechnisch veränderten und gentechnisch freien Pflanzen nicht gewährleistet werden kann“. Was sich in Schweden ereignet habe, könne „theoretisch auch in Mecklenburg-Vorpommern passieren“.

Grünen-Vize Höhn nennt den Aufschrei des „erklärten Gentechnik-Freundes Backhaus“ bemerkenswert. Ihr Fazit: „BASF und die gesamte Gentech-Branche haben regelmäßig ihre eigenen Produkte nicht unter Kontrolle.“

Aigner dringt auf „rasche und vollständige Aufklärung“ des Vorgangs. Anlass für eigene Aktivitäten sieht ihr Ministerium derzeit nicht. Die Kontrolle von Saatgut, Anbau und Ernte falle grundsätzlich in die Verantwortung der Bundesländer, so ein Sprecher.

Autor:  Michael Bergius
Datum:  9 | 9 | 2010
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