Ehingen. Die Drogeriekette Schlecker will Konsequenzen aus der Kritik ziehen, wonach das Unternehmen Stammbeschäftigte massenhaft durch Leiharbeiter ersetze.
Das Unternehmen erklärte am Montag, es habe die Diskussion um die Beschäftigung von Leiharbeitern der Firma Meniar bisher zwar nicht nachvollziehen können. Um die Diskussion aber zu beenden, habe Schlecker beschlossen, "mit sofortiger Wirkung keine neuen Arbeitnehmerüberlassungsverträge mit der Firma Meniar mehr abzuschließen". Für weitere Auskünfte war das Unternehmen zunächst nicht erreichbar.
Die Bundesregierung hat den Schlecker-Beschäftigten Unterstützung im Kampf gegen Lohndumping zugesagt. Das Bundesarbeitsministerium prüfe derzeit den Umgang des Unternehmens mit Zeitarbeit, erklärte eine Sprecherin von Ressortchefin Ursula von der Leyen (CDU). Als "letzte Option" kämen gegebenenfalls auch gesetzliche Schritte in Frage, um Missbrauch zu unterbinden. Auch solle die Bundesagentur für Arbeit noch einmal die Lizenz für die Leiharbeitsfirma Meniar überprüfen.
Zuvor hatte von der Leyen bereits in der ARD die Zustände bei Schlecker kritisiert. Die Art und Weise, wie die Drogerie-Kette Zeitarbeit nutze, sei nicht im Sinne des Gesetzgebers. "Was mich daran besonders ärgert, ist, dass das Thema der Zeitarbeit so in den Dreck gezogen wird", meinte die CDU-Politikerin. Grundsätzlich sei Leiharbeit ein gutes Instrument, das vielen Menschen eine Perspektive eröffne.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wirft Schlecker vor, mit Hilfe von Leiharbeit die Tarifstandards im Einzelhandel zu unterlaufen. Statt 12,70 Euro die Stunde erhielten dieselben Beschäftigten 6,78 Euro die Stunde, sagte Achim Neumann von Verdi der FR. Zudem entfielen Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Die Gruppe ist dabei, kleinere Filialen zu schließen und sich auf größere, sogenannte XL-Märkte zu konzentrieren. Allein 2009 hat Schlecker laut Neumann 1000 kleine Niederlassungen dichtgemacht und über 250 XL-Geschäfte eröffnet. Für diese Märkte besorge Meniar das Personal, das häufig zur alten Stammbelegschaft gehöre und zu deutlich schlechteren Konditionen als zuvor eingestellt werde, so Neumann.
Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Die Arbeitsbedingungen bewegten sich im Rahmen des allgemein Üblichen und entsprächen in jedem Fall den geltenden Bestimmungen, heißt es in einer Erklärung. Die Gewerkschaft habe mehrfach "gezielte Desinformations- und Diffamierungskampagnen" gestartet. Schlecker nannte es "befremdlich", dass Politiker mit einstimmten, obwohl ihre Parteien stets die Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse gefordert hätten.
Mittlerweile aber reicht die Gegnerschaft von Schlecker bis in die FDP. "So wie das bei Schlecker läuft, darf das nicht sein", betonte FDP-Arbeitsmarktexperte Heinrich Kolb. (mit rtr)
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