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Durst gelöscht: Radeberger bestellt Bionade

Die Oetker-Gruppe übernimmt die Mehrheit am Szenegetränkhersteller Bionade. Die Gründungsfamilie bleibt an Bord. Nicht nur deshalb soll beim Kultgetränk vieles beim Alten bleiben. Von Oliver Ristau

Bionade gehört jetzt mehrheitlich dem Mischkonzern Oetker.
Bionade gehört jetzt mehrheitlich dem Mischkonzern Oetker.
Foto: dpa

Die Szenelimo Bionade aus dem fränkischen Ostheim wird künftig mehrheitlich zu Deutschlands größter Getränke-Gruppe um Oetker und Radeberger gehören. Die Radeberger-Gruppe KG wird durch die Übernahme von Anteilen - vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamts - 70 Prozent an der neu firmierten Bionade Gruppe GmbH halten.

Der Gründerfamilie Kowalsky werden noch 30 Prozent gehören. Zugleich hat sich der Getränkehersteller Rhön-Sprudel von seiner Mehrheit an 51 Prozent der deutschen Bioande-Gesellschaft getrennt.

Dem Vernehmen nach hat Radeberger dafür 20 Mio. Euro bezahlt. Weiteres, nicht näher beziffertes Kapital soll in die Expansion von Bionade insbesondere in das europäische Ausland fließen. Nach Auskunft von Peter Kowalsky wäre mit dem nordhessischen Mineralbrunnen die Internationalisierung nicht möglich gewesen.

"Wir wollen keine regionale Szenelimo bleiben, sondern in der Liga großer Unternehmen mitspielen", sagte er am Freitag in Hamburg. In der Vergangenheit hatte es zudem Streit zwischen Rhön-Sprudel und der Familie insbesondere wegen der drastischen Preiserhöhung für Bionade im letzten Jahr gegeben.

Trotz der Oetker-Übernahme soll beim Kultgetränk vieles beim Alten bleiben. Die Kowalsky-Brüder Peter und Stephan werden in der dreiköpfigen Geschäftsführung die Mehrheit haben und die Strategie bestimmen können. "Bioande bleibt Bionade. Wir werden an der Marke nichts ändern. Wir respektieren den Charakter, der einzigartig im deutschen Getränkemarkt ist", sagte Radeberger-Chef Albert Christmann, der künftig im Beirat von Bionade sitzt. In die Geschäftsführung entsendet Radeberger nur einen Finanzmanager.

Es habe viele Interessenten für einen Einstieg bei Bionade gegeben, ergänzte Kowalsky. "Ein Verkauf an große Konzerne oder Private-Equity-Fonds kam für uns aber zu keinem Zeitpunkt in Frage."

Die Getränke-Fabrik in Ostheim stehe nicht zur Disposition, versicherte der Bioande-Gründer. Es werde auch keine Entlassungen geben. Die Verträge zwischen den Partnern sähen zum Schutz von Ostheim zudem vor, dass über einen möglichen zweiten Produktionsstandort nur einvernehmlich entschieden werden könne. Für Bionade arbeiten aktuell 170 Mitarbeiter, je zur Hälfte in Produktion und Vertrieb.

Kowalsky hofft, Dank der Vertriebsstrukturen des großen Partners künftig auch in Deutschland wieder mehr Limonaden verkaufen zu können. Im laufenden Jahr wird der Absatz um bis zu 25 Prozent im Vergleich zu 2008 einbrechen. Dieser Mengenverlust soll 2010 wieder ausgeglichen werden.

Genaue Absatzzahlen nannte Kowalsky nicht. Der Preis von aktuell 16 bis 17 Euro je Kasten könnte in Zukunft wieder sinken, da sich Bioande Dank Oetker eine bessere Kooperation mit dem Handel erhofft. Mit dem Bioandeverkauf erzielt die Gruppe im laufenden Jahr einen Umsatz von 40 Millionen Euro.

In neue Märkte will Bionade in bewährter Weise vordringen. "Wir halten am Hamburger Modell fest", versicherte Kowalsky. In Hamburg wurde Bionade 1997 in der Szenegastronomie erstmals eingeführt und hat sich darüber in der Hansestadt weiterverbreitet. Auf diese Weise setzte sich die Szenelimo im Anschluss in Berlin und Köln durch. "Das machen wir auch in anderen europäischen Städten so wie aktuell in Barcelona, Wien, Zürich, Amsterdam und Brüssel."

Diese Versuche seien erfolgreich. Auch wenn es mindestens fünf Jahre dauere, sich über den Clubweg zu etablieren, werde Bioande auch in Zukunft nicht den Weg über den Lebensmittel- und Getränkehandel wählen.

Autor:  Oliver Ristau
Datum:  2 | 10 | 2009
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