Die DZ Bank zieht nach einem Milliardenverlust Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise. Das Management um Vorstandschef Wolfgang Kirsch stellt das Geschäftsmodell des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken auf den Prüfstand.
Es hatte sich als zu risikoreich entpuppt. Schon heute steht fest: Die Filiale in New York wird verkleinert, in Mailand räumt die Frankfurter Bank komplett das Feld.
Im Bankgeschäft will sich der Allfinanzkonzern, zu dem unter anderem die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die R+V Versicherung und die Fondsgesellschaft Union Investment gehören, in Zukunft noch stärker auf das Verbundgeschäft konzentrieren. Dazu zählt beispielsweise das Mittelstandskreditgeschäft, das die DZ Bank gemeinsam mit den vor Ort tätigen Genossenschaftsbanken betreibt.
Zur Disposition stehen hingegen jene Teile des Kapitalmarkt- und Großkundengeschäfts, die nicht unmittelbar dem genossenschaftlichen Verbund dienen. "Das Kreditersatzgeschäft in Asset Back Securities werden wir sukzessive abbauen", kündigt Kirsch an.
Es hat bei der DZ Bank ein Volumen von 22 Milliarden Euro. Bei Asset Backed Securities (ABS) handelt es sich um mit Vermögensgegenständen (Assets) unterlegte (Backed) Wertpapiere (Securities). 570 Millionen Euro aus diesem Portfolio musste die Bank seit Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 bereits abschreiben. Mit weiteren 300 Millionen wird intern kalkuliert.
Die Werte schmelzen auch bei der DZ Bank weg wie Butter. Für das vergangene Jahr weist sie einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro aus. Dabei nutzte die Bank schon die Möglichkeit, Portfolien umzuklassifizieren. Andernfalls wäre die Belastung um 620 Millionen Euro höher gewesen.
Im Jahr davor hatte die Bank noch einen Gewinn in Höhe von fast 900 Millionen Euro einstreichen können. Für die Talfahrt sorgten Geschäfte mit Pleite-Banken in den USA (Lehman) und Island (Kaupthing), aber auch Abschreibungen auf eigentlich solide Wertpapiere im Sog der der Abwärtsspirale an den Märkten.
Kirsch muss deshalb auch als Feuerwehrmann agieren. Er kämpft bei den Volks- und Raiffeisenbanken um Rückhalt für eine Kapitalerhöhung ohne staatliche Hilfe. In zwei Schritten - vor und nach der Fusion mit dem Schwesterinstitut WGZ in Düsseldorf - sollen jeweils 500 Millionen Euro an das Spitzeninstitut fließen.
Außerdem soll die Sicherungseinrichtung der genossenschaftlichen Institute einen Risikoschirm über ein 1,2 Milliarden Euro schweres Portfolio mit toxischen Wertpapieren spannen. Das würde das Eigenkapital der DZ Bank schonen. Kirsch ist optimistisch, dass sein Vorschlag angenommen wird. Die Risiken würden der Konstruktion zufolge weiter bei der DZ Bank liegen.
Kirsch zeigte sich zuversichtlich, dass die geplante Fusion mit der WGZ Bank im April besiegelt werden kann. "Wir, DZ Bank und WGZ Bank, treten weiterhin mit vollem Engagement für die Fusion ein", sagt er. Meinungsverschiedenheiten mit WGZ-Chef Werner Böhnke wegen der anstehenden Kapitalerhöhung bei der DZ Bank seien aus dem Weg geräumt worden.
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