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31. Oktober 2014

E-Mobilität: Elektroautos ohne Bums

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War schon 1995 elektrisch im Straßenverkehr unterwegs: Formel-1-Weltmeister Nigel Mansell (Mitte) bei einer Aktion für Fahrsicherheit.  Foto: rtr

Die E-Mobilität kommt in Deutschland nicht vom Fleck. Es wirkt beinahe so, als würden die Autobauer ihre E-Fahrzeuge vor allem produzieren, um sie als Beweis ihres technologischen Know-hows ins Schaufenster der Händler zu stellen. Experten verlangen mehr Förderung.

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Von Montag an nimmt Mercedes Bestellungen entgegen – für die B-Klasse Electric Drive. Das Elektroauto hat einiges zu bieten. Zum großen Kofferraum und diversen Assistenzsystemen kommt der rein elektrische Antriebsstrang, der 180 PS und ein sattes Drehmoment bietet. Vor allem ist die Reichweite des Autos – „rund 200 Kilometer“ laut Werksangaben – größer als die der batteriegetriebenen Konkurrenten. Erstaunlich ist allerdings, dass das Debüt beinahe unmerklich passiert. Auf eine groß angelegte Marketingkampagne hat Mercedes verzichtet.

Die Markteinführung des Autos ist typisch für die Lage der Elektromobilität hierzulande, die nicht vom Fleck kommen will. Experten warnen, dass Deutschland den Anschluss verlieren könnte. Forderungen nach einer stärkeren Förderung der batteriegetriebenen Pkw werden laut.

Automobilwissenschaftler wie Stefan Bratzel hatten Anfang des Jahres noch mit 15 000 bis 20 000 Neuzulassungen in Deutschland bis Ende Dezember kalkuliert. Doch das Ziel wird trotz der elektrischen B-Klasse nicht erreicht. Nach Berechnungen des Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen wurden in den ersten neun Monaten des Jahres gerade einmal 6891 E-Autos neu zugelassen. Insgesamt sind derzeit gut 19 000 Pkw mit Stromantrieb auf den hiesigen Straßen unterwegs. Kanzlerin Angela Merkel hat als Ziel definiert, dass es eine Million dieser Autos im Jahr 2020 sein sollen. Das wirkt derzeit wie Science Fiction, obwohl mit dem Mercedes-Modell nun alle namhaften deutschen Autobauer Elektroautos im Angebot haben.

Vor allem auf dem E-Golf ruhten große Hoffnungen. Doch in den ersten neun Monaten wurden noch nicht einmal 800 Fahrzeuge zugelassen. Lediglich der i3 mit 1800 Stück ragt etwas heraus – der Wagen hat das Zeug zum Statussymbol. Doch die ganz große Mehrheit der Autofahrer lässt dies weitgehend kalt. Eine Umfrage der Beratungsgesellschaft PWC hat ergeben, dass lediglich ein Prozent der Frauen und Männer, die derzeit den Kauf eines Neuwagens erwägen, sich auch für ein Elektroauto interessieren. Die Abneigung hat offenbar vor allem mit dem hohen Preis und den geringen Reichweiten zu tun.

Und es wirkt beinahe so, als würden die Autobauer ihre E-Fahrzeuge vor allem produzieren, um sie als Beweis ihres technologischen Know-hows ins Schaufenster der Händler zu stellen. Nach dem Motto: Wir können’s auch mit Strom. Sind die hochfliegenden Pläne mit der Elektromobilität also ein Rohrkrepierer? „Es gibt keine Nachfrage, weil es kaum Anreize zum Kauf gibt“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR. Wer derzeit ein E-Auto erwirbt, wird zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Außerdem soll von Frühjahr 2015 an die Möglichkeit bestehen, dass Städte Parkplätze für E-Autos ausweisen, und ihnen kann das Befahren von Busspuren erlaubt werden. Die Frage ist: Reicht das?

Andere Länder, insbesondere China, gehen die Sache inzwischen forscher an. Es gibt eine Reihe von Subventionsprogrammen. So kann ein Autokäufer in Peking auf umgerechnet etwa 13 000 Euro vom Staat rechnen, wenn er sich für ein Elektroauto entscheidet. Zugleich wird Druck auf Autobauer gemacht. Sie müssen den Spritverbrauch ihrer Neuwagenflotte auf fünf Liter pro 100 Kilometer im Schnitt bis zum Jahr 2020 drücken. Volkswagen jedenfalls hat gerade angekündigt, in den nächsten vier Jahren 20 neue Elektro- und Hybridmodelle auf den chinesischen Markt zu bringen. Zunächst sind das alles Importfahrzeuge. Doch sukzessive soll auch in der Volksrepublik eine eigene Fertigung aufgebaut werden.

Umwelt schonen

Noch kommt die Elektromobilität nicht recht voran. Doch wenn man den Ergebnissen einer Forsa-Umfrage glaubt, ist für die deutschen Autofahrer ein Elektroauto durchaus eine Option. 37 Prozent können sich prinzipiell vorstellen, beim nächsten Autokauf einen E-Flitzer zu erwerben. Ihr Hauptmotiv ist die Schonung von Umwelt und Natur. (FR)

Denn in den vollen Genuss der staatlichen Subventionen kommen Autokäufer nur, wenn ihr Wagen auch im Reich der Mitte gebaut wurde. Deshalb soll auch schon BMW erwägen, eine Fertigung für den i3 in China aufzubauen, der bislang hierzulande gebaut wird. In der Branche kursiert die Befürchtung, dass früher oder später China den Zukunftsmarkt der Elektro-Pkw dominieren und Deutschland als Autostandort massiv an Bedeutung verlieren wird. Deshalb werden Forderungen nach staatlichen Zuschüssen wieder lauter, um die Nachfrage hierzulande anzukurbeln. „Wir brauchen eine Verkaufsförderung“, verlangt nun auch Dudenhöffer. Der Verband der Importeure (VDIK) wird noch konkreter: 5000 Euro soll’s vom Staat pro E-Auto geben. Zusätzlich werden für Dienstwagen noch Sonderabschreibungsmöglichkeiten gefordert. Auch Umweltschützer befürworten finanzielle Beihilfen – allerdings ganz gezielte: „Die Förderung von Lieferfahrzeugen wäre sinnvoll“, sagt Jens Hilgenberg vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Er meint damit Fahrzeuge für Kurier- und Paket- oder Pflegedienste. Derzeit sind das in der Regel Dieselfahrzeuge, die nur kurze Strecken und meist innerstädtisch fahren. Das bringt eine hohe lokale Abgasbelastung, die durch Elektrofahrzeuge erheblich gemindert werden kann. Auch für die Finanzierung der Förderung schlägt der BUND-Experte neue Wege vor. Sie soll „aufkommensneutral“ sein. Das heißt, das Geld, das der Staat an E-Auto-Käufer vergibt, soll er sich „bei Haltern von Spritschluckern und Stinkern“ holen, zum Beispiel in Form einer höheren Kfz-Steuer.

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