Diesel war an manchen Shell-Tankstellen in Frankfurt gestern zum ersten Mal seit Dezember 2007 teurer als Superbenzin. Ein Shell-Sprecher sagte zur Frankfurter Rundschau, dass die Dieselpreise derzeit auf hohem Niveau notierten. Entsprechend könne es vorkommen, dass die Preise für Superbenzin E5 lokal und zeitweise unter den Preis von Diesel sinken würden.
Bei E10 waren die Preise an den Shell-Tankstellen gestern aber nach Angaben des Sprechers unverändert, während manche Esso-Tankstellen den neuen Biokraftstoff E10 nun zum ersten Mal billiger anboten.
Die Tankstellenkette Esso versucht mit einer Preisoffensive den Autofahrern den neuen Biokraftstoff E10 doch noch schmackhaft zu machen. An manchen Tankstellen des Unternehmens sollen nun die Preise sinken, wie eine Esso-Sprecherin laut Bild-Zeitung sagte. Es sei nicht gelungen, die Akzeptanz des neuen Kraftstoffs mit einem Bioethanolanteil von zehn Prozent durch Aufklärungsarbeit zu steigern. Jetzt bleibe nur noch die Preissenkung.
Bislang haben die Tankstellenbetreiber auf diesen Schritt verzichtet und an ihrer Preispolitik festgehalten, E10 lediglich zwischen fünf und acht Cent billiger als den herkömmlichen Kraftstoff Superplus anzubieten. Die Esso-Konkurrenten Aral und Shell waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Es muss also abgewartet werden, ob die Marktführer nun auf die Preissenkung von Esso reagieren werden.
Der Automobilexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch-Gladbach kritisierte die Preissenkung zum jetzigen Zeitpunkt. „Die Preissenkung kommt sehr spät“, sagte er der Frankfurter Rundschau. „Das hätte viel früher ein wichtiger Bestandteil einer Einführungskampagne sein können, um den Biokraftstoff positiv zu besetzen.“ Jetzt werde aus der Not heraus der Preis gesenkt, weil die Tanks vielerorts voll liefen.
Der Auto Club Europa reagierte verärgert, dass Esso die Preise nur an manchen Tankstellen und nur testweise senken will. „Tankkunden werden als Testobjekte missbraucht“, sagte ein ACE-Sprecher. „Man will sehen, wo ihre Schmerzgrenze liegt. Diese Methode ist sittenwidrig.“
Zwei Wochen ist es her, seit sich die Bundesregierung, die Wirtschaft und die Verbände darauf geeinigt haben, die Verbraucher besser über den neuen Kraftstoff zu informieren. 90 Prozent der Autos kommen mit dem Kraftstoff problemlos zurecht. Doch die Skepsis der Autofahrer hat sich nicht gelegt: Rund 85 Prozent der Autofahrer lehnen laut einer Studie des ADAC den Kraftstoff kategorisch ab, berichtete das Magazin Spiegel. Fast 40 Prozent der Autofahrer gaben darin an, sie seien nicht vom Nutzen für die Umwelt überzeugt.
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