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16. November 2012

EADS-Aktionär Lagardère: Dilettantisches Turteltäubchen

 Von Stefan Brändle
Arnaud Lagardère interessiert sich nicht für Rüstung und Luftfahrt. Er turtelt lieber mit einem belgischen Topmodel. Foto: AFP

Der französische Hauptaktionär Lagardère will aus dem Luftfahrtkonzern EADS schneller als geplant aussteigen. Wahrscheinlicher ist, dass er von den peinlichen Meldungen über sein Privatleben ablenken will. Die erregen in Frankreich großes Aufsehen.

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Paris –  

Arnaud Lagardère (50) ist ein wichtiger Mann. In Frankreich steht er einem der wichtigsten Medien- und Rüstungskonzerne vor; beim europäischen Airbus-Mutterhaus EADS - an dem er 7,5 Prozent der Anteile hält - ist er Verwaltungsratspräsident. Familienintern nennt man ihn aber nur "Klein-Nono".

Diese und andere privaten Details enthüllte diese Woche ein Dokumentarfilm des belgischen Staatsfernsehens RTBF, ausgestrahlt im Rahmen der Serie "die sieben Todsünden". Arnaud Lagardère, den die Natur nicht mit den Ausmaßen eines Basketballspielers ausgestattet hat, scharwenzelt darauf mit seiner letzten Errungenschaft, dem belgischen Topmodel Jade Foret – das dreißig Jahre jünger und zwanzig Zentimeter größer ist als "Nono" und darüber hinaus gerne 15 Zentimeter hohe Spitzenabsätze trägt.

Lagardere mit Jade Foret.
Lagardere mit Jade Foret.
Foto: imago stock&people

Konzernchef Lagardère ist sich nicht zu schade, sich mit der imposanten Belgierin in allen Lebenslagen filmen zu lassen. Vor laufender Kamera turtelt er mit ihr herum, als hätten sie sich soeben in einer Teenie-Disko kennengelernt. Sein trotziger Eigenkommentar dazu: "Ich habe keine Komplexe, ich pfeife auf die Leute."

„Was ist nur in Lagardère gefahren?“, fragen die französischen Medien entgeistert. Eine diese Woche erschienene Lagardère-Biographie zeichnet dazu ein wenig schmeichelhaftes Bild von dem Konzernerben: Klein Arnaud sei "unvorhersehbar, intelligent, widersprüchlich und dilettantisch"; seine Mutter rüge ihn wegen seines Haarschnittes, und sein 2003 verstorbener Vaters Jean-Luc Lagardère laste noch heute als unsichtbares Über-Ich über dem Einzelsohn.

Ausstieg bei EADS schon 2013

Was bis zu einem gewissen Grad verständlich ist: Lagardère senior hatte als einer der größten Industriekapitäne Frankreichs den Lagardère-Konzern dank Medien wie Paris-Match und Rüstungsmarken wie Matra gegründet und groß gemacht; dank seiner engen Kontakte zu Staatspräsidenten wie Jacques Chirac wurde er zu einer zentralen Figur bei Airbus und EADS. Heute noch hält der Lagardère-Konzern zusammen mit der Pariser Regierung das französische Aktienpaket von 22,3 Prozent an EADS - gleichviel wie Daimler für Deutschland zeichnet.

Lagardère junior interessiert sich aber nicht für Rüstung und Luftfahrt. In dem Dokumentarfilm sagt Arnaud zwar, er "liebe" es, Unternehmen zu leiten. Aber den 7,5-prozentigen EADS-Anteil will er seit langem abstoßen. Der frühestens 2014 erfolgenden Start des Airbus A350 wollte er aber bisher abwarten. Mitte Woche erklärte er jedoch überraschend, er steige bei EADS (Börsenwert 23 Mrd. Euro) "sehr wahrscheinlich" schon 2013 aus.

Katar wartet auf den Einstieg

Das Pariser Magazin le nouvel Observateur mutmaßt, ob Lagardère damit die Schlagzeilen über die - gleichentags ausgestrahlte - belgische Doku - übertönen wollte. Auf jeden Fall schwächt er die Lage des Konzerns, der zurzeit die gescheiterte Fusion mit der britischen BAE Systems verdaut und mit einer Korruptionsaffäre in Österreich kämpft. Da auch Daimler einen Drittel seines 22,3-prozentigen Anteils loswerden will, debattieren Paris und Berlin seit Monaten über eine geordnete Neuordnung ihres Aktionärspaktes. Lagardère Ankündigung erhöht nun den Druck auf die Regierungen beider Länder, zu einer Einigung zu kommen.

Am einfachsten wäre, die deutschen und französischen Anteile würden auf 15 Prozent gesenkt. Das würde die Machtbalance erhalten. Das würde aber neue Aktionäre auf den Plan rufen; vor allem der Staatsfonds von Katar wartet nur darauf. Ihm wollen aber weder Paris noch Berlin mehr Mitsprache einräumen. Eine Alternative wäre, dass der französische Flugzeughersteller Dassault das Lagardère-Paket übernähme. Branchenexperten wie Christophe Ménard von Kepler Equities halten das aber für "sehr unwahrscheinlich". Zufrieden mit Lagardères Ankündigung ist wohl Daimler, wo man nur mit einer Beschleunigung der Kapitalumschichtung rechnet.

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