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13. September 2012

EADS BAE Fusion: Angst vor einem neuen Giganten

 Von Markus Sievers, Thomas Magenheim und Frank Wenzel
Prototyp der Tarnkappen-Kampfdrohne Tarianis, mitentwickelt von BAE.  Foto: dapd

In Politik und Wirtschaft machen sich Bedenken gegen die geplante Fusion von EADS und BAE breit. Es würde nicht nur der weltgrößte Rüstungskonzern entstehen - sondern ein neuer Gigant.

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Ein Insider spricht von einem „echten Paukenschlag“. Das habe niemand auf der Rechnung gehabt. EADS-Chef Thomas Enders und der Boss von BAE Systems, Ian King, wollen sich zusammentun, um den weltgrößten Rüstungskonzern zu schmieden.

Noch ist nichts entschieden. Die Briten haben bis zum 10. Oktober Zeit, um der Londoner Börsenaufsicht zu erklären, ob sie die Transaktion tatsächlich durchziehen. Doch schon am Donnerstag kamen schon jede Menge Bedenken hoch.

„Wir sind um Unterstützung dieser Fusion gebeten worden“, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums dieser Zeitung. Eine enge Abstimmung mit der französischen Seite sei vorgesehen, hieß es zudem in Regierungskreisen. Euphorische Zustimmung hört sich anders an. Hinter dieser Zurückhaltung steckt die Frage, wie es um die Rolle des Staates bei dem neuen Giganten bestellt sein wird. BAE und EADS planen „Goldene Aktien“ für die beteiligten Länder (Deutschland, Frankreich, Großbritannien). Diese sollen aber nur noch dazu dienen, eine feindliche Übernahme zu verhindern. Hinter dieser Idee dürfte vor allem auch EADS-Chef Thomas Enders stecken, der seit Jahren versucht, den Einfluss der Regierungen zurückzudrängen.

Hickhack befürchtet

Bei EADS hat die Politik derzeit viel zu sagen. Die deutsche und die französische Seite kommen auf jeweils 22,5 Prozent der Anteile – Daimler und der französische Mischkonzern Lagardère fungieren dabei als eine Art Treuhänder der Regierungen. Bei allen wichtigen Entscheidungen sitzt die Politik mit am Tisch.

Auf den ersten Blick klingt die Fusion auch für französische Ohren bestechend: So würde vor dem amerikanischen Rivalen Boeing die weltweite Nummer eins der Branche entstehen – und ein solches Argument zieht in der einstigen Grande Nation immer. Es hat aber auch eine Kehrseite. In Paris steht man allem, was aus London kommt, prinzipiell misstrauisch gegenüber. BAE habe eine proamerikanische Neigung und sei in Europa auf sich selbst bezogen, schreibt die Zeitung Le Monde. Bei Bedarf schreckten die Briten auch vor einem sozialen Aderlass nicht zurück. Die Diskussion um den Megadeal ist jedenfalls eröffnet. Analysten befürchten, dass ein längeres Hickhack folgt, das beide Unternehmen womöglich über Monate lähmen könnte. Deshalb brachen am Donnerstag die Aktienkurse von EADS und BAE ein. Skeptisch machte die Marktteilnehmer auch, dass mit der Verschmelzung ein hochkomplexes Gebilde entstehen würde, das den Riesen-Passagierjet A380, aber auch Lenkwaffen und Panzerfahrzeuge herstellt.

Zwei getrennte Sparten

Die EADS-Seite soll an dem neuen Konzern zwar 60 Prozent der Anteile halten. Sinnvoll ist die Fusion nach Ansicht von Branchenkennern nur dann, wenn das Unternehmen in zwei strikt getrennte Sparten aufgeteilt wird: Auf der einen Seite Airbus mit den zivilen Passagierjets, auf der anderen Seite das Rüstungsgeschäft. Dort dürften BAE -Leute das Sagen haben. Das könnten die EADS-Töchter Eurocopter (Hubschrauber) und Cassidian (Rüstung ) zu spüren bekommen. Enders hat bei Cassidian schon eine Umstrukturierung eingeleitet.

In der Münchner Zentrale werden gerade 600 Stellen abgebaut. Bernhard Stiedl, der für die IG Metall im Aufsichtsrat der deutschen EADS sitzt, sieht jedoch trotz allem erst einmal keinen Grund, warum es durch ein Fusion noch mehr werden sollten. Massive Auswirkungen dürfte die Elefantenhochzeit aber auf die EADS-Konkurrenten in Europa haben. Eine Konsolidierung sei die „logische Konsequenz“, sagt Stiedl. Wettbewerber wie Finnmeccanica, in der fast alle italienischen Rüstungs- und Raumfahrtunternehmen zusammengefasst sind, oder die schwedische Saab könnten sich alsbald nach Partnern umschauen.

Schwieriges Geschäft

Mittelständische Firmen könnten geschluckt werden. Das hat mit den Besonderheiten des Rüstungsgeschäfts zu tun. Wirtschaftliche Stärke ist wichtig, denn die Unternehmen müssen enorm viel Geld in Forschung und Entwicklung stecken. In der Branche wird häufig die grenze des technisch Machbaren ausgelotet. Deshalb sind die Unternehmen als Innovationsträger für die Regierungen von großer strategischer Bedeutung. Hohe Renditen waren den Firmen jahrzehntelang sicher.

Doch das Rüstungsgeschäft ist in jüngster Zeit immer schwieriger geworden, da viele Staaten ihre Wehretats heftig zusammengestrichen haben. Auch BAE leidet heftig darunter, das dürfte auch der entscheidende Grund dafür sein, dass die Briten bei EADS unterkommen wollen. Denn der aktuelle Boom im Passagierjet-Geschäft könnte die Abteilung Rüstung dauerhaft stabilisieren.

In der Branche ist bereits von einem neuen marktbeherrschenden Unternehmen und von einem neuen Machtzentrum in Europa die Rede, das auch erheblichen Einfluss auf die Politik und damit auf Beschaffungsprojekte für neues Kriegsgerät haben könnte. Immerhin würde der Gigant über rund 225.000 Arbeitsplätze verfügen.

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