Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ist der EC-Netzbetreiber Easycash unter Verdacht geraten, gegen den Datenschutz zu verstoßen. Recherchen des Radiosenders NDR Info, denen zufolge das Unternehmen über eine Tochtergesellschaft, die 14 Millionen Kundenkartenprogramme betreut, Kontodaten mit Informationen über das Kaufverhalten verknüpft hat um Kundenprofile zu vermarkten, bestätigten sich nicht.
Easycash räumte zwar ein, dass es über ein derartiges Geschäftsmodell zwar nachgedacht habe. Die Idee sei dann aber „unter anderem aufgrund datenschutzrechtlicher Vorbehalte“ nicht umgesetzt worden, teilte Frank Wio, Mitglied der Geschäftsleitung von Easycash, per Email mit.
Auch der Hamburger Landesdatenschutzbeauftragte Johannes Casper, in dessen Zuständigkeit die in Hamburg ansässige Easycash-Tochter fällt, gab Entwarnung. Von der Berichterstattung alarmiert, hatte er dem Unternehmen am Donnerstag einen Überraschungsbesuch erstattet, um sich die Geschäftspraktiken des Unternehmens anzusehen. Denn für eine derartige Verknüpfung personenbezogener Daten fehlt jede Rechtsgrundlage.
Nach der Durchsuchung sagte er in einem Interview, dass sich die Vorwürfe nicht bestätigt hätten. Es habe keinen massenhaften Missbrauch von Kundendaten gegeben. Das Vorhaben zeige jedoch, dass das Datenschutzbewusstsein bei der Easycash-Tochter nicht sehr ausgeprägt sei.
Luxuskunde oder Schnäppchenjäger
Interessant wären die Daten für Handelskonzerne allemal: Anhand der Kontodaten und der Einkaufsgewohnheiten ließe sich relativ zuverlässig ermitteln, über welchen finanziellen Spielraum der Kunde verfügt. Diese Information würde dem Händler unnötige Ausgaben ersparen. Etwa, in dem sie Werbung für Luxusartikel zum Beispiel gar nicht erst an Kunden verschicken, deren Girokonto bisweilen nicht einmal ausreichend gedeckt ist, um Lebensmitteleinkäufe zu bezahlen oder die sich mit Vorliebe mit heruntergesetzten Artikeln eindecken.
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Datenschützer warnen schon lange davor, mit der Anmeldung für Bonusprogramme leichtfertig persönliche Daten preiszugeben, weil es kaum nachzuvollziehen ist, was damit geschieht. Easycash war vor zwei Wochen bereits wegen der umstrittenen Speicherung von 50 Millionen Kundendaten in die Kritik geraten. Damals hatte Easycash erklärt, es betrachte Kontoverbindungen nicht als personenbezogene Daten, eine Sichtweise, der Datenschützer widersprechen. Sie sehen die Liste solventer Kunden, die Easycash den Handelskonzernen zur Verfügung stellt kritisch. Bei diesen zahlungskräftigen Kunden verzichten manche Händler auf die Eingabe der PIN-Nummer, was für sie kostengünstiger, aber riskanter ist. (lee/afp)
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