Gekocht, gefärbt, oder ausgeblasen und kunstvoll bemalt: Das Hühner-Ei ist zu Ostern nach wie vor der Verkaufsschlager. Bereits ein Wochenende vor Ostern steigt der Verkauf von frischen Eiern in den Geschäften um 30 Prozent. Händlern und Branchenkennern zufolge wird sich daran auch in diesem Jahr nichts ändern. Und das, obwohl die Verbraucher nach dem Skandal um falsch deklarierte Eier im Ungewissen bleiben, ob die auf der Verpackung genannte Herkunft mit der Haltung der Legehennen übereinstimmt.
Öko-Haltung: Bis zu sechs Hennen dürfen auf einem Quadratmeter im Stall mit je vier Quadratmetern Auslauf leben.
Freiland: Bis zu neun Hennen teilen sich einen Quadratmeter im Stall und jeweils vier Quadratmeter Auslauf.
Bodenhaltung : Die Hennen werden nur im Stall gehalten. Pro Quadratmeter sind nicht mehr als neun Tiere erlaubt.
Käfig: Die traditionelle Käfig-Haltung ist in der EU verboten. Neue „ausgestalteten Käfige“ bieten 750 cm² Fläche pro Tier mit Sitzstangen und Nestern.
Dafür weichen die Deutschen offenbar zunehmend auf Eier vom benachbarten Hofladen aus. „Die Nachfrage nach nationalen und regionalen Produkten dürfte zugenommen haben“, sagt Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands Lebensmittelhandel. „Die Kunden legen zunehmend Wert auf Eier aus alternativen Haltungsformen.“
Wie im Februar bekanntwurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg seit 2011 gegen etwa 150 landwirtschaftliche Betriebe. Es bestehe der Verdacht, dass mehr Hühner auf engem Raum gehalten wurden als gesetzlich erlaubt ist. So wurden unter anderem Millionen Bio-Eier verkauft, die so nicht hätten deklariert werden dürfen. Nicht nur gegen Ökobetriebe, sondern auch gegen Betriebe mit Freiland-, Boden- und Kleingruppenhaltung in Käfigen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Laut Gesetz dürfen Bio-Hennen zu sechst auf einem Quadratmeter im Stall leben, Hennen aus Freiland- und Bodenhaltung zu neunt. Hennen aus ökologischer und Freilandhaltung sollen zudem mindestens vier Quadratmeter Auslauffläche zustehen. Auch in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Belgien und den Niederlanden waren Fälle bekanntgeworden. Ob gegen die 150 Betriebe in Niedersachsen Anklage erhoben wird, ist laut Staatsanwaltschaft Oldenburg noch offen.
Weil die betroffenen Betriebe wegen laufender Ermittlungen nicht namentlich genannt wurden, seien viele Kunden verunsichert, bemängeln die Verbraucherschützer. Beim Pferdefleisch-Skandal sei der Umsatz nach Veröffentlichung von Produktnamen rapide weggebrochen, sagt Armin Valet von der Verbraucherschutzzentrale Hamburg. „Die Lasagne liegt wie Blei in den Tiefkühlregalen.“ Bei den vermeintlich falsch etikettierten Eiern hätten die Kunden nur die Möglichkeit, ganz auf den Verzehr zu verzichten. Verbraucherschützer raten daher zum Kauf von Eiern aus ihrer Region, weil dann die Lieferkette kürzer ist. „Das Risiko einer falschen Beschriftung ist geringer, je weniger Leute ihre Finger im Spiel haben“, sagt Valet. Eine Garantie für fehlerfreie Etiketten gebe es momentan nicht.
Nur das Beste vom Pferd - das gibt es bei Metzgern. Im Februar 2013 weisen Kontrolleure Pferdefleisch in Lasagne, Ravioli und Pasteten von fast 30 Unternehmen nach - die Produkte wurden nicht entsprechend deklariert.
Foto: REUTERSUmfragewerte aus dem Jahr 2011 geben den optimistisch gestimmten Händlern Recht. Damals war in mehreren landwirtschaftlichen Betrieben der Schadstoff Dioxin ins Tierfutter gelangt. 66 Prozent der Bundesbürger gaben in einer Umfrage des Forschungsinstituts Infratest an, ihr Kaufverhalten daraufhin aber nicht zu ändern. Nur vier Prozent verzichteten ganz auf den Verzehr von Eiern. Der Bauernverband betont zudem, dass Verbraucher nie durch die falsch deklarierten Eier gefährdet waren.
Insbesondere Eier aus Deutschland könnten jetzt zur Osterzeit aufgrund der gestiegenen Nachfrage knapp werden. Allerdings müssen die Bundesbürger nicht mit höheren Preisen oder einem Ausverkauf in den Geschäften rechnen, sagen Experten. In der Bundesrepublik werden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes jährlich durchschnittlich rund zehn Milliarden Eier erzeugt. Allein die deutschen Privathaushalte kauften pro Jahr rund 7,4 Milliarden Eier ein.
Um den zusätzlichen Bedarf der weiterverarbeitenden Betriebe wie Bäckereien und Nudelhersteller zu decken, ist Deutschland zunehmend auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Nur noch 58 Prozent der 2010 in Deutschland verbrauchten Eier kommen aus dem Inland, 1995 waren es noch 72 Prozent. Die meisten Eier-Importe stammen von Legehennen aus den Niederlanden. Weitere Eier kommen aus Belgien, Luxemburg, Polen, Lettland, Spanien, Frankreich oder der Tschechischen Republik.
Das sechseckige deutsche Bio-Siegel mit grünem Rand garantiert, dass das Erzeugnis die Anforderungen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau erfüllt. Mit dem Logo versehene Lebensmittel dürfen nicht gentechnisch verändert sein, mindestens 95 Prozent der Zutaten müssen aus Öko-Landbau stammen. Antibiotika oder andere künstliche Stoffe im Tierfutter sind verboten. Tiere müssen artgerecht gehalten werden. Bei Geflügel beinhaltet dies den Auslauf für die Tiere, eine Besatzdichte von maximal zehn Tieren pro Quadratmeter und maximal 4800 Tiere pro Stall sowie überwiegend ökologisch erzeugtes Futter.
Foto: Rolf VennenberndDie Eier-Paletten in den Supermarkt-Regalen sind aber nicht nur wegen der Importe gut gefüllt. Bäckereien und Nudelhersteller sorgen vor und schränken ihre Produktion zur Osterzeit ein. Aber auch die Verarbeiter sind einer neuen Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg zufolge in die Kritik geraten. Grund: Zwei Drittel von 99 befragten Herstellern informieren die Verbraucher demnach nicht auf den Etiketten über die Haltungsform der Hühner. Bei Fertiglebensmitteln hätten die Verbraucher nicht die Chance, sich wie bei frischen Eiern zwischen Bio-, Freiland-, Boden- oder Kleingruppenhaltung zu entscheiden, kritisiert Verbraucherschützer Valet.
Hersteller wie Häagen-Dasz oder Kühne verwendeten eigenen Angaben zufolge auch Eier aus Kleingruppenkäfigen. Gute Noten erhielten Kuchen von Bahlsen und Dr. Oetker und Eiscreme von Ben&Jerry’s und Schöller. Auch einige Supermarktketten wie Aldi und Edeka verzichteten bei ihren Eigenmarken auf Eier aus der umstrittenen Kleingruppen-Haltung. Allerdings könnten auch Erzeugnisse aus der in der EU verbotenen Käfighaltung in deutsche Produkte gelangen, kritisiert Valet. An diesem Freitag will der Bundesrat entscheiden, ob die Bundesregierung eine Kennzeichnungspflicht der Haltungsform bei Fertigprodukten einführen soll.
Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.
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22% | Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen. |
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67% | Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht. |
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11% | Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend. |

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