Der Großaktionär Allianz springt der Commerzbank in der Not bei. Laut Finanzkreisen sei der Münchener Versicherer grundsätzlich bereit, seine Stille Einlage von 750 Millionen Euro so anzupassen, dass die Commerzbank sie zum Stopfen ihrer rund 5,3 Milliarden Euro großen Eigenkapital-Lücke nutzen kann, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Beschlüsse gebe es aber noch nicht. Damit käme die Bank dem Ziel einen großen Schritt näher, die Lücke ohne staatliche Hilfe zu schließen. „Die Bank ist zuversichtlich, das Paket rechtzeitig schnüren zu können“, sagte ein Insider. Es werde aber bis zur letzten Minute dauern. Die Allianz und die Commerzbank wollten sich nicht dazu äußern.
Die Commerzbank-Aktie legte nach der Meldung zu und notierte am Nachmittag vier Prozent im Plus bei 1,29 Euro. Allianz-Papiere lagen 1,3 Prozent im Plus. Die Allianz hatte die Stille Einlage kurz nach der Übernahme ihrer Tochter Dresdner Bank durch die Commerzbank gezeichnet. Sie wird von der EU-Bankenaufsicht nicht als hartes Kernkapital anerkannt, weil der Versicherer auch dann Zinsen darauf erhält, wenn die Bank Verluste schreibt. Damit die Commerzbank sie in die Waagschale werfen kann, müssten die Zinsen vom Gewinn abhängig sein. Ob die Einlage „gehärtet“ oder direkt in Aktien umgewandelt wird, war zunächst offen. In jedem Fall würde die Allianz damit ein größeres Risiko eingehen. Sie ist nur noch mit weniger als fünf Prozent an der Commerzbank beteiligt.
Stabili
Allianz-Finanzvorstand Oliver Bäte hatte in den Gesprächen mit der Commerzbank zunächst zur Bedingung gemacht, dass sein Konzern dadurch keinen finanziellen Schaden erleide. Nun sieht sich die Allianz aber offenbar in der Pflicht, zur Stabilisierung des Finanzsystems beizutragen. Sie hatte sich in der vergangenen Woche bereit erklärt, bei der 7,5 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung von Unicredit mit 150 Millionen Euro mitzuziehen, an der sie zwei Prozent hält.
Der Rettungsplan der Commerzbank wäre damit zu vier Fünftel perfekt. 2,7 Milliarden Euro soll die Reduzierung der Risiken in der Bilanz (RWA) bringen, 700 Millionen Euro hat die Bank durch den Rückkauf von Hybridanleihen eingesammelt. 200 Millionen Euro dürfte der Verkauf der früheren Dresdner-Bank-Zentrale gebracht haben. Die Commerzbank muss wie 30 andere europäische Banken bis zum 20. Januar den Aufsehern einen Plan vorlegen, wie sie bis Ende Juni auch unter den widrigen Bedingungen der Schuldenkrise auf neun Prozent hartes Kernkapital kommen will. (rtr)
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