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Ein-Euro-Jobs: AWO zieht Putztruppe zurück

Die Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein zahlte ihren Haushaltshilfen für Ältere 1,25 Euro pro Stunde. Von den Senioren kassierte man aber acht Euro. Nun ist die umstrittene Praxis - nach heftiger Kritik - beendet. Von Tobias Schwab

Die AWO lässt in Neumünster künftig keine Arbeitslosen mehr putzen.
Die AWO lässt in Neumünster künftig keine Arbeitslosen mehr putzen.
Foto: bilderberg

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Schleswig-Holstein beendet ihr umstrittenes Ein-Euro-Job-Projekt in Neumünster. Der Vorwurf, der Sozialverband bereichere sich und missbrauche Arbeitsmarktmittel sei zwar widerlegt, behauptet die AWO. Der Sozialverband sei aber nicht länger bereit, "eine Beschädigung seines guten Rufes als gemeinnütziger Träger sozialer Dienstleistungen zuzulassen", sagte Geschäftsführer Volker Andresen.

Die AWO war mit ihrer Dienstleistungsagentur heftig in die Kritik geraten. Der Verband beschäftigt in dieser Service GmbH Ein-Euro-Jobber, die als Haushaltshilfen für ältere Menschen 1,25 Euro pro Stunde erhalten. Von den Senioren kassierte die AWO-Agentur allerdings acht Euro die Stunde fürs Putzen und Einkaufen. Darüber hinaus überweist die Arge Neumünster eine monatliche Pauschale von rund 200 Euro für jeden Jobber an die AWO.

Ein-Euro-Jobs

Arbeitslose erhalten durch Ein-Euro-Jobs die Möglichkeit, sich etwas zum Arbeitslosengeld II hinzuzuverdienen und wieder aktiv am Arbeitsleben teilzunehmen. Zielgruppe des im Sozialgesetzbuch II verankerten Beschäftigungsinstruments sind Menschen mit "mehrfachen Vermittlungshemmnissen".

Die Arbeiten müssen zusätzlich, im öffentlichen Interesse und wettbewerbsneutral sein. Die Jobber erhalten als Zuschuss zum Arbeitslosengeld II eine Aufwandsentschädigung von in der Regel ein bis zwei Euro pro Stunde.

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben befragte Betriebe mehr als die Hälfte der Ein-Euro-Jobber als fit für den ersten Arbeitsmarkt eingeschätzt. Die IAB-Forscher warnen aber auch vor Verdrängungseffekten. Reguläre Jobs seien besonders im Pflege- und Betreuungssektor gefährdet. (tos)

Nachdem das Geschäftsmodell am Montag publik geworden war, leitete die Arge Neumünster eine Untersuchung ein. "Die Prüfung läuft noch", sagte Behördenchef Rolf-Dieter Brüggen. Eine abschließende Bewertung sei erst Anfang nächster Woche zu erwarten. Brüggen betonte aber erneut, vom Acht-Euro-Tarif nichts gewusst zu haben. "Sonst wäre die Maßnahme nicht gelaufen."

Unter falschen Voraussetzungen hat offenbar auch die regionale Industrie- und Handelskammer (IHK) das AWO-Projekt abgenickt. Von Putz- und Reinigungsarbeiten sei in der Ausschreibung keine Rede gewesen, sagte Peter Dohm, Geschäftsführer der IHK-Zweigstelle Neumünster, der Frankfurter Rundschau.

Nur deshalb habe die IHK dem Vorhaben die "Unbedenklichkeit" attestiert. Die tatsächlichen Aufgaben der AWO-Jobber stünden aber eindeutig im Wettbewerb mit der Reinigungsbranche. "Für acht Euro bekommt man auch Putzleute, wenn man eine Anzeige schaltet."

Ein-Euro-Kräfte dürfen im Rahmen von Hartz IV nur "zusätzliche" Arbeiten übernehmen, die reguläre Jobs nicht verdrängen. Deshalb muss die IHK Ein-Euro-Projekten die Unbedenklichkeit bescheinigen.

Die AWO betonte gestern, dass sie mit dem Putz-Projekt keine Gewinne gemacht habe. Die 200-Euro-Pauschale der Arge reiche nicht aus, um die begleitende sozialpädagogische Betreuung der Langzeitarbeitslosen zu finanzieren. Der Verband müsse am Ende sogar drauflegen.

AWO-Chef Andresen fordert eine Generaldebatte aller Beteiligten über die Rahmenbedingungen der Beschäftigungsinstrumente für Langzeitarbeitslose.

Autor:  Tobias Schwab
Datum:  26 | 3 | 2010
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