„Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen“, sagt Josef Ackermann. Foto: reuters
Ausgerechnet die Ombudsstelle der Lobbyorganisation der privaten Banken in Deutschland kritisiert die Deutsche Bank für ein makaberes Finanzprodukt: Anleger können auf die Lebenserwartung von Menschen wetten.
Während seiner letzten Bilanzpressekonferenz als Chef der Deutschen Bank lehnte sich Josef Ackermann weit aus dem Fenster. „Als Marktführer in Deutschland und eine der führenden Banken weltweit sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung, (...) unsere ökonomischen Ziele auf ehrbare, das heißt moralisch vertretbare Weise zu erreichen“, sagte er.
Just am selben Tag ging in der Anwaltskanzlei von Ferber-Langer ein Schreiben ein, das Ackermann nicht einerlei sein kann. Ausgerechnet die Ombudsstelle des Bundesverbandes deutscher Banken, der Lobbyorganisation der privaten Geldhäuser, attestiert dem hiesigen Branchenprimus, mit einem Finanzprodukt um Anleger gebuhlt zu haben, das „mit unserer Wertordnung, insbesondere der im Mittelpunkt stehenden Unantastbarkeit der menschlichen Würde (Art.1 Abs. 1 GG) kaum in Einklang zu bringen“ sei. Der Grund: Mit dem Fonds Kompass Life 3 können Anleger auf die Lebenserwartung von Menschen spekulieren.
Protest vor der Deutschen Bank
Bildergalerie ( 12 Bilder )
Protest vor der Deutschen Bank
Globalisierungskritiker von Attac erklimmen ein Glasvordach.....
Foto: Alex Kraus
...und holen ein Transparent hervor - aus dem Warmen von Journalisten beobachtet.
Foto: Alex Kraus
Dann befestigen sie das Transparent an der Front des Glasdaches.
Foto: Alex Kraus
"Reif für die Steuerfahndung...
Foto: Alex Kraus
...Deutsche Bank raus aus Steueroasen".
Foto: AFP
Symbolisch verhaftet ein Steuerfahnder den Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann (ein verkleideter Aktivist).
Foto: Alex Kraus
Weitere Bilder vom Protest....
Foto: Alex Kraus
Zur Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank und dem letzten Auftritt von Vorstandschef Josef Ackermann kommen nicht nur Journalisten - auch Demonstranten nutzen die Chance sich Gehör zu verschaffen.
Foto:
AFP
Fotostrecken Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Wirtschaft
Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Auf die Idee kamen die Konstrukteure des umstrittenen Produkts, weil es insbesondere in den USA einen wachsenden Zweitmarkt für Lebensversicherungen gibt. Menschen, die sich ihre Altersvorsorge nicht mehr leisten können, verkaufen sie an darauf spezialisierte Finanzinstitute.
"Menschen werden instrumentalisiert"
Diese Finanzinstitute bedienen die Verträge weiter − und hoffen auf ein Geschäft. Immerhin helfen sie dabei den Versicherten in der Regel aus einer tatsächlichen finanziellen Notlage.
Die Deutsche Bank hingegen simulierte solch eine Situation lediglich. Sie ließ 500 US-Amerikaner von einem Dienstleister nach diversen Kriterien aussuchen, die lediglich so taten, als schlössen sie eine Lebensversicherung ab.
Wie im richtigen Leben mussten sie sich einer medizinischen Untersuchung unterziehen. Danach wurde ein hoch kompliziertes Finanzprodukt konstruiert. Wer am Ende gewinnt, der Anleger oder die Bank, hängt davon ab, wie alt die Referenzpersonen werden. „Bestimmte Menschen werden instrumentalisiert, um Kapitalanlegern oder der Emittentin (...) eine Rendite zu verschaffen“, rügt die Ombudsstelle des Bankenverbandes.
Der Mandat von Ferbers wollte jetzt mit Hilfe der Ombudsstelle sein Geld zurück. Die aber lehnten einen Schlichterspruch ab. Zunächst müsse gerichtlich geklärt werden, ob das Finanzprodukt nicht sittenwidrig sei. Dann sei der Vertrag ohnehin nichtig. Vielleicht sollten es die Anwälte mal direkt bei Ackermann versuchen. Der hatte vorige Woche noch erklärt: „Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen.“
Der Aufstieg des Josef Ackermann
Bildergalerie ( 16 Bilder )
Der Aufstieg des Josef Ackermann
Als Vorstandsmitglied ist der Schweizer bei der Deutschen Bank für globale Unternehmen und Institutionen zuständig. Doch er nimmt auch den Umbau der Führungsstrukturen in Angriff und setzt sich gegen seinen Kontrahenten Thomas Fischer durch - der daraufhin den Vorstand verlassen hat.
Foto: ddp
Auf Initiative Ackermanns wird der Vorstand von acht auf fünf Personen verkleinert.
Foto: dpa/dpaweb
Als Sprecher hat er das vorige Gesicht der Bank Rolf Breuer abgelöst.
Foto: dpa/dpaweb
2003 präsentiert Ackermann dann beeindruckende Zahlen: Bei der Deutschen Bank sind die Kosten 2002 stärker gesunken als die Erträge. Die Kostenbasis sei um vier Milliarden Euro auf 19 Milliarden Euro zurückgegangen.
Foto: dpa/dpaweb
Politiker suchen die Nähe des Vorstandssprechers der Deutschen Bank. Hier Ackermann mit Roland Koch...
Foto: dpa/dpaweb
...da mit Bundesfinanzminister Hans Eichel - sie stellen ihr Konzept "Initiative Finanzstandort Deutschland" vor. Es soll mittelständischen Unternehmen wieder mehr Kredite ermöglichen.
Foto: ddp
2004 macht der Mannesmann-Prozess Schlagzeilen: Neben anderen ist auch Josef Ackermann angeklagt. Der Vorwurf: Bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone soll Mannesmann durch Prämienzahlungen, für die kein vertraglicher Anspruch bestand, geschädigt worden sein. Ackermann gibt zum Prozessauftakt bekannt, dass er jährlich 15 bis 20 Millionen Euro brutto verdient.
Foto: ddp
Doch das Verfahren wird gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Auf Ackermann entfallen 3,2 Millionen Euro. Das Bild von Ackermann mit dem Victory-Zeichen, dass er vor Prozessbeginn macht, geht um die Welt.
Foto: dpa/dpaweb
Die Deutsche Bank kann sich nicht beklagen: Ihren Gewinn kann sie 2003 mehr als verdreifachen.
Foto: dpa/dpaweb
Doch es gibt auch Streitigkeiten mit Investoren. Manche halten Ackermanns Ziel die Profite zu steigern und Deutschlands größte Bank in eine Top-Investment-Bank umzuwandeln für gefährlich.
Foto: REUTERS
2006 wird Ackermann der Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bank. Er forciert die Entwicklung und das Investmentbanking wird zu einer der wesentlichen Ertragssäulen der Deutschen Bank.
Foto: dpa
Der Chef der Deutschen Bank hat viele Jobs: ist Mitglied im Aufsichtsrat der Siemens AG (2. stellvertretender Vorsitzender), non-Executive Member des Board of Directors der Royal Dutch Shell plc und Mitglied im Verwaltungsrat der Zurich Financial Services Ltd (Vizepräsident). Zudem engagiert er sich u.a. maßgeblich beim Institute of International Finance (Chairman of the Board of Directors), dem World Economic Forum (Co-Chairman des Foundation Board), der St. Galler Stiftung für Internationale Studien (Präsident), im Beirat-Wirtschaft des Goethe Instituts (Vorsitzender), bei der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee (Mitglied des Ehrensenats), der Metropolitan Opera New York (Advisory Director) sowie der Initiative Finanzstandort Deutschland (Mitglied des Initiatorenkreises). Seit 2007 lehrt Ackermann als Gastprofessor im Fachbereich Finance an der London School of Economics. Im Juli 2008 wurde er zum Honorarprofessor der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main ernannt. Daneben ist Ackermann Honorary Fellow der London Business School und trägt den Ehrendoktortitel der griechischen Demokrit-Universität Thrakien. Hier übergibt er den "Quadriga-Preis" an den damaligen griechischen Premierminister Giorgos Papandreou (r).
Foto: dpa
Um das Privatkundengeschäft wieder zur Stärken betreibt Ackermann 2010 die Übernahme der Postbank - was schon ein Jahr später zu Protesten der Mitarbeiter führt, die eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen monieren. Im selben Jahr erfolgte die größte Kapitalerhöhung in der Geschichte der Bank.
Foto: dapd
Millionengehalt, Siegeszeichen im Gerichtssaal und Entlassungen trotz Rekordgewinn: Josef Ackermann hatte über Jahre auch das Image als Buhmann der Deutschen gepachtet. Im November 2011 unterbricht ein Occupy-Aktivist seine Rede bei der Mitgliederversammlung des Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg.
Foto: dpa
Nach der Hauptversammlung am 31. Mai 2012 übernimmt Anshu Jain zusammen mit Jürgen Fitschen die Nachfolge Ackermanns.
Foto: Getty
Josef Ackermann ist seit 1996 im Vorstand der Deutschen Bank. Sein Handwerkszeug lernte er beim Studium der Volkswirtschaften an der Uni St. Gallen und später in der Schweizerischen Kreditanstalt (heute Credit Suisse), bei der er 1993 zum Präsidenten aufstieg. Der Öffentlichkeit bekannter wurde er als Sprecher des Deutsche Bank-Vorstands ab 2002.
Foto:
dpa
Fotostrecken Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Wirtschaft
Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft