Frankfurt. Alle Beschäftigten im Maler- und Lackiererhandwerk sollen ab September mindestens 9,50 Euro pro Stunde verdienen. Diesen Mindestlohn haben die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG Bau) und der Arbeitgeberverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz vereinbart. Nach dem Willen der Tarifparteien soll die Untergrenze für die gesamte Branche mit ihren 140.000 Beschäftigten gelten. Deshalb werden sie beim Arbeitsministerium beantragen, den Lohn für allgemein verbindlich zu erklären.
Für das Malerhandwerk gibt es bereits branchenweite Mindestlöhne, sie betragen im Osten für Un- und Angelernte 7,50 Euro und im Westen 8,05 Euro pro Stunde. Die neue Untergrenze von 9,50 soll erstmals für die gesamte Republik gelten - und sie bedeutet einen großen Gehaltssprung: Hilfsarbeiter im Osten sollen künftig Anspruch auf 27 Prozent mehr Geld haben.
Wie hat es die Gewerkschaft geschafft, ein derart sattes Plus durchzusetzen? Sie hat sich bei den Tariflöhnen für Facharbeiter, die nur tarifgebunde Handwerksbetriebe zahlen müssen, mit einer Mini-Erhöhung zufrieden gegeben: Diese Einkommen steigen innerhalb von zwei Jahren gerade mal um 2,3 Prozent. Zudem wird der Mindestlohn für Facharbeiter in Ostdeutschland abgeschafft. Der liegt bislang mit 9,65 Euro etwa über der neuen Grenze.
Plus auch für Leiharbeiter
Der Abschluss sei ein Signal für faire Wettbewerbsbedingungen, erklärte der Arbeitgeberverband. Es sei immer wieder vorgekommen, dass Ost-Betriebe mit "Niedrigpreis-Angeboten" in Westdeutschland aufgetreten sind, ergänzt IG-Bau-Branchensekretär Thomas Kurtze. Der Trick: Die Firmen zahlen ihren Beschäftigten nur den Ost-Mindestlohn, obwohl die Leute im Westen arbeiten und Anspruch auf das höhere West-Entgelt haben.
Der neue Mindestlohn gilt auch für Leiharbeiter. Insider vermuten, dass einige Zeitarbeitsfirmen darüber gar nicht glücklich sein werden. Die Arbeitgeber der Baubranche begrüßen dagegen die Vereinbarung. Sie haben immer wieder geklagt, dass die Löhne im Maler- und Lackiererhandwerk niedriger sind als in der Baubranche. Dadurch könnten die Betriebe Arbeiten wie Wärmedämmung oder Betonsanierung billiger anbieten.
Jetzt zeigt sich der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes zufrieden: Der Tarifabschluss "wird zu einem faireren Wettbewerb führen", sagt Geschäftsführer Harald Schroer der FR. Denn die Kluft zwischen den Mindestlöhnen in den beiden Branchen wird geringer. In Ostdeutschland sollen Helfer in Malerbetrieben sogar von September ein bisschen mehr Geld bekommen als Hilfsarbeiter auf dem Bau, nämlich 25 Cent pro Stunde.
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