Frankfurt a. M. Die Beschäftigten der neuen Schlecker XL-Filialen werden künftig nicht mehr schlechter bezahlt als ihre Kollegen in den alten Schlecker-Geschäften. Die Gewerkschaft Verdi und die Drogeriekette vereinbarten in der Nacht zum Dienstag, dass für Schlecker XL künftig der Flächentarifvertrag für den Einzelhandel in Baden-Württemberg gelten soll.
Dementsprechend erhalten XL-Verkäuferinnen 12,27 statt bisher neun Euro pro Stunde. Das entspricht einem Lohnsprung von etwa 30 Prozent. Zudem einigten sich Schlecker und Verdi auf einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung sowie einen Sozialtarifvertrag. Dies bedeutet, dass Mitarbeiterinnen von schließenden Schlecker-Filialen bevorzugt berücksichtigt werden, wenn es in den neuen XL-Läden freie Stellen gibt.
Darüber hinaus muss Schlecker den Beschäftigten von Läden, die dicht machen, Ersatzarbeitsplätze anbieten. Doch Verdi weiß, dass nicht alle Mitarbeiterinnen, deren Stellen im Zuge der Umstrukturierung des Unternehmens wegfallen, in den neuen Filialen unterkommen werden.
Verdi: "Hauptziele erreicht"
Für diesen Fall sichert der Sozialtarifvertrag Abfindungen. Der Einsatz von Leiharbeit soll nur noch in Ausnahmefällen möglich sein und unterliegt der Zustimmungspflicht des Betriebsrates. Die Verdi-Tarifkommission stimmte den Verträgen zu.
Verdi-Bundesvize Margret Mönig-Raane sagte, die Hauptziele seien erreicht worden. Vor allem die Tarifbindung sei ein "großer und wichtiger Erfolg". Die Firma Schlecker habe gezeigt, dass sie eine Kursänderung einschlage und kein Lohndumping mehr auf Kosten der Beschäftigten praktizieren wolle. Der Tarifabschluss tue auch dem Einzelhandel insgesamt gut, so Mönig-Raane.
Das Unternehmen Schlecker bezeichnete die Tarifverträge als "einen tragfähigen Kompromiss". Der Tarifvertrag tritt zum 1. Juli in Kraft und gilt zunächst für Verkäuferinnen, die neu angestellt werden. Beschäftigte, die noch über die Zeitarbeitfirma Meniar bei Schlecker arbeiten, profitieren erst von 2011 an von der Lohnerhöhung: Ihr alten Verträge laufen Ende Dezember aus.
Verdi protestierte seit Anfang 2009 gegen die Lohndumping-Strategie bei den derzeit 350 XL-Läden, in denen je drei bis fünf Beschäftigte tätig sind. Hunderte alter Schlecker-Filialen wurden bereits geschlossen und die Angestellten in den neuen XL-Geschäften unter Tarif beschäftigt, auch über die Zeitarbeitsfirma Meniar.
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