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Eklat in letzter Minute vermieden

Der Deutsche Enders wird EADS-Chef

Wird neuer EADS-Chef: Thomas Enders.
Wird neuer EADS-Chef: Thomas Enders.
Foto: dpa
Frankfurt/Paris –  

Er gilt als knallharter Manager, der strategisch denkt und sich gegen zu viel staatliche Einflussnahme zur Wehr setzt: Der deutsche Airbus-Chef Tom Enders, der nun an die Spitze des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS rückt, hat um diese neue Führung unnachgiebig gekämpft. Zwar blockierte die französische Regierung zeitweise seine Nominierung, weil sie ein deutsches Übergewicht durch Enders’ Pläne befürchtete. Doch am Ende setzte der 53-Jährige offenbar seinen Willen durch.

Mit der Nominierung Enders’ wurde ein Eklat in letzter Minute vermieden. Enders wird dem Franzosen Louis Gallois im Juni nachfolgen. Zeitgleich wird der deutsche Daimler-Manager Bodo Uebber durch den Franzosen Arnaud Lagardere als Verwaltungsratschef ersetzt.

Der deutsche Airbus-Finanzchef Harald Wilhelm wiederum übernimmt dieses Amt auch bei der EADS-Mutter. Damit beginnt Enders’ Plan aufzugehen, die EADS-Zentrale zu stärken. Mit dem Abtreten Gallois gilt die Zeit der alle fünf Jahre wiederkehrenden deutsch-französischen Personalwechsel an der Spitze des Konzerns als beendet. Enders könnte 2017 also wiedergewählt werden. Um der deutsch-französischen Machtbalance jetzt noch einmal Genüge zu tun, wird der Franzose Fabrice Bregier Nachfolger von Enders als Airbus-Chef.

Unter Enders könnte für EADS eine neue Ära beginnen. Sein Ziel ist es, den Staatseinfluss zurückzudrängen. Derzeit hält Frankreich 15 Prozent am Konzern. Weitere 7,5 Prozent entfallen auf die französische Lagardere-Gruppe. Auch die deutsche Seite kommt mit den Eignern Daimler und der Staatsbank KfW auf 22,5 Prozent.

EADS für Zukäufe bereit

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS denkt dank eines üppigen Finanzpolsters über Zukäufe nach. „EADS verfügt über eine enorme Menge an Barmitteln, die dem Konzern einen Handlungsspielraum für Zukäufe ermöglicht“, sagte der designierte Verwaltungsratschef Arnaud Lagardère im Gespräch mit der Tageszeitung „Le Figaro“. Lagardère, der selbst EADS-Anteilseigner ist, denkt dabei besonders an das Geschäft jenseits der Flugzeug-Tochter Airbus.

Neben Airbus gehören das Raumfahrt-Unternehmen Astrium, der weltweit größte Hubschrauberhersteller Eurocopter sowie das Militärunternehmen Cassidian zu EADS. Für Airbus sieht Lagardère die größte Herausforderung darin, das Geschäft mit den Schwellenländern zu stärken. Airbus hat 2011 ein Rekordjahr verbucht und will die Flugzeug-Auslieferungen in diesem Jahr weiter steigern.

Lagardère sagte in dem Interview, ein Umzug des Pariser Hauptquartiers von EADS nach Toulouse an den Stammsitz von Airbus könne er sich vorstellen, eine Verschmelzung von EADS und Airbus oder mit anderen Töchtern aber nicht. Ein Anteilsverkauf seiner Beteiligung von 7,5 Prozent an EADS stehe derzeit nicht an. Es war spekuliert worden, dass der Manager, der früher Verkaufsabsichten geäußert hatte, sich im Gleichklang mit dem deutschen Gegenpol Daimler zurückziehen könnte. Der Autokonzern will in diesem Jahr ein 7,5-Prozent-Paket an die staatliche Förderbank KfW abgeben.

Wegen des strategisch wichtigen Rüstungsgeschäfts des Konzerns wachen die deutsche und französische Regierung über die Balance zwischen den beiden Ländern auf allen Ebenen. Seine künftige Aufgabe sieht Lagardère darin, einen neuen Aktionärspakt zu schmieden, der den deutschen Staat erlaubt über die KfW bei EADS einzusteigen. Um EADS gegen Marktspekulation zu schützen, kämen unter anderem eine Goldene Aktie oder eine Begrenzung der Stimmrechte in Betracht, sagte der Manager. Mit dem Golf-Emirat Katar, dem mittlerweile größten Anteilseigner der Lagardère-Gruppe, habe es keine Gespräche über einen möglichen Einstieg bei EADS gegeben, sagte der Manager. Lagardère gehört unter anderem der gleichnamige Medienkonzern, den er von seinem Vater Jean-Luc geerbt hat. Jean-Luc Lagardère war eine der treibenden Kräfte bei der Gründung von EADS. (tmh/afp/dpa)

Datum:  27 | 1 | 2012
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