Mit dem weltweit einheitlichen Stecker für Elektroautos wird es so schnell nichts. Das im April auf der Hannover-Messe großartig angekündigte Projekt kommt nach Informationen der FR wegen Kleinstaaterei selbst in Europa nicht voran.
"Die Bremser sitzen in Italien", verlautet aus dem Verband der Automobilindustrie (VDA). Wie es heißt, soll sich dort ein Elektro-Konzern widersetzen, der Energieriese Enel hingegen würde mit den deutschen und anderen Europäern mitziehen. Aber auch die USA und Japan stellten sich quer und wollten ein System durchsetzen, das zu ihrem Stromsystem passe.
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Würden sie sich dem von Deutschland und anderen europäischen Staaten vorgeschlagenen dreiphasigen System mit einer Leistung von 63 Ampere anpassen, müssten sie ihre Standards ändern. Deshalb setzten sie auf die einphasige Variante mit 32 Ampere, womit das Laden der Elektroautos aber ewig lang dauere, wie Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe erläutert.
"Mit 63 Ampere geht das deutlich schneller." Immerhin wurden inzwischen die Franzosen mit ins Boot gezogen, die sich anfangs auch gesperrt hätten, heißt es beim VDA. Eine globale Einigung ist allerdings nicht in Sicht.
Die Lüge vom einheitlichen Stecker
Dabei hieß es im Frühjahr noch, Autobauer und Energieanbieter hätten sich in Europa bereits auf einen einheitlichen Stecker für entsprechende Strom-Tankstellen geeinigt. "Das war gelogen", sagt Resch. Tatsächlich sei nur eine Arbeitsgruppe gegründet worden, die einen Vorschlag erarbeiten sollte. Auf dessen Basis könnte dann das Deutsche Komitee Elektrotechnik eine einheitliche Normung entwickeln. Nun wird es am 1. Oktober zunächst eine nationale Anwendungsregel veröffentlichen.
Mit dem Stecker fürs Elektroauto ist das wie mit dem Stecker für den Fön. Ist er einheitlich, könnten alle Geräte angeschlossen werden - das ist aber bislang auch bei Haartrocknern noch nicht möglich.
Der Stecker mit entsprechender Verbindung zum Auto funktioniert wie ein Tankrüssel, leistet aber mehr als die reine Enregiezufuhr: Ein Pin identifiziert die Daten des Autos und des Halters, die an der Batterie ablesbar sind, um dem Kunden später die Rechnung zukommen zu lassen. Das Abrechnngssystem muss jedoch unter Berücksichtigung des Datenschutzes noch entwickelt werden.
"Technologie längst nicht ausgereift"
Aus Sicht von Resch wurde um den einheitlichen Stecker auf der Hannover-Messe viel zu viel Wirbel gemacht. "Der ist zweitrangig." Da werde nur vom eigentlichen Thema abgelenkt. "Tatsache ist doch, dass die Technologie für die Elektroautos längst nicht ausgereift ist."
Die Bundesregierung rechnet trotzdem damit, dass bis 2020 etwa eine Millionen Elektrofahrzeuge in Deutschland unterwegs sein werden. Bis dahin die Infrastruktur für das Strom-Tanken aufzubauen ist unerlässlich, da die Elektroautos wohl auch dann nur einige hundert Kilometer im reinen Elektroantrieb vorankommen werden. Die Firma Rittal hat sich auf derartige Ladestationen spezialisiert. Für eine flächendeckende Stromversorgung müssten ihr zufolge mindestens 50 000 Zapfsäulen eingerichtet werden.
Die Experten des Fraunhofer-Instituts bewerten das Ziel des Bundes, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, als sehr ehrgeizig. Die Fachleute in Dresden halten 2025 für realistischer. Der Knackpunkt ist nach wie vor die Leistung der Batterie.
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