Der Absatz von reinem Biodiesel ist 2011 fast vollständig eingebrochen. Laut dem Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie, Elmar Baumann, wurden nur etwa 60. 000 Tonnen reiner Biodiesel verkauft. Im Jahr zuvor war es fast fünfmal so viel. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2006 wurden 1,94 Millionen Tonnen verkauft.
Der Negativtrend begann bereits 2008, als zum Jahreswechsel die Steuer auf den Stoff erhöht worden war. Damit war der Biodiesel gegenüber konventionellem Diesel kaum noch konkurrenzfähig.
Die Hoffnung: Eigentlich sollte 2011 das Jahr von E10 werden. Mineralölindustrie und Politik planten, das Benzin mit zehn Prozent Bioethanol-Anteil (statt fünf Prozent bei Super) zur Standardsorte zu machen.
Die Kunden spielten nicht mit. Trotz großer Preisunterschiede wurde die Sorte kaum getankt. Die meisten Autos vertragen E10 problemlos – doch viele Fahrer wussten das nicht.
Fast alle Tankstellen führen E10, die Kunden sind informiert, es gab keine unerwarteten Motorschäden. Trotzdem stagniert der Marktanteil bei gut zehn Prozent.
Ursprünglich hatte die Branche gehofft, der schleppende Absatz des Benzins mit höherem Ethanol-Anteil (E10) könne den Biodieselherstellern helfen. Denn statt mit E10 kann auch mit B100 die gesetzlich vorgeschriebene Biokraftstoffquote erfüllt werden. „Die Mineralölindustrie konnte die Quoten mit überschüssigen Zertifikaten decken, die in früheren Jahren angesammelt wurden“, sagte Baumann.
Zwei große Pleiten
Zwei Pleiten großer Biodieselwerke habe es deshalb 2011 gegeben. Und die bestehenden Produzenten seien weiter schlecht ausgelastet. „Im Branchenschnitt sind nur 50 Prozent der Kapazität in Betrieb. Es drohen weitere Schließungen, die Konsolidierung in der Branche geht weiter“, warnte Baumann.
„Wir erwarten aber, dass 2012 der Absatz von reinem Biodiesel wieder etwas in Gang kommt, weil die Zertifikate allmählich knapp werden. Damit können die deutschen Klimaschutzziele im Verkehrsbereich erreicht werden.“ Reiner Biosprit wird fast nur über LKW-Tankstellen verkauft.
Der Biospritindustrie stehen harte Jahre bevor. Die politische Unterstützung ist zurückgegangen – oft wird bezweifelt, dass Biokraftstoffe dem Klima nutzen. Baumann hält dagegen: „Die Kritik läuft ins Leere. Wir müssen schon jetzt nachweisen, dass unsere Kraftstoffe mindestens 35 Prozent CO2-Einsparungen im Vergleich zu Erdöl bringen.“
Hohe Auflagen
Dieser Wert werde bis 2018 für Neuanlagen auf 60 Prozent steigen. Die Biokraftstoffhersteller müssten bereits viele Auflagen erfüllen. „Und die Bürokratie droht überhand zu nehmen“, sagte Baumann. Das drohe die Branche existenziell zu gefährden.
Umstritten ist die Einberechnung von Landnutzungsänderungen. Eine EU-Studie war im Herbst zu dem Ergebnis gekommen, dass einige Biokraftstoff-Pflanzen sogar eine negative Klimabilanz haben können, wenn berücksichtigt wird, dass die dafür genutzten Äcker nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehen – und deshalb zum Beispiel Urwälder gerodet werden, um weitere Agrarflächen zu gewinnen.
Baumann sagte dazu: „Wir halten die Studien aber für wissenschaftlich nicht haltbar. Zum Beispiel wird nicht berücksichtigt, dass der zu Biodiesel verarbeitete Raps nach dem Auspressen als Futtermittel verwendet wird. Das macht rund 60 Prozent der Frucht aus. Dadurch werden Sojaimporte verhindert.“ (mit afp)
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