Der staatliche Energiekonzern Vattenfall, in Deutschland wegen der Pannenreaktoren Krümmel und Brunsbüttel in der Kritik, steckt nun auch in der schwedischen Heimat in einer Vertrauenskrise. Konzernchef Lars Josefsson, unter dessen fast zehnjährigen Regiment Vattenfall zu einem der großen Spieler auf dem europäischen Energiemarkt wurde, steht nach heftiger Schelte der Regierung vor dem Rausschmiss.
Vattenfall brauche einen neuen Vorstand, der die vorgegebenen Ziele für Rentabilität und grüne Produktion besser umsetzen könne, sagte Industrieministerin Maud Olofsson , die Ablösung solle "so rasch wie möglich" erfolgen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Lars Westerberg kündigte die Vorstellung eines Nachfolgers für Josefsson "in wenigen Wochen" an.
Berichte über eine der Regierung angeblich vorenthaltene Haftungsverpflichtung, die Vattenfall für eventuelle Unfälle in deutschen Atomkraftwerken unterschrieb, brachte das Fass zum Überlaufen. Josefsson habe den "ganzen Konzern verpfändet", schrieb die schwedische Presse, die Haftung könne im äußersten Fall den Staatskonzern in den Konkurs treiben.
Olofsson bezeichnete es als "sehr ernst", dass die Regierung als Eigner nicht informiert gewesen sei. Josefsson erwiderte, es handle sich um ein "völlig normales" Abkommen, wie es die deutschen Atomgesetze erfordern. Es könne jederzeit gekündigt werden - dann allerdings könnte Vattenfall die Milliardengewinne seiner deutschen Tochter nicht mehr an die schwedische Staatskasse abführen.
Schon zuvor hatte Olofsson moniert, dass sie mit der Entwicklung des Staatskonzerns unzufrieden sei: das Warenzeichen sei beschädigt, die Umstellung auf nachhaltige Energieträger gehe schleppend voran und die Gewinnentwicklung sei schwach.
Wegen "mangelhafter Sicherheitskultur" in seinen deutschen und schwedischen Kernkraftwerken macht Vattenfall seit langem negative Schlagzeilen und steht in Deutschland auch als Preistreiber in der Kritik. Außerdem belasten die massiven Investitionen in fossile Energieträger und Atomkraft das Image des Unternehmens. Es sei nicht gelungen, der Bevölkerung die Umwandlung vom "rein schwedischen, Co2-neutralen Vattenfall in einen führenden europäischen Energiekonzern" plausibel zu machen, räumte Josefsson ein.
Während der Konzern in Schweden Strom vor allem aus Wasser- und Atomkraft erzeugt und zunehmend in Windenergie investiert, stützt sich die Produktion in Deutschland und Polen hauptsächlich auf Kohle. In den Niederlanden erwarb Vattenfall den auf Erdgas spezialisierten Marktführer Nuon. Das brachte Josefsson, den Kanzlerin Angela Merkel 2006 zu ihrem Klimaberater ernannte, auf Kollisionskurs mit der Umweltbewegung. "Vattenfalls Co2-Ausstoß ist jetzt doppelt so hoch wie der ganz Schwedens", rügt Greenpeace.
Olofsson kündigte neue Direktiven an, mit denen das grüne Profil geschärft werden soll. Vattenfall solle eine führende Rolle bei Europas Umstellung auf nachhaltige Energieträger spielen. In Vattenfalls Energie-Mix stehen gegenwärtig fossile Energieträger für fast die Hälfte der Produktion. Ihr Anteil soll in den nächsten 20 Jahren auf 30 Prozent fallen, bis 2050 will man "kohlendioxidneutral" sein. Dafür sollen Windkraft und Bioenergie, aber auch die Atomkraft gestärkt werden.
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