Die Gas-Verbraucher müssen in jedem Fall noch Monate auf eine Entlastung bei den Preisen warten. Die Energieversorger stellen Tarifsenkungen frühestens ab Jahresanfang 2009 in Aussicht. Kräftig werden die aber nur ausfallen, wenn der Erdölpreis noch länger auf dem aktuell niedrigen Niveau von rund 70 Dollar pro Barrel bleibt, von dem die Heizölkäufer derzeit profitieren. Grund: Die zeitlich versetzte Kopplung des Gaspreises an den Ölpreis.
Der Energieriese Eon plant Tarifsenkungen für das Frühjahr, falls das Öl billig bleibt. " Darauf können sich unsere Kunden verlassen", sagte Eon-Sprecher Carsten Thomsen-Bendixen der FR. Die Ölpreis-Bindung sei "keine Einbahnstraße", sie wirke sowohl nach oben wie nach unten. Auch RWE sicherte Preissenkungen unter dem Vorbehalt zu, wollte zu Größenordnungen aber keine Angaben machen. Die Versorgergruppe Thüga nannte den 1. Januar und den 1. April 2009 als mögliche Anpassungstermine.
Wird Öl teurer, wird auch Gas teurer - allerdings meist drei bis sechs Monate später. Die Formel, nach dem die Gasversorger rechnen, heißt zum Beispiel 6/1/3. Das bedeutet: Sie bilden den Durchschnitt aus sechs Monaten Preisentwicklung bei leichtem Heizöl, es folgt ein Monat Versatz ("time lag"), danach gilt dieser auf den Energiegehalt von Erdgas umgerechnete Durchschnittspreis für drei Monate. Gängig sind auch 3/1/3 und 6/3/3. Die Preisanpassungen erfolgen dabei meist quartalsweise oder halbjährlich. Die Ölpreisbindung wurde in den 1960er Jahren eingeführt. Sie ist eine Abmachung zwischen Gasproduzenten und Importeuren. Ziel war es damals, die Investitionen in die Gasförderung und den Pipelinebau abzusichern.
Hohe Mehrkosten
Aktuell läuft aber erst einmal die Preiswelle weiter nach oben. Im September und Oktober hatten rund 500 Versorger bundesweit massiv aufgeschlagen - Folge des Ölpreis-Rekords im Juli von fast 150 Dollar. In den nächsten Monaten planen nun 75 weitere Unternehmen Tariferhöhungen um bis zu 23 Prozent, wie das Verbraucherportal Toptarif ermittelte. Im Schnitt werde die Grundversorgung um elf Prozent teurer. Toptarif-Experte Thorsten Bogh: "Für eine vierköpfige Familie mit einem Verbrauch von 20 000 Kilowattsunden Gas bedeutet das Mehrkosten von rund 167 Euro pro Jahr."
Erdgas bleibt Bogh zufolge "einer der größten Inflationstreiber". Der "Durchschnitts-Verbraucher" müsse fast ein Viertel mehr zahlen als im November 2007. Für Familien sei das eine Zusatzbelastung von bis zu 310 Euro pro Jahr.
Energieexperten wagen im Moment kaum Prognosen zum Erdöl-Preis und damit zu den Gastarifen ab 2009. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftforschung (DIW) in Berlin meint: "Aufgrund der Finanzkrise kann man derzeit nicht sagen, wohin sich der Ölpreis bewegt." Wird die Krise beherrscht und erholt sich die Wirtschaft in USA und Europa, könne der Ölpreis wieder anziehen - zumal die Wachstumsprognose für China immer noch bei zehn Prozent liege.
Ob der Plan der Opec-Länder fruchtet, die Erdöl-Förderung zu kappen und so ein weiters Abschmieren des Preises zu verhindern, erscheint offen. Am Mittwoch, einem Tag vor dem geplanten Opec-Treffen, sank er bis zum Abend auf unter 68 Dollar. Erklärtes Ziel der Ölförderländer ist es, den Preis zwischen 70 und 90 Dollar zu halten.
Kemfert fordert derweil wie andere Fachleute ein Ende der Gas-Ölpreis-Bindung. "Sie ist nicht mehr zeitgemäß", sagt sie, "wir brauchen Marktpreise." Es sei nicht einsichtig, dass die Verbraucher mehr fürs Gas zahlen müssen, während Heizöl und Benzin gleichzeitig billiger werden. Eine Garantie, dass Erdgas dann generell günstiger wird, gebe es allerdings nicht.
Letzteres sehen auch die Gasversorger so, die die Kopplung verteidigen. Kritik von Verbraucherschützern, dass die Unternehmen zwar ein Ölpreis-Plus verlässlich weiter geben, Verbilligungen aber oft nur schleppend und nicht in voller Höhe, weisen sie zurück. "Wir können lückenlos beweisen, dass es keine Erhöhung der Margen gegeben hat" - so etwa Thüga-Sprecher Christoph Kahlen.
Bundeskartellamt alarmiert
Das Bundeskartellamt freilich hat die Branche auf dem Kieker. Es leitete im März ein Verfahren gegen 35 Versorger wegen des Verdachts überhöhter Preise ein. Eine bundesweite Erhebung hatte nämlich Preisunterschiede von bis zu 60 Prozent ergeben. Das Amt kann Bußgelder verhängen und Preissenkungen anordnen. Im Fall Eon war es fast schon so weit. Der Konzern drehte aber kürzlich bei. Er gewährte seinen Kunden eine Gutschrift von 35 Euro und verschob die für Oktober geplante Preiserhöhung auf Dezember.
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