Die Umsetzung der Energiewende könnte an der Finanzierung scheitern: Für viele Maßnahmen fehlt schlichtweg das Geld. Der Grund: Für Klima-Verschmutungsrechte wird viel weniger bezahlt als erwartet. Die Regierung gibt nur etwa die Hälfte des geplanten Geldes frei.
Ein Arbeiter verschraubt Sonnenkollektoren in einem Solarpark.
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Ein Arbeiter verschraubt Sonnenkollektoren in einem Solarpark.
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Die Finanzierung der Energiewende in Deutschland steht auf der Kippe. Dem Energie- und Klimafonds der Bundesregierung, mit dem Dutzende Klimaschutzmaßnahmen bezahlt werden sollen, brechen die Einnahmen weg. Der Grund ist, dass für Klima-Verschmutzungsrechte viel weniger Geld bezahlt wird als erwartet. Nach Informationen der Berliner Zeitung hat das Finanzministerium für dieses Jahr nun lediglich die Hälfte des geplanten Klimaschutz-Geldes freigegeben.
Für die Ministerien, die die Klimawende vorantreiben wollen – vor allem Verkehrs-, Umwelt-, Forschungs- und Wirtschaftsressort – kam die Überraschung dieser Tage per „Bewirtschaftungsrundschreiben“ aus dem Bundesfinanzministerium. „Die veranschlagten Mittel werden in Höhe von 50 Prozent (...) zugewiesen“, heißt es in dem Papier, das der Berliner Zeitung vorliegt. Demnach werden statt des vollen Betrags von 780 Millionen Euro erst einmal nur 390 Millionen Euro ausgezahlt.
Aus Kreisen des Finanzministeriums hieß es, es sei „nicht unüblich“, den Rest erst später auszuschütten. Doch aus den betroffenen Ministerien verlautete klarer Widerspruch. Dort macht man sich große Sorgen, dass der Klimafonds dieses Jahr zusammengekürzt werden könnte und kein Geld mehr nachkommt. Denn die Einnahmen für den Klimafonds sind drastisch eingebrochen. Er finanziert sich allein aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten. Wollen Industrieunternehmen das Klimagas ausstoßen, dann müssen sie zum Teil Rechte dafür kaufen.
Unkonventionelle Energiegewinnung
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Unkonventionelle Energiegewinnung
Erdwärme-Kraftwerke, wie dieses im mecklenburgischen Neustadt-Glewe im Kreis Ludwigslust, das 2003 offiziell ans Netz ging, arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Das Geothermie-Kraftwerk nutzt 97 Grad heißes Tiefenwasser aus der Erdkruste und erzeugt jährlich 1.400 Megawattstunden Strom für bis zu 500 Haushalte.
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Auch sogenannte Biogasanlagen ermöglichen es, alternative Energien zu gewinnen. Eines steht in Schwedt in der neuen Anlage des Betreibers Verbio. Die Biogasanlage nahm im März offiziell ihren Betrieb auf. Die Technik wird schon an vielen Stellen genutzt.
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Hier werden nur Reststoffe verwertet. Die Produktionsstätte ist mit einer bestehenden Anlage des Unternehmens zur Bioethanol-Herstellung gekoppelt. Die Biogasanlage kostete nach Unternehmensangaben rund 40 Millionen Euro. und erzeugt rund 30 Megawatt Strom.
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Zu den unkonventionellen Methoden der Energiegewinnung zählen Aufwindkraftwerke. Ihre gigantischen Ausmaße machen sie für Europa wenig geeignet: Bis zu 1000 Meter hoch und 100 Meter breit müssen sie sein. An ihrem Fuß soll ein fast fünf Kilometer großes Glasfeld die von der Sonne im Boden erzeugte Hitze zum Turm in der Mitte leiten und die dort integrierten Turbinen antreiben.
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Mit dieser Technik können 200 Megawatt Strom pro Turm erzeugt werden. Allerdings wohl eher in unbewohnten Wüstenregionen. Eine Anlage kostet bis zu 800 Millionen Euro.
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Eine der ältesten Formen der Energiegewinnung ist Wasserkraft. Das geht jedoch nicht nur durch Staustufen sondern auch mit Gezeitenkraftwerken wie hier in St. Malo (Archivbild). Ebbe und Flut lassen den Wasserstand um bis zu zehn Meter schwanken. Spitzenleistung liegt bei 240 Megawatt.
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Einen ganz anderen Weg beschreiten Druckluftkraftwerke. Weltweit gibt es erst zwei, eins davon in Huntdorf bei Bremen. Es verfügt über eine Leistung von 321 Megawatt.
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Bei Solnova 1 bündeln Spiegel in Form von Parabolrinnen das Sonnenlicht in einem Rohr und heizen das darin zirkulierende Spezialöl, das sogenannte Wärmeträgermedium, auf. Ein anderer Weg besteht darin, das Sonnenlicht von zahlreichen flachen Spiegeln auf einer kleinen Fläche an der Spitze eines oft mehr als 100 Meter hohen Turmes zu bündeln. Vermutlich werden unterschiedliche Technologien im Rahmen des visionären Projekts Desertec zum Einsatz kommen: Das Projekt sieht vor, Strom solarthermischer Kraftwerke aus Nordafrika nach Europa zu übertragen.
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Alternative Energien sind auf dem Vormarsch. Manche sind gerade erst in der Entwicklung, andere längst eingeführt. FR-online.de zeigt die Möglichkeiten der Technik und die Perspektiven auf. Pumpspeicher-Kraftwerke, wie das Hohenwarte II-Kraftwerk in Thüringen, arbeiten mit Wasser. Das seit 1966 laufende Spitzenlastkraftwerk hat eine Leistung von 320 Megawatt Elektroenergie. Zu Zeiten von geringem Elektroenergieverbrauch wird Wasser von einem Unterbecken in das Oberbecken gepumpt, zu Zeiten mit hohem Energiebedarf strömt das Wasser aus dem Oberbecken wieder in das Unterbecken und treibt dabei Turbinen zur Stromerzeugung an.
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Fotostrecken Wirtschaft
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Stromerzeugung in Deutschland
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Stromerzeugung in Deutschland
Der Ausstieg aus dem Atomstrom könnte schneller erfolgen als geplant. Die Grafik zeigt die Anteile des Atomstroms bis 2019 - die Folgegrafik geht weiter....
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Bis 2030 könnte aller Strom aus erneuerbaren Energieformen stammen.
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Das Atommoratorium und Wartungsarbeiten führten im Mai 2011 zu der kuriosen Situation, dass nur sechs Atomkraftwerke am Netz waren. Dennoch brach nirgends die Stromversorgung zusammen. Die Fakten im Einzelnen....
Noch am 12. März 2011 halten sich Atomkraftwerke und Braunkohle die Waage...
Am 2. Mai sank die Stromerzeugung insgesamt und der Anteil der AKW erheblich.
Gehandelt wird der Strom an der Leipziger Börse EEX zum stündlichen Kauf. Die Grafik zeigt die Preisentwicklung.
Dabei ist die Herstellung unterschiedlich teuer - am günstigsten ist Braunkohle.
Windkraft zählt zu den teureren Energiegewinnungsformen ist aber viel umweltverträglicher. Geeignete Standorte dafür gibt es vor allem in Norddeutschland.
Der Strom für deutsche Steckdosen kommt aus verschiedenen Quellen: Braunkohle, Gas, Steinkohle und Uran (AKW). Damit der Strom alle Haushalte erreicht gibt es Stromtrassen - doch deren Kapazität reicht laut Experten nicht aus. Daher sind neue Stromtrassen vor allem für erneuerbare Energien geplant.
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Doch der Zertifikatspreis ist seit Monaten im Sturzflug. Lag der Kurs Mitte 2011 noch bei rund 17 Euro pro Tonne Kohlendioxid-Emission, steht er jetzt bei nur noch 6,50 Euro. Die europäische Wirtschaft stößt durch die schwache Konjunktur vor allem in südlichen Ländern viel weniger Klimagase aus als gedacht, deshalb ist der Bedarf an Zertifikaten gesunken. Analysten halten allenfalls eine leichte Erholung für möglich.
Nun erweisen sich die geltenden Annahmen als Makulatur. Die Regierung hatte bei der Finanzierung des Klimafonds mit einem dauerhaften Preis von 17 Euro kalkuliert. Entsprechend niedriger sind die Einnahmen des Fonds nun. Bleibt der Preis, wo er derzeit ist, kommen 2012 statt der angestrebten 780 Millionen Euro nur 300 Millionen in die Kasse.
Aus dem Finanzministerium hieß es zwar, es gebe Möglichkeiten, den Fonds doch noch etwas aufzustocken. 29 Millionen Euro an Reserven seien aus dem vorigen Jahr übrig. Zudem könnten bis zu zehn Prozent der Fondssumme aus dem nachfolgenden Jahr vorgezogen werden.
Doch selbst wenn der Fonds sich noch über 2012 retten kann und die Befürchtungen nicht eintreffen: Spätestens 2013 droht eine Milliardenlücke. Dann müssen auch Stromerzeuger Zertifikate kaufen. Die Regierung rechnet mit Einnahmen von 3,3 Milliarden Euro – beim derzeitigen Preis ergäbe sich also eine Lücke von mehr als 1,6 Milliarden Euro.
Sven-Christian Kindler, grüner Haushaltsexperte, sagte dieser Zeitung, die Ausfälle seien absehbar gewesen. „Schwarz-Gelb hat die Finanzierung der Energiewende auf Treibsand gebaut.“ Die Grünen fordern nun, den Markt für Zertifikate zu stützen, indem ihre Anzahl verringert und so preistreibende Knappheit geschaffen wird. Klimaschutz-Expertin Bärbel Höhn: „Die Bundesregierung muss jetzt ihren Widerstand gegen strengere EU-Klimaziele aufgeben, um den CO2-Preis zu stabilisieren. Sonst steht die Finanzierung von Gebäudedämmung, Solarheizungen und Elektroautos vor dramatischen Einschnitten.“ Eine weitere Möglichkeit: Die Koalition beschließt per Gesetz, den Fonds stärker aus dem Haushalt zu finanzieren.