Genf. Seit 2006 sind 15 bis 20 Millionen Hektar Agrarland in Entwicklungsländern von ausländischen Investoren gekauft oder gepachtet worden. Das entspricht einem Drittel der landwirtschaftlich genutzten Böden der EU.
Der Sonderberichterstatter des UN-Menschenrechtsrats für das Recht auf Nahrung, der Belgier Olivier de Schutter, hat am Montag in Genf einen Rapport über Landkäufe oder Landpachten unterbreitet. De Schutter sagte, dass 80 Prozent der Käufer oder Pächter von Agrarböden in anderen Kontinenten private Investmentfirmen seien. Er bedauerte, dass "die meisten Verhandlungen nicht transparent sind". Um die verfügbaren Böden seien wilde Spekulationen entbrannt. Die lokalen Eliten in den umworbenen Entwicklungsländern sähen darin eine Gelegenheit, rasches Geld zu machen.
Dem Bericht zufolge ist in Afrika folgenden Länder angeboten worden, große Agrarzonen an Ausländer zu verkaufen oder auf 99 Jahre zu verpachten: Kamerun, Äthiopien, Demokratische Republik Kongo, Ghana, Madagaskar, Mali, Somalia, Sudan, Tansania und Sambia. In anderen Erdteilen haben vor allem Brasilien, Kambodscha, Indonesien, Kasachstan, Pakistan, die Philippinen, Russland und die Ukraine Angebote erhalten.
Madagaskar hat 465.000 Hektar Land an die indische Firma Varun verpachtet, die dort Reis anbauen möchte. Ebenfalls für den Reisanbau hat die Regierung Libyens 100.000 Hektar Land in Mali gemietet. Chinesische Arbeiter sind im Auftrag der Libyer damit beschäftigt, Bewässerungskanäle zu graben.
Südkorea hat im Sudan 690.000 Hektar Land zur Produktion von Weizen gekauft. Saudi-Arabien versucht in Tansania eine halbe Million Hektar Agrarboden zu pachten. Begehrt sind Grundstücke, die nah an Wasserquellen und Märkten liegen, von wo die Produkte exportiert werden können.
Der UN-Sonderberichterstatter lehnt die Aufwertung bisher vernachlässigter Agrarböden nicht grundsätzlich ab. "Mehr Investitionen in bäuerlichen Regionen können sehr wirksam die Armut verringern", schreibt er, befürchtet aber, dass die Bauern von den Feldern vertrieben werden.
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