Hamburg. Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) hat zum Jahresbeginn in Europa einen Milliarden-Verlust eingefahren. Im ersten Quartal 2009 erwirtschaftete GM in seinem Europageschäft mit der Hauptmarke Opel vor Steuern einen Verlust von 2,0 Milliarden Dollar, teilte das Unternehmen in Detroit mit.
Im Vorjahr war noch ein kleiner Gewinn von 0,1 Milliarden Dollar erzielt worden. Die Umsätze sanken binnen Jahresfrist kräftig auf 5,3 Milliarden Dollar (3,98 Milliarden Euro) von 9,9 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil von GM Europa mit den Marken Opel, Vauxhall und Saab sank im Jahresvergleich von 9,6 auf 8,9 Prozent. Das Produktionsvolumen brach um 46 Prozent ein.
Die Bundesregierung arbeitet derweil an einem Krisenplan für den Fall einer Insolvenz des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) in den USA. Der Plan sehe auch "kurzfristige Liquiditätshilfen" für Opel vor, um den Betrieb des Autobauers aufrecht zu halten. Das berichtet die Financial Times Deutschland und beruft sich auf Regierungskreise. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sei in Abstimmung mit dem Kanzleramt und dem Bundesfinanzministerium mit dem Plan befasst.
Krisenplan in vollem Gange
Die Bundesregierung rechne intern mittlerweile fest damit, dass GM Ende Mai, Anfang Juni Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts beantragen werde, heißt es in dem Bericht.
Damit wird ermöglicht, den Betrieb aufrecht zu erhalten und zu sanieren, ohne die Forderungen der Gläubiger bedienen zu müssen, mit denen derzeit Verhandlungen laufen. Die US-Regierung hat beiden Seiten eine Frist bis zum 28. Mai gesetzt.
Berlin ohne Überblick
Berlin hat angeblich bisher dem Vernehmen nach keinen Überblick über die möglichen Auswirkungen einer GM-Insolvenz auf Opel. Als sicher gelte jedoch, dass die Rettung der europäischen Konzerntöchter dadurch erheblich erschwert würde. Allerdings dürften sich auch schnelle Finanzspritzen für Opel als schwierig gestalten. Diese dürfe der Bund insolventen Firmen eigentlich nicht gewähren.
"Das Beste, was wir bis Ende Mai realistisch mit GM erreichen können, ist ein Letter of Intent oder ein verbindliches Angebot für Opel", werden Regierungskreise zitiert.
Wie die "Rheinische Post" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, führte der Chef des italienischen Autobauers Fiat, Sergio Marchionne, hat bisher kein Gespräch mit der GM-Spitze. GM-Chef Fritz Henderson habe sich in einer internen Runde "sehr irritiert" über das Verhalten des Fiat-Chefs gezeigt.
Ein bei Fusionsverhandlungen und Übernahmen üblicher "Geheimhaltungsvertrag" (Non disclosure Agreement) habe Fiat bisher nicht unterzeichnet, hieß es. Die Geschäftszahlen der GM-Tochter Opel seien dem italienischen Autobauer deshalb bisher nicht bekannt.
Marchionne will aus seinem Konzern, Opel und Teilen des insolventen US-Herstellers Chrysler einen der größten Autohersteller weltweit formen. Das Konkursgericht in New York hatte am Dienstagabend grünes Licht für einen raschen Verkauf von Chrysler gegeben. Es wies Beschwerden von Chrysler-Gläubigern zurück, welche die von der US-Regierung eingeleitete Umstrukturierung des Konzerns stoppen wollten. (afp/dpa)
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