Die Folgen der Wirtschaftskrise bleiben für den Arbeitsmarkt weiterhin relativ begrenzt. Die Arbeitslosigkeit steige lediglich "im jahreszeitlich üblichen Umfang", die Beschäftigung habe sogar wieder zugenommen und die "Kräftenachfrage zeigt sich stabil", beschreibt der Vize der Bundesagentur für Arbeit (BA), Heinrich Alt, den aktuellen Trend.
Offiziell gibt es derzeit 3,64 Millionen Erwerbslose, das sind 91.000 mehr als vor einem Jahr. Bei der Analyse dieser Zahlen gilt es zwei Trends zu berücksichtigen: Erstens, die Zahlen sind bis zu einem gewissen Grad geschönt, wie die BA indirekt eingesteht. Das tatsächliche Ausmaß der Unterbeschäftigung wird erst anhand der gesondert ausgewiesenen Daten aus Nürnberg deutlich: Knapp fünf Millionen Menschen, die aktiv oder passiv im Wartestand auf einen auskömmlichen Job stehen, werden insgesamt gezählt - ein Anstieg um zehn Prozent binnen Jahresfrist.
Hinzu kommen noch über eine Million Kurzarbeiter, die im Schnitt ein Drittel ihrer offiziellen Stundenzahl einbüßen. Zu den Personengruppen, die in die Position der Unterbeschäftigung abrutschen, zählen auch jene Arbeitslosen, die einfach von der statistischen Bildfläche verschwinden - sei es, dass sie in speziellen Kurzkursen trainiert, in Ein-Euro-Jobs zwangsverpflichtet oder durch Gründungszuschüsse in eine unsichere Selbstständigkeit gelotst werden.
Neben diesen Faktoren spielt noch ein anderer Arbeitszeit-Effekt eine zentrale Rolle: Die bei den Personalchefs immer beliebtere Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeitstellen. Hatten die vom Statistischen Bundesamt gezählten "Normal-Jobs" binnen Jahresfrist um 360.000 abgenommen, stieg zugleich die Zahl der Teilzeitkräfte um 270.000.
Die Höhe der Arbeitslosigkeit hängt aber auch von der demografischen Entwicklung ab. Je weiter die Altersgrenze hinausgeschoben wird, umso stärker schlägt sich die wieder verlängerte Lebensarbeitszeit negativ nieder. Im Februar wurden insgesamt 555.000 Arbeitslose gezählt, die älter als 55 Jahre waren. Das sind elf Prozent mehr als 2009.
Der Blick in die Zukunft wird trotz der momentan relativ stabilen Zahlen durch die Ankündigung etlicher Konzerne getrübt, die Beschäftigung im Rahmen von sogenannten Spar-Plänen weiter deutlich herunterfahren zu wollen. Ob BASF, Telekom oder RWE, die gestern veröffentlichten Firmen-Bilanzen zeigen einen deutlichen Schrumpfprozess der Belegschaften (bei der Telekom beispielsweise mehrere Zehntausend Stellen seit 2006). Die BASF will nicht zuletzt auf dem Rücken der Arbeitnehmer bis 2012 rund vier Milliarden Euro, vornehmlich an Personalkosten, sparen.
Von den einzelnen Wirtschaftszweigen sind es vor allem Industriekonzerne, die massiv Arbeitsplätze abbauen. Der starke Rückgang bei den Leiharbeitsfirmen hat sich dagegen inzwischen eingependelt. Zugelegt haben hingegen erneut die Dienstleister - allen voran die staatlichen Gesundheits- und Lehrberufe.
Wie viel Bewegung am Arbeitsmarkt herrscht, macht eine Zahl deutlich: Knapp zehn Millionen Menschen mussten in den letzten zwölf Monaten den Gang zur Arbeitsagentur antreten.
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