Brüssel/Genf. Die EU und lateinamerikanische Länder haben nach 15 Jahren ihren erbitterten Handelsstreit um Einfuhrzölle beigelegt. Wie die EU-Kommission am Dienstagabend in Brüssel mitteilte, werden die Zölle für lateinamerikanische Bananen schrittweise sinken.
Die vorläufige Verabredung eines Botschafter-Treffens bei der Welthandelsorganisation (WTO) müsse von den Partnern noch gebilligt werden. Die EU sprach vom "längsten Handelskonflikt" in der WTO-Geschichte und einem "guten Tag für Bananenhersteller weltweit und für Verbraucher". WTO-Generaldirektor Pascal Lamy sagte in Genf, mit gutem Willen sei jedes WTO-Problem zu lösen.
Die USA sicherten zu, ihren verbundenen Handelsstreit mit der EU beizulegen. Die USA, die selber keine Bananen exportieren, waren an dem Kompromiss beteiligt, weil große Exporteure US-Konzerne sind.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte: "Ich bin erfreut darüber, dass wir schließlich einen Weg gefunden haben, den Bananenstreit mit einem Kompromiss zu lösen, der für alle Seiten funktioniert." Handelsexperten erwarten wegen deutlich sinkender Zölle auf Dauer günstigere Preise.
Die EU sieht in der Abmachung ein deutliches Signal für den Abschluss der 2001 begonnenen und immer wieder ins Stocken geratenen Doha-Handelsrunde. Nach dem Willen der reichsten Industriestaaten der Welt (G7) soll die Runde zur weiteren Öffnung der Märkte und zur Hilfe der armen Länder im kommenden Jahr abgeschlossen werden.
Streit mit teilweise harten Bandagen
Die Vereinbarung sieht vor, die Einfuhrzölle von 176 Euro je Tonne schrittweise über sieben Jahre hinweg auf 114 Euro zu senken. In einer ersten Runde soll es eine Verminderung auf 148 Euro geben. Die weitere Reduzierung hängt auch von einem erfolgreichen Abschluss der Doha-Runde ab. Die lateinamerikanischen Länder sicherten im Gegenzug zu, die Handelsstreitigkeiten mit der EU einzustellen.
Die EU hatte ihr Bananeneinfuhr-System vor vier Jahren auf Zölle umgestellt, weil zuvor ihre komplizierte Quotenregelung von der WTO beanstandet wurde. Produzenten aus dem AKP-(Afrika-Karibik-Pazifik)-Raum war 2006 ein zollfreies Einfuhrkontingent zugestanden worden. Die AKP-Länder sollen nun im Rahmen von bestehenden Abkommen weiter zollfreien Zugang zu EU-Märkten haben. 200 Millionen Euro EU-Gelder werden zusätzlich für diese Länder mobilisiert. Eins wurde in Brüssel deutlich: Die afrikanischen Produzenten müssen sich auf eine härtere Konkurrenz einstellen.
Der Bananenstreit wurde phasenweise mit harten Bandagen geführt. Der EU war beispielsweise unterstellt worden, sie schütze mit ihrer Einfuhrpolitik Ware aus früheren Kolonien Frankreichs, Spaniens und Großbritanniens. In den meisten nordeuropäischen Staaten werden nach Branchenangaben vor allem aus Costa Rica oder Ecuador stammende Bananen konsumiert. (dpa)
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.