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EU-Kommission: BASF darf Genkartoffel aussetzen

Die umstrittene Genkartoffel Amflora darf auf die Äcker. Damit genehmigt die EU-Kommission erstmals seit 1998 wieder eine genveränderte Pflanze. Deren Technik gilt als veraltet - und ist auf EU-Ebene verpönt. Von Stephan Börnecke

Die EU-Kommission hat der umstrittenen Genkartoffel Amflora die Zulassung erteilt.
Die EU-Kommission hat der umstrittenen Genkartoffel Amflora die Zulassung erteilt.
Foto: afp

Brüssel. Die EU-Kommission hat erstmals seit 1998 wieder eine gentechnisch veränderte Pflanze zum Anbau in Europa zugelassen. Der Chemiekonzern BASF darf seine umstrittene Genkartoffel Amflora auf die Felder bringen. Die Pflanze ist nicht als Lebensmittel gedacht, sondern soll Stärke für die Papier-, Garn- und Klebstoffindustrie liefern.

Auf die Zulassung hat BASF 13 Jahre gewartet. Für den Konzern ist die Industriekartoffel ein Schlüsselprodukt, um den Anschluss unter den global agierenden Agrarkonzernen auf dem Gebiet der grünen Gentechnik zu halten.

Anbauflächen für gentechnisch veränderte Pflanzen.
Anbauflächen für gentechnisch veränderte Pflanzen.
Foto: FR/Quelle: Transgen

Die deutsche Konkurrenz Bayer ist auf dem Feld auch durch Firmenübernahmen weit aktiver. BASF wiederum will in einer Partnerschaft mit dem Marktführer Monsanto demnächst einen Gen-Mais auf den Markt bringen, der Trockenphasen besser übersteht.

Amflora wurde mit Hilfe der Gentechnik so programmiert, dass sie ausschließlich die Stärkeform Amylopektin produziert. Die Bildung der sonst in Kartoffeln enthaltenen zweiten Stärkeform Amylose wird unterdrückt. Der sonst nötige technische Schritt der Stärketrennung wird überflüssig.

Zwar soll die Kartoffel nicht auf dem Teller landen. Allerdings hat der Ludwigshafener Konzern eine von Kritikern als "Verschmutzungslizenz" bezeichnete Klausel beantragt, wonach sich minimale Reste der Industriekartoffel auch in Futter oder sogar Lebensmitteln befinden dürfen.

Das, so die Sprecherin von BASF Plant Science, Susanne Benner, diene hauptsächlich der rechtlichen Absicherung für den Fall, dass ungewollt Spuren von Amflora in den Nahrungskreislauf gelangen. So dürfen Reste aus der Kartoffelverarbeitung, die bei der Stärkegewinnung übrig bleiben (die sogenannte Pülpe), ohnehin im Futtertrog landen.

BASF verweist darauf, dass der Konzern Amflora von der EU nicht nur unter Anbaugesichtpunkten genehmigen ließ, sondern dass Amflora auch nach Lebens- und Futtermittelrecht beurteilt wurde. Das belege die Umwelttauglichkeit der Kartoffel.

Doch genau daran haben Kritiker ihre Zweifel. Denn Amflora besitzt ein Antibiotikaresistenz-Markergen. Mit Hilfe des Markergens überprüfen die Labortechniker, ob ihre gentechnische Modifikation erfolgreich war. Das Problem aber ist: Dieses Markergen kann die Wirksamkeit von lebenswichtigen Antibiotika in der Humanmedizin beeinträchtigen.

Diese Technik aber gilt nicht nur als veraltet, sie ist auch auf EU-Ebene verpönt. Denn, und darauf verweisen die Grünen im Bundestag, solche Pflanzen sollten nach EU-Recht spätestens seit 2008 nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. Trotz dieser Vorgaben segnete die europäische Lebensmittelbehörde Efsa das Produkt Amflora im Juni 2009 ab.

Bei den Grünen und Umweltorganisationen stieß die Entscheidung von EU-Gesundheitskommissar John Dalli auf harschen Protest. Der Europaabgeordnete Martin Häusling nannte die Entscheidung Dallis einen "Schlag ins Gesicht der Verbraucher und der Kartoffelbranche".

Niemand brauche Amflora, zumal Kartoffeln mit ähnlichen Eigenschaften auch ohne Gentechnik erzeugt wurden. So appelliert denn auch die Gentechnikexpertin des BUND, heike Moldenhauer, an die "Vernunft der Stärkeindustrie und der Bauern, Amflora nicht zu akzeptieren".

Und Greenpeace-Experte Martin Hofstetter forderte Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf, "den Anbau der Gen-Kartoffel in Deutschland sofort zu stoppen. Gen-Pflanzen, welche die menschliche Gesundheit gefährden können, sollten auf keinen Fall angebaut werden."

Greenpeace verweist dabei auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid aus dem Januar 2010: Auf die Frage, ob Aigner den Anbau der Gentechnik-Kartoffel Amflora verbieten sollte, antworteten 77 Prozent mit "ja".

Die Kommission genehmigte zudem die Verwendung von drei Genmais-Sorten des US-Konzerns Monsanto als Lebens- und Futtermittel sowie deren Einfuhr und Verarbeitung.

Der neue EU-Gesundheitskommissar John Dalli kündigte an, er wolle vorschlagen, dass künftig die EU-Mitgliedstaaten selbst über den Anbau genetisch veränderter Organismen entscheiden können.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  2 | 3 | 2010
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