Die Schuldenkrise versperrt europäischen Banken immer mehr den Zugang zu frischen Investorengeldern. Die Refinanzierung für drei Jahre und länger sei derzeit nahezu unmöglich, sagten zahlreiche Top-Banker am Freitag in Frankfurt. „Die Bereitschaft von Investoren, sich längerfristig in Banken zu engagieren, ist nicht sehr ausgeprägt“, sagte Deutsche-Bank -Chef Josef Ackermann auf einer Finanzkonferenz. Ohne Hilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) sähe die Lage noch dramatischer aus. Die Notenbank unterstützt die Institute unter anderem bei der Beschaffung von Dollar für ihre US-Geschäfte, da zahlreiche US-Fonds wegen der Schuldenkrise kein Geld mehr in europäische Institute stecken wollen.
Banken, Pensionsfonds und Versicherungen gehören zu den größten Geldgebern der Finanzbranche. Da europäische Banken wichtige Gläubiger der Euro-Schuldenländer sind, misstrauen die Investoren den Instituten und halten ihr Geld zusammen. Besonders Banken parken lieber ihr Geld für niedrige Zinsen bei der EZB, als es untereinander zu verleihen. Vor allem Institute aus den Euro-Schuldenländern Italien und Spanien haben zunehmende Probleme, an frische Gelder zu bekommen. Unicredit -Chef Federico Ghizzoni drängte die EZB in dieser Woche Finanzkreisen zufolge, dass italienische Banken einen stärkeren Zugang zu Mitteln der Notenbank bekommen, um Engpässe zu vermeiden.
Banken müssen sich Ackermann zufolge an die Unsicherheit an den Märkten gewöhnen. Das sei die „neue Normalität“, sagte er. „Wir sehen, dass sich der Druck weiter aufbaut, weil die Unsicherheit anhält“, sagte auch DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch der Nachrichtenagentur Reuters am Rande der Konferenz. Noch sei die Lage aber nicht ganz so schlimm wie nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Damals waren die Refinanzierungsmärkte in Teilen komplett eingefroren. Ackermann und der Chef der Staatsbank KfW, Ulrich Schröder, hatten die Situation neulich mit den Monaten nach der Lehman-Pleite verglichen. „Damals wie heute ist der Markt für kurzfristige Banken-Refinanzierungen von bis zu zwei Jahren de facto tot“, sagte der Chef einer deutschen Großbank, der nicht namentlich genannt werden wollte.
Draghi warnt vor mangelnder Glaubwürdigkeit
EZB-Präsident Mario Draghi hat die Europäer davor gewarnt, bei der Lösung der Schuldenkrise die Glaubwürdigkeit zu verspielen. „Glaubwürdigkeit kann man schnell verlieren - und die Geschichte zeigt, dass ihre Wiederherstellung hohe wirtschaftliche und soziale Kosten verursacht“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Italiener Draghi forderte zugleich die Staaten dazu auf, Reformen voranzutreiben und so ihren Beitrag zur Lösung der Krise zu leisten.
Führende Notenbanker der Euro-Zone haben von der Politik eine schnelle Lösung der Schuldenkrise ohne Beteiligung der Europäischen Zentralbank gefordert. Zwischen den Beschlüssen von Maßnahmen gegen die Krise und deren Umsetzung vergehe zu viel Zeit, wie etwa am andauernden Gezerre um den Rettungsschirm EFSF deutlich werde. Deshalb dann aber nach der EZB als angeblich einziger zur Krisenabwehr fähigen Institution in der Währungsunion zu rufen, sei der völlig falsche Weg.
Der neue EZB-Präsident Mario Draghi sagte am Freitag auf einer Finanzkonferenz in Frankfurt, der EFSF müsse nun endlich in seiner verbesserten und gestärkten Form aktiviert werden. „Seitdem bei einem EU-Gipfel die Installierung des EFSF (...) beschlossen wurde, sind eineinhalb Jahre vergangen, seit dem Beschluss, das volle Garantievolumen des EFSF verfügbar zu machen, sind vier Monate vergangen, und seit dem Beschluss, den EFSF (...) zu hebeln, sind vier Wochen vergangen“, beklagte der Italiener. „Wie steht es mit der Umsetzung dieser seit langem getroffenen Entscheidungen?“
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erteilte auf derselben Konferenz abermals allen politischen Begehrlichkeiten eine Absage erteilt, die EZB stärker als bislang zur Lösung der Krise einzuspannen. „Dass die bisherigen Versuche, die Krise zu lösen, nicht erfolgreich waren, rechtfertigt nicht, das Mandat der Zentralbank zu überdehnen und sie für die Lösung der Krise verantwortlich zu machen.“ Die hohen ökonomischen Kosten einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse der EZB würden deren kurzfristige Vorteile so weit übersteigen, „dass das nicht helfen würde, die gegenwärtige Situation in irgendeiner Weise zu stabilisieren.“
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