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29. April 2013

Eurokrise: Krisenfaktor niedrige Löhne

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Schuften, hoffen ... und dann gingen viele Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren doch wieder leer aus. Lohnzuwächse gab es kaum.  Foto: dpa

Die EU-Kommission fordert, dass die Löhne in Deutschland stärker steigen. Wäre das wirklich angemessen? Schließlich steckt doch Südeuropa und nicht Deutschland in der Krise!

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„Die Kommission rät Deutschland, die heimische Nachfrage durch höhere Löhne anzuregen und auf breiter Front Mindestlöhne einzuführen“, sagte EU-Sozialkommissar László Andor der Süddeutschen Zeitung. Auf diese Weise soll die Eurozone stabilisiert werden. Mit dieser Forderung hat der Ökonom Recht. Denn verantwortlich für die Eurokrise sind nicht nur Fehlentwicklungen in Spanien oder Griechenland. Auch Deutschland hat seinen Teil dazu beigetragen.

In südeuropäischen Ländern sind die Einkommen über Jahre stark gestiegen, das hat ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert. Sie haben weniger exportiert als importiert und Leistungsbilanzdefizite verbucht. Um dies zu finanzieren, haben sie sich verschuldet. So etwas geht auf Dauer nicht gut.

Mittlerweile haben die Krisenstaaten schmerzhafte Anpassungsprozesse eingeleitet, zu denen sie die EU-Kommission ebenso wie Deutschland gedrängt haben. Der Staat spart, und die Löhne sind teils drastisch gesunken. Sie haben damit einen gewaltigen Beitrag geleistet, um die Fehler der Vergangenheit wieder auszubügeln.

Deutschland ist mitverantwortlich

Und Deutschland? Hierzulande sind die Einkommen über Jahre zu wenig gestiegen. Die Lohnstückkosten sollten mittelfristig um knapp zwei Prozent pro Jahr steigen, damit sie im Einklang mit dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen. Tatsächlich sind die Lohnstückkosten hierzulande seit Beginn der Währungsunion aber nur um rund 0,7 Prozent gewachsen.

Die Folge: Die deutsche Industrie hat sich preisliche Wettbewerbsvorteile verschafft. Deutschland hat mehr exportiert als importiert und Leistungsbilanz-Überschüsse erwirtschaftet. Diese Überschüsse waren nur möglich, weil andere Länder Defizite verbuchten und sich verschuldeten, um ihre Importe zu bezahlen – siehe oben.

Deutschland ist also mitverantwortlich für die Ungleichgewichte in Europa. Und deswegen ist es nur logisch, wenn die EU-Kommission nun fordert, dass sich auch hierzulande etwas ändern muss. Konkret bedeutet dies: Die Einkommen müssen stärker steigen als früher.

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