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Ex-EnBW-Chef: Claassen wechselt von Atom auf Solar

Solar Millennium ist der Shootingstar der Branche. Die Erlanger bauen Solarthermie-Kraftwerke - und gehören zu den Wüstenstrom-Machern von Desertec. Nun kommt noch ein prominenter Chef: Utz Claassen. Von Thomas Magenheim und Frank-Thomas Wenzel

Skizze einer möglichen Infrastruktur der Desertec Industrial Initiative für eine nachhaltige Stromversorung in Europa (EU), dem Nahen Osten (the Middle-East) und Nord-Afrika (EU-MENA).
Skizze einer möglichen Infrastruktur der "Desertec Industrial Initiative" für eine nachhaltige Stromversorung in Europa (EU), dem Nahen Osten (the Middle-East) und Nord-Afrika (EU-MENA).
Foto: ddp

Erlangen/Frankfurt. Über Solar Millennium lacht die Sonne. Die Firma ist der aktuelle Shootingstar der Branche. Der Mittelständler baut Solarthermie-Kraftwerke und hat Großes vor. Und zwar in der Wüste. Das Unternehmen gehört zu dem Konsortium, das das Desertec-Projekt in Nordafrika plant. Mit einem prominenten Chef vom 1. Januar an: Utz Claassen. Dauergast in Talkshows.

Er hat die Fronten gewechselt: Einen Namen machte er sich als Chef des Energieriesen und Atomkraftwerkbetreibers EnBW. Für Claassen bedeutet das eine ganz neue Aufgabe. Bislang profilierte er sich als Sanierer. Nun muss er Wachstum organisieren, das sich im Highspeedtempo vollzieht.

Die Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass der Markt für solarthermische Anlagen bis 2020 jährlich im Schnitt um 44 Prozent wächst. Die Aktie von Solar Millennium sei der beste Weg, hiervon zu profitieren. Die Firma hat einen Marktanteil von 80 Prozent.

Binnen zwölf Monaten hat sich der Wert der Aktie fast verdreifacht. Goldman Sachs hat Solar Millennium aber inzwischen von seiner berühmten Conviction Buy List genommen, eben wegen des schnellen Kursanstiegs. Die Analysten haben als Kursziel 38 Euro ausgegeben, gestern notierte das Papier bei 34,70 Euro.

Aus einem kleinen, gerade 32 Millionen Euro erlösenden Solarspezialisten ist ein veritabler Mittelständler mit gut 200 Millionen Euro Umsatz geworden. Auch wenn man einen Sondereffekt von 48 Millionen Euro abzieht, haben sich die Geschäfte verfünffacht. Und im neuen Geschäftsjahr, das zum November begonnen hat, soll es sprunghaft weitergehen.

"Wir erwarten ein Wachstum von über 50 Prozent", sagt Noch-Vorstandschef Christian Beltle. Damit meint er ausdrücklich auch die Gewinne. Die haben sich schon im Vorjahr auf 43 Millionen Euro vervierfacht.

Der Zeitpunkt, ins zweite Glied zurückzutreten, ist für Beltle wahrlich nicht schlecht. Er bleibt Vorstand. Claassen, sein Kollege in spe, ließ Anfang der Woche schon einmal wissen: "Die Zukunft des Planeten liegt in neuen Technologien, ganz besonders in Bereichen Energie und Klimaschutz." Um das Klima zu retten, sind die Erlanger keine schlechte Wahl. Mit Desertec soll Solarstrom in der Sahara erzeugt und nach Europa geleitet werden.

Solar Millennium plant und baut solarthermische Kraftwerke inklusive Finanzierung und betreibt die Anlagen später auch übergangsweise. Solarthermie bedeutet: Mit Spiegeln wird Öl erhitzt, damit wird Wasserdampf erzeugt, der in einer Turbine Strom produziert. Solche Kraftwerke haben das Potenzial, einmal fossil befeuerte Anlagen abzulösen.

In Andalusien bauen die Franken mit Partnern das Parabolrinnen-Kraftwerk Andasol. Die ersten beiden Bauabschnitte liefern bereits Sonnenstrom. Es ist das erste Solarthermie-Kraftwerk Europas, es ist auch das größte seiner Art weltweit. Allein die Kollektoren von Andasol1 decken eine Fläche von 70 Fußballfeldern ab. Mit Andasol2 zusammen liefern sie sauberen Strom für eine halbe Million Menschen.

Gegründet wurde das Unternehmen 1998. 2005 folgte der Börsengang. Und jetzt habe man Milliardenprojekte vor der Brust, sagen die Erlanger. Vor allem die USA gelten aus aussichtsreicher Markt. Doch genau darin sehen Experten auch die Risiken.

Ob das Wachstum in der Solarthermie tatsächlich so rasant ausfällt, wie viele Analysten erwarten, hängt auch davon ab, wie die Politik die Technologie fördert.

Konzernen, die auf Kohle- und Atomstrom setzen, gefällt die massive Unterstützung der Sonnenbranche aber überhaupt nicht. Und diese Unternehmen haben weltweit eine starke Lobby. Keiner weiß das besser als Utz Claassen.

Autor:  Thomas Magenheim und Frank-Thomas Wenzel
Datum:  18 | 12 | 2009
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