Lange vor dem ersten Handelstag konnte das soziale Netzwerk Facebook potenzielle Investoren am Mittwoch erstmals überraschen – und zwar positiv. Mit dem Antrag auf den Börsengang, den das Unternehmen bei der US-Börsenaufsicht einreichte, gab Facebook erstmals auch einen Einblick in seine Bücher: Facebook hat 2011 eine Milliarde Dollar verdient, der Umsatz lag bei 3,7 Milliarden Dollar, eine Steigerung um 88 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Klar ist jetzt auch: Die Firma will in jedem Fall fünf Milliarden Dollar mit dem Börsengang einspielen, die Summe kann auf bis zu zehn Milliarden Dollar wachsen. Die Bewertung läge damit bei den bis zu hundert Milliarden Dollar, die im Vorfeld erwartet wurden. Ist das gerechtfertigt? Einiges spricht für das junge Unternehmen. Denn für Werbekunden sind die Daten der rund 845 Millionen registrierten Nutzer eine Goldgrube – zumal sich mehr als die Hälfte jeden Tag einloggt. 85 Prozent der Einnahmen kommen aus dem Anzeigengeschäft. Den Rest des Umsatzes machen Gebühren und Einnahmen aus Online-Spielen wie Farmville aus.
In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg.
Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook in ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen.
Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet.
Das spätere Grundelement von Facebook - die Pinnwand - kommt dazu.
Facebook hat rund eine Million Nutzer.
Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet.
Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer.
Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle.
Facebook hat mehr als 12 Millionen Nutzer.
Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer. Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent – die Bewertung erreicht damit 15 Milliarden Dollar.
Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst `Beacon", der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen mit einem S Selbstbedienungssystem Werbung ins Netzwerk.
Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr.
Die deutsche Facebook-Version startet.
Facebook hat 100 Millionen Nutzer.
Facebook Connect verknüpft den Dienst mit vielen Webseiten im Netz.
Facebook führt den „Gefällt mir“-Button ein. Inzwischen gibt es jeden Tag 2,7 Milliarden „Likes“ und Kommentare.
Facebook hat mehr als 200 Millionen Nutzer.
Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook - bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar.
Facebook hat mehr als 350 Millionen Nutzer.
Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer.
Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook.
Facebook hat mehr als 750 Millionen Nutzer.
Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den „Gefällt-mir“-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen - trifft jedoch auf wenig Resonanz.
Zuckerberg zeigt sich entschlossen
Mit den jetzt eingeführten neuen Profilseiten wird das Bild der Nutzer weiter verfeinert, die Daten für zielgruppengerechte Werbung werden genauer. Das ist vor allem im Kampf um die Werbedollar gegen Google wichtig. Facebook dringt zudem in neue Geschäftsfelder vor: Früher oder später wird das Netzwerk Werbung auch über Smartphones anzeigen lassen und Anzeigen in den Nachrichtenfluss integrieren. Ein Großteil der Nutzer loggt sich schon jetzt über mobile Endgeräte ein.
Mit den Unterlagen zum Börsengang hat Facebook zum ersten Mal ausführliche Zahlen zu seinem Geschäft veröffentlicht. Die wichtigsten Daten des Unternehmens auf einen Blick:
Gewinn: Facebook ist seit Jahren profitabel. Bei einem Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar betrug der Gewinn im vergangenen Jahr eine Milliarde Dollar. Die Werbung hatte einen Umsatzanteil von 85 Prozent. Onlinespiele kamen auf zwölf Prozent.
Nutzer: Den Unterlagen zufolge hat das Netzwerk 845 Millionen Nutzer im Monat. 483 Millionen Menschen nutzen Facebook jeden Tag.
Der Chef: Mark Zuckerberg hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben. Damit wird Zuckerberg auch in Zukunft ein geringer Anteil reichen, um die Firma zu kontrollieren.
Mitarbeiter: Die Beschäftigtenzahl stieg allein 2011 um 50 Prozent. Derzeit hat Facebook 3200 Mitarbeiter.
Verbreitung: In fast allen Ländern ist Facebook das größte soziale Online-Netzwerk, in Deutschland mit über 22 Millionen Nutzern klar die Nummer 1.
Bedenken am Umgang mit Nutzerdaten versucht Gründer Mark Zuckerberg in einem Schreiben an die Investoren auszuräumen. 35 Mal erwähnt der Facebook-Chef darin das Wort „Privatsphäre“.
Zuckerberg, mit 28 Prozent der Aktien größter Anteilseigner, zeigt sich in dem Brief entschlossen, sich nicht von der Wall Street unter Druck setzen zu lassen. „Facebook ist nie mit dem Ziel gegründet worden, eine Firma zu sein“, schreibt er. „Wir entwickeln nicht neue Dienste, um Geld zu machen, sondern machen Geld, um neue Dienste entwickeln zu können“, so der Firmenchef, der auch künftig die Stimmmehrheit besitzen wird.
Vor allem Zuckerberg selbst hatte sich lange gegen den Börsenstart gewehrt, weil er fürchtete, damit die Kontrolle über sein Netzwerk zu verlieren. Doch zuletzt war der Druck gestiegen, weil die Zahl der Investoren die Marke von 499 überschritten hatte. Nach US-Recht wäre Facebook damit schon bald ohnehin gezwungen gewesen, regelmäßig Details zu seinen Finanzen zu veröffentlichen.
Hohe Entwicklungskosten
Inwieweit sich die Philosophie Zuckerbergs, neue Funktionen erst einzuführen und dann nach und nach zu verbessern, mit den Erwartungen der Börse verträgt, bleibt abzuwarten. Das Netzwerk hat mit Neuerungen wie zuletzt den neuen Profilseiten immer wieder für Irritationen gesorgt.
Bei Analysten bleiben denn auch viele Zweifel. Die große Frage sei, inwieweit das Netzwerk überhaupt noch wachsen kann, hieß es. Allein im vergangenen Jahr kamen rund 330 Millionen Nutzer hinzu. Sorgen machen auch die steigenden Entwicklungskosten, die zwischen 2010 und 2011 von neun auf 114 Millionen Dollar gestiegen sind – vor allem, weil das Netzwerk massiv in Personal investiert und inzwischen rund 3 200 Mitarbeiter beschäftigt. Auch der Zeitpunkt für einen Börsengang scheint ungünstig. Aufgrund der lahmenden Konjunktur hat die Begeisterung der Börsianer für junge Internetfirmen merklich nachgelassen.
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