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Facebook: Gefällt nicht allen

Diesen Tag werden Investoren, Börsianer und die IT-Branche nicht vergessen: Das größte soziale Netzwerk der Welt, das Kaffeehaus des Web 2.0, die aufregendste Gründung der vergangenen Jahre, Facebook, hat den Börsengang beantragt.

Symbol für Facebook: Der ausgestreckte Daumen.
Symbol für Facebook: Der ausgestreckte Daumen.
Foto: AFP
New York –  

Lange vor dem ersten Handelstag konnte das soziale Netzwerk Facebook potenzielle Investoren am Mittwoch erstmals überraschen – und zwar positiv. Mit dem Antrag auf den Börsengang, den das Unternehmen bei der US-Börsenaufsicht einreichte, gab Facebook erstmals auch einen Einblick in seine Bücher: Facebook hat 2011 eine Milliarde Dollar verdient, der Umsatz lag bei 3,7 Milliarden Dollar, eine Steigerung um 88 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Klar ist jetzt auch: Die Firma will in jedem Fall fünf Milliarden Dollar mit dem Börsengang einspielen, die Summe kann auf bis zu zehn Milliarden Dollar wachsen. Die Bewertung läge damit bei den bis zu hundert Milliarden Dollar, die im Vorfeld erwartet wurden. Ist das gerechtfertigt? Einiges spricht für das junge Unternehmen. Denn für Werbekunden sind die Daten der rund 845 Millionen registrierten Nutzer eine Goldgrube – zumal sich mehr als die Hälfte jeden Tag einloggt. 85 Prozent der Einnahmen kommen aus dem Anzeigengeschäft. Den Rest des Umsatzes machen Gebühren und Einnahmen aus Online-Spielen wie Farmville aus.

Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern

In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg.

Zuckerberg zeigt sich entschlossen

Mit den jetzt eingeführten neuen Profilseiten wird das Bild der Nutzer weiter verfeinert, die Daten für zielgruppengerechte Werbung werden genauer. Das ist vor allem im Kampf um die Werbedollar gegen Google wichtig. Facebook dringt zudem in neue Geschäftsfelder vor: Früher oder später wird das Netzwerk Werbung auch über Smartphones anzeigen lassen und Anzeigen in den Nachrichtenfluss integrieren. Ein Großteil der Nutzer loggt sich schon jetzt über mobile Endgeräte ein.

Das größte soziale Online-Netz

Mit den Unterlagen zum Börsengang hat Facebook zum ersten Mal ausführliche Zahlen zu seinem Geschäft veröffentlicht. Die wichtigsten Daten des Unternehmens auf einen Blick:

Gewinn: Facebook ist seit Jahren profitabel. Bei einem Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar betrug der Gewinn im vergangenen Jahr eine Milliarde Dollar. Die Werbung hatte einen Umsatzanteil von 85 Prozent. Onlinespiele kamen auf zwölf Prozent.

Nutzer: Den Unterlagen zufolge hat das Netzwerk 845 Millionen Nutzer im Monat. 483 Millionen Menschen nutzen Facebook jeden Tag.

Der Chef: Mark Zuckerberg hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben. Damit wird Zuckerberg auch in Zukunft ein geringer Anteil reichen, um die Firma zu kontrollieren.

Mitarbeiter: Die Beschäftigtenzahl stieg allein 2011 um 50 Prozent. Derzeit hat Facebook 3200 Mitarbeiter.

Verbreitung: In fast allen Ländern ist Facebook das größte soziale Online-Netzwerk, in Deutschland mit über 22 Millionen Nutzern klar die Nummer 1.

Bedenken am Umgang mit Nutzerdaten versucht Gründer Mark Zuckerberg in einem Schreiben an die Investoren auszuräumen. 35 Mal erwähnt der Facebook-Chef darin das Wort „Privatsphäre“.

Zuckerberg, mit 28 Prozent der Aktien größter Anteilseigner, zeigt sich in dem Brief entschlossen, sich nicht von der Wall Street unter Druck setzen zu lassen. „Facebook ist nie mit dem Ziel gegründet worden, eine Firma zu sein“, schreibt er. „Wir entwickeln nicht neue Dienste, um Geld zu machen, sondern machen Geld, um neue Dienste entwickeln zu können“, so der Firmenchef, der auch künftig die Stimmmehrheit besitzen wird.

Vor allem Zuckerberg selbst hatte sich lange gegen den Börsenstart gewehrt, weil er fürchtete, damit die Kontrolle über sein Netzwerk zu verlieren. Doch zuletzt war der Druck gestiegen, weil die Zahl der Investoren die Marke von 499 überschritten hatte. Nach US-Recht wäre Facebook damit schon bald ohnehin gezwungen gewesen, regelmäßig Details zu seinen Finanzen zu veröffentlichen.

Hohe Entwicklungskosten

Inwieweit sich die Philosophie Zuckerbergs, neue Funktionen erst einzuführen und dann nach und nach zu verbessern, mit den Erwartungen der Börse verträgt, bleibt abzuwarten. Das Netzwerk hat mit Neuerungen wie zuletzt den neuen Profilseiten immer wieder für Irritationen gesorgt.

Bei Analysten bleiben denn auch viele Zweifel. Die große Frage sei, inwieweit das Netzwerk überhaupt noch wachsen kann, hieß es. Allein im vergangenen Jahr kamen rund 330 Millionen Nutzer hinzu. Sorgen machen auch die steigenden Entwicklungskosten, die zwischen 2010 und 2011 von neun auf 114 Millionen Dollar gestiegen sind – vor allem, weil das Netzwerk massiv in Personal investiert und inzwischen rund 3 200 Mitarbeiter beschäftigt. Auch der Zeitpunkt für einen Börsengang scheint ungünstig. Aufgrund der lahmenden Konjunktur hat die Begeisterung der Börsianer für junge Internetfirmen merklich nachgelassen.

Das gilt es beim neuen Facebook-Profil zu beachten

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Autor:  Thorsten Schröder
Datum:  3 | 2 | 2012
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