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03. Mai 2011

Fairer Handel im Trend: Transfair steht hoch im Kurs

 Von Willi Feldgen
Fair-Trade-Pionier Gepa aus Wuppertal war 1992 der erste Lizenznehmer von Transfair.  Foto: dpa

Fairtrade-Produkte liegen weiter im Trend: Im Jahr 2010 wurden in Deutschland Waren mit dem Siegel im Wert von rund 340 Millionen Euro verkauft − ein Plus von 27 Prozent. Wichtigstes Produkt ist nach wie vor Kaffee.

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Bonn –  

Zum siebten Mal hintereinander hat Transfair im vergangenen Jahr sein Wachstum in Deutschland um einen zweistelligen Prozentsatz steigern können. 2010 wurden hierzulande Fairtrade-gesiegelte Produkte im geschätzten Wert von rund 340 Millionen Euro verkauft, berichtete Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath am Dienstag in Bonn. Der Umsatz stieg damit gegenüber 2009 um 27 Prozent. Angesichts der vielen Krisen in der Welt habe ihn dieser Anstieg überrascht, sagte Transfair-Vorstand Heinz Fuchs. Offenbar schafften aber gerade Krisenzeiten ein stärkeres Bewusstsein dafür, „dass weite Bereiche unseres Konsumverhaltens nicht in Ordnung sind“.

Das wichtigste Fairtrade-Produkt ist nach wie vor der Kaffee. Der Absatz der fair gehandelten Kaffeebohnen stieg im vergangenen Jahr um 26 Prozent auf mehr als 7200 Tonnen. Der Preis für Arabica-Kaffee kletterte in diesem Jahr auf ein 14-Jahres-Hoch. Das heiße aber nicht, dass von den Spitzenpreisen automatisch auch mehr bei den Produzenten ankomme. Häufig seien für höhere Preise nur Spekulanten im Handel verantwortlich, sagte Transfair-Vorstand Fuchs. So war etwa in der Vergangenheit die gesamte Kakao-Ernte eines Jahres von einem einzigen Händler aufgekauft worden.

Das zweitwichtigste – noch relativ junge – fair gehandelte Produkt sind Rosen: „Handelsketten wie Rewe und Penny haben ihr Angebot an Rosen im Zehnerbund komplett auf Fairtrade umgestellt“, sagte Overath. Der Absatz wuchs gegenüber 2009 um zehn Prozent auf 72 Millionen Stiele. Am Gesamtmarkt für Rosen in Deutschland halten die fair gehandelten Blumen damit einen Anteil von 2,4 Prozent. Hohe Wachstumsraten mit fair gehandelter Ware erzielten auch Fruchtsäfte (plus 18 Prozent), Textilien (plus 29 Prozent) und Wein (plus 61 Prozent). Rückgänge gab es dagegen bei Bananen und Honig.

Der Absatz von Fairtrade-Bananen geriet aufgrund der sehr niedrigen Marktpreise für konventionelle Bananen in den Konsumentenländern und wegen klimabedingter Ernteausfälle unter Druck und gab um 27 Prozent auf 7500 Tonnen nach. Wegen der Beschaffungsprobleme aufgrund des Sterbens vieler Bienenvölker listete eine Supermarktkette den Transfair-Honig aus seinem Angebot aus. Der entsprechende Absatz ging daher um zehn Prozent auf 451 Tonnen zurück.

Inzwischen gebe es „fast keinen Laden mehr in Deutschland, der gar kein Fairtrade-Produkt anbietet“, sagte Overath. Der letzte weiße Fleck sei Aldi gewesen – und Aldi-Süd habe inzwischen Fairtrade-Kaffee in sein Angebot aufgenommen.

DM biete fair gehandelte Schokolade an, bei Rossmann gebe es sieben, bei Lidl sogar 15 Fairtrade-Produkte.

Vorbild Großbritannien

Nicht zuletzt im Vergleich mit Großbritannien sieht Overath aber weiteres erhebliches Wachstumspotenzial in Deutschland. Auf der Insel beträgt der Umsatz mit fair gehandelten Produkten nämlich bereits mehr als eine Milliarde Euro. „Fairtrade ist in Großbritannien Mainstream“, sagte Overath. Der Süßwaren-Hersteller Cadbury zum Beispiel habe sein gesamtes Sortiment auf fair gehandelte Produkte umgestellt. Supermärkte böten nicht weniger als 150 Fairtrade-Produkte an und wer zum Beispiel bei Marks & Spencer Tee kaufe, werde es „schwer haben, einen zu finden, der nicht fair gehandelt ist“.

Transfair setzt auch künftig auf organisches Wachstum und auf Zuwachs durch neue Produktgruppen: So werden demnächst auch Holz und Möbel mit Fairtrade-Zertifizierung angeboten. Für Deutschland geprüft wird außerdem eine Zertifizierung von Gold: Der Ehering bei der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton habe zwar leider noch nicht das entsprechenden Gold enthalten − „aber wir waren knapp davor“, heißt es.

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