Unter Stuttgart 21 versteht man die milliardenteure Neuordnung des Bahnverkehrs in der Landeshauptstadt, der im engen Neckartal verläuft. Kernprojekt ist der Teilabriss des denkmalgeschützten Kopfbahnhofs im Stadtzentrum und der Neubau eines unterirdischen Durchgangsbahnhofs. Auf frei werdenden Flächen (rund 100 Hektar) soll ein neues Stadtviertel entstehen.
57 Kilometer neue Strecken sind geplant, davon 33 Kilometer in Tunneln. Zentrales Projekt ist ein 9,5 Kilometer langer Tunnel zwischen dem neuen Hauptbahnhof und einer Regionalstation am Flughafen Stuttgart.
Von dort soll der Flughafen an die geplante ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm angebunden werden. Die Kosten für Stuttgart 21 könnten an die 4,5 Milliarden Euro betragen. Die ICE-Strecke nach Ulm wird mehr als zwei Milliarden verschlingen.
Viele Gegner
Viele Stuttgarter lehnen Stuttgart 21 ab. Das zeigen Meinungsumfragen. Nur 39 Prozent der Wähler befürworteten im Juni 2009 laut Infratest die Pläne. Viele Bürger befürchten, dass die Kosten explodieren und das Steuergeld für andere wichtige Projekte in der Region fehlt.
Für Stuttgart 21 machen sich neben der Deutschen Bahn die Landesregierung und der CDU-Oberbürgermeister Wolfgang Schuster stark. Die SPD hat das Vorhaben ebenfalls stets unterstützt, die parteiinterne Kritik aber wächst.
Erklärte Gegner von Stuttgart 21 sind die Grünen sowie Umwelt- und Verkehrsverbände wie der BUND und der VCD, die den Umbau des Bahnhofs für sinnvoller halten und dafür ein Drittel der Kosten veranschlagen. Auch der Bundesrechnungshof sieht das Vorhaben kritisch - wegen explodierender Kosten.
Risiken
Als größtes Infrastrukturprojekt Deutschlands gilt S 21, es soll im Februar beginnen und bis mindestens 2019 dauern. Für die riesige Baugrube sollen 900.000 Kubikmeter Erde ausgehoben und vorwiegend per Zug abtransportiert werden. Kritiker befürchten trotzdem ein jahrelanges Verkehrschaos. Die Grundwasserabsenkung, die durch das Abpumpen für die Baugrube entsteht, könnte Gebäudeschäden zur Folge haben.
Kritiker bezweifeln, dass der unterirdische Durchgangsbahnhof mit acht Gleisen so leistungsfähig wird wie ein modernisierter Kopfbahnhof mit 17 Gleisen. Die Planer kalkulieren mit Haltezeiten von nur zwei Minuten und schnelleren Ein- und Ausfahrtzeiten als beim Kopfbahnhof.
Bei Stuttgart 21 sei allerdings das Risiko viel höher, dass Störungen im Zugbetrieb eine Welle von Verspätungen auslösen können - mit Folgen für den nationalen Zugverkehr.
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