Düsseldorf. Es ist ein nahezu beispielloser Vorgang in der Justizgeschichte: Die Ermittler im Fall der Steuerfahnderin Margrit Lichtinghagen wurden im laufenden Verfahren ausgewechselt. "Wir wollten eine mögliche Interessenkollision verhindern", sagt die nordrhein-westfälische Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU).
Sie hat die Generalstaatsanwaltschaft Hamm abgezogen und nun Düsseldorf beauftragt, die Vorwürfe gegen Deutschlands bekannteste Steueremittlerin zu prüfen. Denn der Hammer Oberstaatsanwalt hat die Bochumer Behörde bis zum November 2001 selbst geleitet - und gilt als Freund seines Nachfolgers, der Lichtinghagen letztlich zu Fall brachte.
Lichtinghagen wird zukünftig als Jugendrichterin in Essen tätig sein. Vor einem Jahr noch hatte sie medienwirksam den früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel verhaftet und anschließend Ermittlungen gegen dutzende weitere Personen geleitet, die ebenfalls verdeckte Konten in Liechtenstein führen sollten.
Doch offenbar hatten sich Lichtinghagen und der Behördenleiter Bernd Schulte überworfen.
Schulte beschuldigte sie in einem 40-seitigen Schreiben ans Ministerium, Bußgelder für Steuersünder an Institutionen und Vereine weitergeleitet zu haben, die ihr persönlich nahe standen. So soll sie Geld an die kriselnde Privat-Universität Witten-Herdecke vergeben haben, an der später auch ihre Tochter studierte.
"Dieser Vorwurf wird nun geprüft", so eine Sprecherin des Düsseldorfer Ministeriums. Allerdings hatte Lichtinghagen nach Angaben des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums in einem Gespräch diesen möglichen Interessenkonflikt selbst benannt und daraufhin das Okay erhalten.
Inzwischen gerät auch Behördenleiter Schulte ins Visier der Ermittler: Er soll Bußgeld an Projekte des Rotarier-Clubs in seiner Heimatstadt Lüdenscheid veranlasst haben, in dem er selbst Mitglied ist. Möglicherweise also wird von den einst so gerühmten Bochumer Ermittlern bei der Anklage Zumwinkels Ende des Monats eine weitere Führungsperson fehlen.
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