Der WWF Deutschland wirft den europäischen Fischereiministern vor, bei der Festsetzung von Fangquoten über Jahre wissenschaftliche Empfehlungen ignoriert zu haben. Die Minister richteten die Quoten nach kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen aus und legalisierten so die Überfischung, sagte die Fischereiexpertin der Umweltschutzorganisation, Karoline Schacht, am Freitag. Dadurch seien von 2003 bis 2011 europaweit sechs Millionen Tonnen Fisch mehr gefangen worden, als vom Wissenschaftlichen Rat zur Erforschung der Meere (ICES) empfohlen. Ab Dienstag werden in Brüssel die Fangquoten für die Fischereisaison 2013 im Nordostatlantik und der Nordsee festgelegt.
Die Umweltschutzorganisation hat für ihren Report die offiziellen Fischereidaten der Jahre 2003 bis 2011 ausgewertet und mit den Empfehlungen der Wissenschaftler verglichen. Dabei kam der WWF zu dem Ergebnis, dass die genehmigten Fangmengen im Durchschnitt 45 Prozent über den ICES-Empfehlungen lagen. So seien zwischen 2003 und 2007 EU-weit in der Nordsee knapp 65 000 Tonnen Schollen mehr genehmigt worden, als vom ICES empfohlen, sagte Schacht. Das entspreche dem Dreizehnfachen der deutschen Fangquote für diese Fischart im Jahr 2012.
Beim Dorsch aus der östlichen Ostsee sei die Empfehlung im selben Zeitraum sogar um rund 190000 Tonnen überschritten worden. „Das Beispiel Dorsch zeigt, wie wichtig Mehrjahrespläne für den Bestandsschutz sind. Seit Inkrafttreten des Bestandsrahmenplans im Jahr 2008 hat sich der Dorschbestand in der östlichen Ostsee deutlich erholt“, so Schacht. (dpa)
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