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Fernsehen: Überlebt Sky alias Premiere die Saison?

Aus Premiere wird Sky - und was wird aus Sky? Die kommende Bundesliga-Spielzeit dürfte entscheidend sein für das Schicksal des Bezahlsenders. Von Thomas Magenheim

Aus Premiere wird Sky - und was wird aus Sky?
Aus Premiere wird Sky - und was wird aus Sky?
Foto: Getty

München. Deutschlands Fußballfans lechzen. Noch vier Wochen müssen sie sich gedulden, bis am 7. August mit der Partie des Meisters Wolfsburg gegen den VfB Stuttgart die Saison 2009/10 startet. In der Spielzeit steht aber auch ein anderes Duell an, das mutmaßlich die Zukunft des Fernsehens, sicher aber das Schicksal des von Premiere in Sky umfirmierten Münchner Bezahlsenders entscheiden wird.

Denn dem chronisch defizitären TV-Konzern erwächst mit dem neuen Bundesliga-Sender Liga Total eine Konkurrenz, die die Branche sehr ernst nimmt. "Die Fans werden ins Grübeln kommen", sagt ein Medienmanager.

Hinter Liga Total steht immerhin das Schwergewicht Deutsche Telekom, das im Internetfernsehen (IPTV) einen neuen Anlauf nimmt. Die Bonner haben die IPTV-Rechte der Bundesliga für vier Spielzeiten zu rund 25 Millionen Euro pro Saison erworben und damit ein Schnäppchen gemacht. Denn die Übertragungsrechte im Bezahlfernsehen kosten Sky mit jeweils 225 Millionen Euro fast das Zehnfache.

Das hat etwas mit Reichweite zu tun. Denn als Premiere konnte Sky 2,4 Millionen Zuschauer an sich binden, von denen etwa ein Drittel reine Bundesliga-Kunden sind, schätzt Branchenexperte Andreas Heinold, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Die Deutsche Telekom versorge aktuell etwa 700 000 IPTV-Kunden, von denen überschaubare 20.000 bis 30.000 die Bundesliga live gebucht hätten. An diesen für IPTV ungünstigen Relationen will die Telekom mit Partner Constantin Media (ehemals EMTV) Entscheidendes ändern.

Constantin ist neuer Lizenznehmer der Telekom, hat damit Premiere in dieser Funktion abgelöst und veranstaltet für die Bonner Liga Total mit einer vom Reporterpromi Johannes B. Kerner angeführten Sportredaktion. Eingespielt werden die Kicks dann in Entertain, das IPTV-Angebot der Telekom.

"Liga Total ist das Zugpferd", stellt Heinold klar. Vor allem damit wolle der bisherige Telefon- und Internetkonzern künftig maßgeblich im TV- Geschäft mitmischen. Eine Million IPTV-Kunden hat die Telekom bis Ende 2009 als Kurzfristziel ausgegeben.

Eine Studie des Branchenverbands Bitkom blickt weiter. Ende 2010 schauen bundesweit 1,8 Millionen Haushalte per IPTV fern, sagt Bitkom-Vize Achim Berg voraus. Gegenüber diesem Jahr sei das ein Plus von satten 50 Prozent, getragen vor allem von der Deutschen Telekom.

Denn die anderen beiden IPTV-Anbieter Hansenet und Arcor kommen nach Branchenangaben zusammen aktuell nur auf rund 36.000, nicht einmal ein Zehntel des Telekom-Bestands. "Fernsehen über das Internet ist das Fernsehen der Zukunft", glaubt Berg.

Vor drei Jahren als die Telekom erstmals damit Premiere angegriffen hat, ist IPTV auch wegen technischer Kinderkrankheiten nicht aus den Startlöchern gekommen. Die gelten nun aber als überwunden. Für Liga Total ist die Werbetrommel angeworfen.

Auch preislich halten Experten den Bundesligasender für konkurrenzfähig. Denn zum einen wurde der Abopreis für das billigste Sky-Paket mit Bundesliga live soeben von 20 auf 33 Euro erhöht. Zum anderen kostet die günstigste Variante von Liga Total 60 Euro gegenüber rund 90 Euro, die die Telekom 2006 verlangt hat.

Das ist zwar auf den ersten Blick immer noch doppelt so teuer. Die Telekom verkauft IPTV aber ausschließlich als Triple Play, also inklusive Anschluss und Flatrate für das deutsche Festnetz und Internet. Beides müsse man mit rund 25 Euro in Rechung stellen, kalkuliert Heinold.

Wer Sky per Satellit empfängt, komme also nur noch minimal billiger weg. Wer per TV-Kabel am Bezahlfernsehen hängt und dafür im Schnitt extra17 Euro monatlich berappen muss, fahre mit Liga Total besser.

Dazu kommt praktischer Extranutzen. Liga Total bietet gegen Aufpreis alle Spiele in hochauflösender HD-Qualität, Sky nur fünf von neun Partien eines Spieltags. Im IPTV kann man die Übertragung beliebig anhalten, in der Küche ein Getränk holen und das Spiel weiterlaufen lassen. In einem kostenlosen Bundesligaarchiv stellen Telekom/Constantin die ganze Saison über Zugriff auf Spiele vorangegangener Spieltage bereit.

Solche Extras stehlen klassischem TV die Schau. "IPTV-Anbieter können den Vorsprung nutzen, den sie durch hochwertige Technologien haben, um sich bei Kunden als Premiumplattform zu etablieren", sagt Berg. Ganz auf Augenhöhe ist das Fernsehen der Zukunft aber noch nicht.

Technisch kann Liga Total rund die Hälfte aller 39,5 Millionen deutschen TV-Haushalte erreichen, weil nur in 50 Metropolregionen das nötige VDSL- Hochgeschwindigkeitsnetz für IPTV existiert. Sky kommt per TV-Kabel und Satellit auf völlige Flächendeckung. Dennoch sind die Macher von Liga Total zuversichtlich.

"Wir gestalten den Markt", heißt es in Bonn. Sky reagiert gelassen. "Das hatten wir schon mal", sagen die Münchner mit Blick auf den neu dimensionierten Wettbewerber. Der Herausforderer davor sei Arena gewesen und jetzt weg vom Fenster. "Der Maßstab sind wir", stellt Sky klar.

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga verspricht große Spannung. Denn gegrätscht wird nicht nur auf dem Rasen. Ein Duell liefern sich auch das Bezahlfernsehen und IPTV. Das Schicksal von Sky steht auf dem Spiel.

Autor:  THOMAS MAGENHEIM
Datum:  8 | 7 | 2009
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