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15. Juni 2014

Fifa und Brasilien: Das Bier geht vor

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Budweiser gehört zum belgischen Brauerei-Konzern Anheuser-Busch-InBev, dem weltgrößten Bierhersteller. Budweiser steht auch schon als offizieller Biersponsor für die Weltmeisterschaft 2022 bereit.  Foto: dpa

Die Fifa zwang Brasilien, das Alkoholverbot rund um Stadien aufzuheben – zugunsten einer belgischen Brauerei. Das Beispiel zeigt, wie die Fifa es mit Entscheidungen demokratisch gewählter Regierungen hält.

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Brasilianischer Fußball, das ist Tanz, Rhythmus, Begeisterung – und tödliche Gewalt. Bis zum Jahr 2008 kamen im größten südamerikanischen Land laut einer Erhebung so viele Fans in und um Fußballstadien ums leben wie nirgendwo sonst. 42 Tote wurden in den zehn vorhergehenden Jahren wegen Fangewalt und Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Lagern verzeichnet. Und anders als in anderen Ländern, wo es gelang, die Gewalt einzudämmen, wurde sie in Brasilien schlimmer.

Um der Situation Herr zu werden, verbannten die Magistrate 2008 in einem ersten Schritt alkoholische Getränke aus den Stadien. Verstöße dagegen sollten hart sanktioniert werden: An einer Gefängnisstrafe führte demnach nichts vorbei. Noch im Jahr 2010 zeigte sich die Regierung entschlossen, die diesjährige Fußball-WM zur ersten ohne alkoholischen Getränke in den Arenen zu machen.

Doch sie hatte die Rechnung ohne die Fifa und ihren Sponsor Budweiser gemacht, der das offizielle Bier der WM 2014 liefert. Sicherheit und Gesundheit der Fans hin oder her, machte der Fußballverband in Person von Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke 2012 deutlich, was er von dem Alkohol-Verbot in den Stadien hielt: gar nichts. Vor laufenden Kameras machte Valcke dem brasilianischen Gesetzgeber Anfang 2012 im Stile kolonialer Herrscher Beine.

„Alkoholische Getränke sind Teil des Fifa World Cup, also wird es sie auch geben“, sagte Valke. Dann setzte er hinzu: „Entschuldigen Sie mich, wenn ich etwas arrogant klinge, aber das ist etwas, über das wir nicht verhandeln werden. Ich meine: Es wird und es muss als Teil eines Gesetzes den Fakt geben, dass wir das Recht haben, Bier zu verkaufen.“

In der Tat blieb der brasilianischen Regierung wenig anderes übrig als den hohen Fußball-Herren zu gehorchen. Denn entsprechende Verpflichtungen war sie eingegangen, als sie sich entschieden hatte, die Fußball-WM auszurichten. Im Mai 2012 stimmte der brasilianische Senat schließlich dem sogenannten „Budweiser Bill“ zu und beendete so die Auseinandersetzung mit der Fifa. „Wie die Mehrheit der Bevölkerung war ich gegen die Erlaubnis“, sagte Senator Ana Amelia nach der Entscheidung. „Wir haben nur ratifiziert, was die Regierung entschieden hat.“ Zwar autorisierte das neue Gesetz die Fifa nicht direkt, Bier in den Stadien zu verkaufen. Doch die dafür noch nötigen Verhandlungen mit den Regionalregierungen schienen schließlich kein Problem mehr zu sein.

Was auch immer man von einem Alkoholverbot in Fußball-Arenen zur Verhinderung von Fangewalt halten mag: Das Beispiel zeigt, wie die Fifa es mit Entscheidungen demokratisch gewählter Regierungen hält.

Und Budweiser? Die Biermarke gehört zum belgischen Brauerei-Konzern Anheuser-Busch-InBev. Der weltgrößte Bierhersteller zählt zu seinem Markenportfolio auch Biere wie Becks und Franziskaner. Für das Unternehmen ist die WM eine hochinteressante Möglichkeit, „den Absatz und die Einnahmen anzukurbeln, nicht nur in Brasilien, sondern in vielen Märkten auf der ganzen Welt“, heißt es in Unterlagen.

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Doch nur Geschäfte zu machen, wäre auch den Belgiern zu simpel. Offensiv wirbt man deshalb mit dem eigenen Engagement für eine bessere Welt. „Brewing a better world“, heißt es auf der Website des Unternehmens. „Als weltweit führende Brauerei fördern wir den verantwortungsvollen Genuss unserer Produkte weltweit.“ Und weiter: „Wir sind felsenfest gegen den schädigenden Gebrauch von Alkohol und arbeiten daran, teil der Lösung zu sein.“ In Brasilien will der Brauereikonzern über 100 000 Servicekräfte im verantwortlichen Ausschank von Bier im Zusammenhang mit Großanlässen geschult haben.

Budweiser steht auch schon als offizieller Biersponsor für die Weltmeisterschaft 2022 bereit. Die soll ja in Katar stattfinden, einem Land, in dem es zum Fußball spielen bekanntlich zu heiß ist, und in dem die Religion gegen den Ausschank von alkoholischen Getränken spricht. Ob die Fifa auch die Regierung des islamischen Staates davon überzeugen kann, dass während der WM Bier verkauft werden darf?

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