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Finanzwirtschaftler Oehler: "So nicht!"

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bügelt die Kritik von Andreas Oehler an der Umsetzung der Riester-Förderung ab. Auf FR-online.de reagiert der Finanz-Professor auf die Aussagen des Ministeriums.

"Solche Kosten entstehen auch bei ungeförderten Finanzprodukten dieser Art."

Riestern ist meist empfehlenswert, aber: Es gibt zu viele Angebote, denen wesentliche Informationen fehlen, insbesondere zu den Kosten, trotz staatlicher Zertifizierung (z.B. einige Sparpläne). Bei einigen Produkten sind die Kosten teilweise höher als ohne Förderung (z.B. die Aufschläge bei einigen Fonds), oder absolut so hoch, dass ein Vertragswechsel jahrelang praktisch ausgeschlossen ist (z.B. bei einigen Versicherungen). Müssten nicht Angebote mit staatlicher Förderung besonders kostengünstig und leicht verständlich sein?

Der Gesprächspartner

Andreas Oehler ist Inhaber des Lehrstuhls für Finanzwirtschaft an der Universität Bamberg. Er hat schon mehrfach kritisch die Beratungspraxis der Banken unter die Lupe genommen.

Die Riester-Studie gibt's hier.

"Die staatliche Förderung geht ersichtlich in die Gesamtbeitragsleistung ein und führt dazu, dass die geförderten Riester-Verträge aus Sicht der Sparer erheblich günstiger und lukrativer sind als ungeförderte Verträge."

Wenn der Sinn der staatlichen Förderung (Zulagen, Steuervorteil) ein Anreiz zum Riestern sein soll, dann stellt sich doch ganz praktisch die Frage, wo die Wirkung bleibt, wenn hohe Kostenforderungen bei einigen Produkten den Anreiz ganz oder teilweise verschlingen?

"Untersuchungen von Finanztest (belegen), dass es in jedem der verschiedenen Produktkategorien (...) das ganze Spektrum von sehr guten bis - leider auch - mangelhaften Produkten gibt. Insofern gibt es eine ausreichende Vielfalt am Markt..."

Das Problem ist aber, dass der Verbraucher ganz praktisch kaum herausfinden kann, ob er das gute und passende Produktangebot getroffen hat! Wettbewerb und Transparenz sind eher eine Fiktion, die Realität für die Verbraucher sieht leider ganz anders aus. Finanztest hat aktuell festgestellt (11/2009): "Auch bei den Zulagen halten die Gesellschaften die Hand auf. Einige sind nachgerade

unverschämt. (...) Ob der Staat sich das wohl so gedacht hat, als er die private Altersvorsorge fördern wollte?"

"Deshalb haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart, dass Kunden von Finanzprodukten die wesentlichen Bestandteile einer Kapitalanlage, sämtliche Kosten und Provisionen möglichst schnell erkennen können sollen. Dies läuft auf die Einführung eines sogenannten Produktinformationsblattes hinaus."

Es gibt doch schon gesetzliche Vorschriften zu den Informationen der Riester-Produkte. Warum sind auch solche staatlich zertifiziert, denen Angaben fehlen? Wie soll man "selbstbestimmt" handeln, wenn die Einhaltung der gesetzlichen Auflagen nicht kontrolliert und durchgesetzt wird? Auch Produktinformationsblätter wurden schon vorgeschlagen, nur fehlen im Vorschlag leider für den Verbraucher wesentliche Risiken (z.B. Inflation, Liquidität, Zinsänderung). Die Dokumentationspflicht könnte für Verbraucher gefährlich werden, wenn man ein Beratungsprotokoll akzeptiert, das man nicht verstehen kann, weil es juristisch verklausuliert zur Risikofreizeichnung der Anbieter formuliert wird. Eine freie Honorarberatung muss man sich erst einmal leisten können und wer kann denn schon beurteilen, ob nicht mehr beraten wird, um Geld zu verdienen? Die wesentlichen Mängel der Finanzberatung oder bei Riester-Produkten sind schon jahrelang bekannt.

Datum:  2 | 1 | 2010
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