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Flexible Beschäftigte: Sechs-Tage-Woche kommt in Mode

Jeder elfte Beschäftigte arbeitet schon jetzt sechs Tage statt fünf, also 48 Stunden und mehr. Die einstige Errungenschaft der Gewerkschaften - Fünf-Tage-Woche - ist nicht mehr die Norm.

"Samstags gehört Vati mir“ – mit diesem Slogan hat der Deutsche Gewerkschaftbund in den 50er-Jahren für die 40-Stunden-Woche und das arbeitsfreie Wochenende gekämpft. Nach und nach setzten Gewerkschaften in vielen Branchen die Fünf-Tage-Woche durch. Heute geht der Trend wieder in die andere Richtung: Immer mehr arbeiten am Wochenende, abends oder nachts. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Partei Die Linke hervor.

Samstagsarbeit leisten inzwischen mehr als 18 Millionen Menschen ständig, regelmäßig oder gelegentlich. Das sind 47 Prozent der Erwerbstätigen. Im Jahr 2001 waren es erst 43 Prozent.

Sonn- und Feiertagsarbeit gehört für 28 Prozent der Beschäftigten zum Berufsleben. 2001 waren es erst 24 Prozent. Das Verbot von Sonn- und Feiertagsarbeit werde durch viele Ausnahmen ausgehöhlt, kritisiert Sabine Zimmermann, Abgeordnete der Linkspartei. Dieser Wildwuchs müsse beschnitten werden.

Abends zwischen 18 und 23 Uhr müssen mittlerweile 46 Prozent der Erwerbstätigen mehr oder weniger regelmäßig ran. Der Anteil der Abendarbeiter ist besonders stark gestiegen. Zur Jahrtausendwende waren es nur 36 Prozent. Ein Grund sind die längeren Öffnungszeiten von Supermärkten und Kaufhäusern.

Nachts arbeiten immer noch 15 Prozent der Beschäftigten regelmäßig oder gelegentlich in Fabriken, Hotels oder Krankenhäusern.

Verantwortlich für die „Auflösung starrer Arbeitszeitstrukturen“ sei der Übergang von der Industrie- in die Dienstleistungsgesellschaft, so das Bundesarbeitsministerium. Allerdings müssen auch in der Industrie viele Arbeiter am Wochenende oder nachts in die Fabrik. 18 Prozent übernehmen immer wieder Nachtschichten, damit die Maschinen länger laufen.

Überlange Arbeitszeiten lassen sich nicht einfach mit dem Trend zur Dienstleistungsgesellschaft erklären. Neun Prozent der männlichen Erwerbstätigen sind regelmäßig 48 Stunden in der Woche oder länger im Einsatz. Bei Frauen sind es zwei Prozent. Besonders verbreitet sind überlange Arbeitszeiten unter Beschäftigten, die ihre Aufgaben zeitlich völlig flexibel einteilen können.

Autor:  Eva Roth
Datum:  15 | 2 | 2012
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