Leiharbeiter als Flugbegleiter bei der Lufthansa – das wäre ein „Kulturbruch“, befindet die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Genau das plant aber das Konzernmanagement. Eine Verdi-Sprecherin kündigte an, man werde gemeinsam mit der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) prüfen, ob es rechtlich überhaupt zulässig ist, dass die Lufthansa in Berlin neue Flugbegleiter über einen Personaldienstleister einstellt.
Die Lufthansa sieht da kein Problem: Ein Sprecher sagte am Dienstag, dass der Konzern in diesem Jahr am neuen Flughafen in Berlin 200 bis 230 neue Stewards und Stewardessen über den Luftfahrt-Personaldienstleister Aviation Power einstellen will. Sie sollen in 15 neuen Maschinen eingesetzt werden, mit denen die Lufthansa ab Inbetriebnahme des Flughafens BER am 3. Juni dieses Jahres 30 zusätzliche Ziele anfliegen will. Bislang steuerte der Konzern von Tegel aus nur acht Ziele nonstop innerhalb Deutschlands und Europas an.
Konkurrenzkampf drückt auf die Lohnkosten
„Wir wollen in Berlin Marktanteile zurückgewinnen“, sagte der Lufthansa-Sprecher. Da der Standort jedoch stark durch Billigflieger wie Air Berlin, Ryan Air und Easyjet geprägt sei, brauche der Konzern „eine andere Kostenplattform“. Die soll Aviation Power bieten, eine Tochtergesellschaft von Lufthansa Technik und Manpower. Die Flugbegleiter sollen zwar dieselbe Ausbildung und mit rund 1 700 Euro dasselbe Einstiegsgehalt wie „klassische“ Lufthansa-Flugbegleiter bekommen, allerdings entfallen die automatischen Lohnsteigerungen. Die erste wäre nach zwei Jahren fällig. Genau dann endet jedoch der Lufthansa-Einsatz erst einmal. Die Flugbegleiter könnten sich dann überlegen, ob sie weiter zu gleichen Bedingungen arbeiteten (ihr AviationPower-Vertrag ist unbefristet) oder ob sie sich bei der Lufthansa direkt bewerben – dann allerdings für andere Strecken, so der Lufthansa-Sprecher.
Es sei auch denkbar, dass sie über Aviation Power für andere Fluggesellschaften zum Einsatz kämen. Momentan ist die Lufthansa aber der einzige Kunde in dieser Sparte. Der Sprecher beteuerte, kein bisheriger Mitarbeiter erleide durch die Pläne einen Nachteil, es handle sich um ein „Zusatzgeschäft“. Lediglich ein kleiner Teil der bislang 200 in Berlin angestellten Lufthansa-Flugbegleiter könnte künftig vermehrt an anderen Standorten wie Frankfurt oder München eingesetzt werden.
Die Leiharbeit könnte bei der Lufthansa Schule machen: Wenn sich das Modell bewähre, könnte es auch an anderen, dezentralen Standorten zum Einsatz kommen, sagte der Sprecher.
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