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08. März 2016

Flughafen Hahn: Chinesen interessieren sich für Hahn

Passagiere besteigen am Flughafen Hahn eine Maschine der irischen Fluggesellschaft Ryanair (Archivbild).  Foto: picture alliance / dpa

Chinesische Investoren sollen nach dem einstigen US-Fliegerhorst Hahn greifen. Kurz vor der Landtagswahl zeigt sich die Regierung in Mainz optimistisch. Die Opposition befürchtet dagegen neue Belastungen für die Steuerzahler. Können Chinesen das kriselnde Frachtgeschäft beleben?

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Hahn –  

Der Hunsrück-Flughafen Hahn ist flügellahm und steht zum Verkauf. Verwandelt er sich in eine Bastion des US-Online-Riesen Amazon? „Bei einem der Interessenten werden Verbindungen zu Amazon unterstellt“, sagt der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsvize Alexander Licht vorsichtig.

Tatsächlich will der Online-Händler in Deutschland auch in der Zustellung Fuß fassen. Aber Belege für ein großes Engagement im Hunsrück finden sich bisher nicht. Kurz vor der Landtagswahl an diesem Sonntag (13.3.) wird der Verkaufsprozess von Spekulationen begleitet. Im Rennen sollen nur noch drei wohl chinesische Investoren sein. Was sagen die verschiedenen Akteure?

Die Opposition sieht den hoch defizitären Airport, der noch zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen gehört, in großer Not. Rot-Grün verschleiere dies vor der Wahl. Licht schätzt die Chancen für einen Verkauf auf 50 zu 50. Einerseits drängten die Chinesen auf den europäischen Markt. „Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass sie alle hohen Belastungen am Hahn übernehmen.“ Also müsse wohl wieder der Steuerzahler bluten. Im Landeshaushalt sind bereits 20,4 Millionen Euro als mögliches Darlehen eingestellt, um die Liquidität zu sichern. Laut Licht ist es aber fraglich, ob die EU-Kommission hier mitspielen würde. Der CDU-Fraktionsvize verweist zudem auf einen Investitionsstau von rund 45 Millionen Euro am Hahn.

Die Landesregierung, die laut den Umfragen wohl abgewählt wird, gibt sich zugleich optimistisch und verschlossen. „Alle drei Angebote beruhen auf nachvollziehbaren Unternehmenskonzepten“, sagte Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) am 25. Februar im Landtag. Alle drei Interessenten wollten den Hahn als Flughafen für Passagiere und Fracht weiterführen. Die langwierigen Verhandlungen seien unter Einbezug der EU-Kommission zwar weit gediehen, hätten aber „keinen strikten Zeitplan“. Details könne er noch nicht nennen.

Strategisch interessant

Auch der scheidende Landtagspräsident Joachim Mertes (SPD) der im Hunsrück wohnt, sagt jetzt der Deutschen Presse-Agentur: „Man sollte erst gackern, wenn das Ei gelegt ist. Der geheime Verkaufsprozess darf nicht mit ausgeplauderten Informationen gefährdet werden. Die Chinesen sind ein Volk von großer Diskretion.“ Der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt mangele es nicht an Kapital. „Wenn ein chinesischer Investor den Flughafen Hahn kaufen würde, wäre das also etwas Selbstverständliches. Geld hat keine Nationalität.“ Der Hahn sei strategisch interessant: „Er hat eine Nachtfluggenehmigung und wird mit dem Ausbau der B50 hervorragend an die Beneluxstaaten mit dem zweitgrößten europäischen Hafen Antwerpen angebunden.“

Wenn die CDU nun nach 25 Jahren wieder die Mainzer Staatskanzlei eroberte, wäre das der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH egal, sagt Airport-Chef Markus Bunk. Auch ein rot-grünes „Wahlüberbrückungsprogramm“, wie es die CDU behaupte, sehe er nicht. Bunk bestätigt, „dass alles darauf hindeutet, dass hier Asiaten zum Zuge kommen“. In China werde 2016 trotz gesunkener Geschäftszahlen ein Wirtschaftswachstum von rund sieben Prozent erwartet. „Ich habe keine Berührungsängste mit Chinesen. Ich empfinde das als aufregend und spannend“, versichert Bunk. Und seine rund 310 Mitarbeiter? „Das ganze Haus ist unruhig und hat Sorgen. Aber alle Investoren setzen auf Wachstum.“ In den vergangenen zwei Jahren seien schon 60 bis 80 Stellen an dem einstigen US-Fliegerhorst abgebaut worden.

Wie sieht die jüngste Statistik aus? Das Frachtgeschäft ist laut dem Flughafenverband ADV im Januar 2016 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 36 Prozent auf 5280 Tonnen abgestürzt. Bei den Passagieren ist der Hahn mit einem Plus von elf Prozent auf 167 200 Fluggäste im Aufwind. Neu sind in diesem Jahr 25 Zubringerflüge eines Unternehmens für Kreuzfahrten. Auch Pauschalreisen kommen wieder ins Programm.

Und was sagen die Anwohner im nahen Dorf Lautzenhausen? „Es kann nur besser werden, wenn der Hahn in private Hand kommt“, meint Hotelier Walter Hitthaler. Asiatische Gäste seien ihm willkommen: „Dann lernen wir ein bisschen chinesisch.“ Schon jetzt verspeisten Mitarbeiter der japanischen Airline Nippon Cargo bei ihm gerne Pizza und Bratwürste. Auch Melvyn Becker, der ein Geschäft mit Autoteilen betreibt, könnte sich neue Kunden vorstellen, „weil die Chinesen den Frachtbereich ausbauen wollen“. Noch sei der Hahn-Verkauf aber nicht unter Dach und Fach. Ein paar Häuser weiter kritisiert Doris Hof, dass Anwohner ihre Gärten als Autostellplatz für Passagiere vermieten: „Früher haben wir in einem Dorf gewohnt, jetzt wohnen wir auf einem Parkplatz.“ (dpa)

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