Foodwatch kritisiert die Spekulation mit Agrarrohstoffen und fordert eine Regulierung. Die Verbraucherorganisation ist sicher, dass die Wetten auf Mais, Soja und Weizen die Preise in die Höhe treiben.
Reis-Händler in Bangalore.
Foto: AFP
Reis-Händler in Bangalore.
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Für Foodwatch ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ein „Hungermacher“. So jedenfalls ist die aktuelle Studie der Verbraucherorganisation über Spekulation mit Agrarrohstoffen überschrieben, in der Ackermann stellvertretend für die Zunft der Investmentbanker frontal angegangen wird. Als Chef eines der größten Institute und Vorsitzender des Weltbankenverbandes IIF trage Ackermann „persönlich Mitschuld daran, dass Menschen in den ärmsten Ländern Hunger leiden und daran sterben“, sagte Foodwatch-Chef Thilo Bode am Dienstag bei der Vorstellung des Reports in Berlin.
Die vom Wissenschaftsjournalisten und Buchautor Harald Schumann für Foodwatch erstellte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Investmenthäuser wie die Deutsche Bank und Goldman Sachs sowie die Verwalter von Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen durch ihre Wetten auf Mais, Soja und Weizen die Preise treiben. „Die These der Finanzindustrie, dass Spekulation keinen Einfluss auf die Preise hat, ist nicht zu halten“, sagte Schumann.
Die dreistesten Mogel-Lebensmittel
Bildergalerie ( 22 Bilder )
Die dreistesten Mogel-Lebensmittel
Glaubt man dem Hersteller Nestlé, bieten Fitness Fruits eine "leichte" und "ausgewogene" Ernährung, die zur "Wunschfigur" verhilft. Tatsächlich bestehen die Frühstücksflocken zu einem Drittel aus Zucker und machen auf Dauer eher dick als fit.
Foto: Foodwatch
Capri-Sonne wird als "sportliches Getränk" mit "gesunden Früchten" verkauft. Eine gute Wahl für Kinder, sollte man meinen. Tatsächlich liegt der Fruchtgehalt bei gerade mal 12 Prozent, der Rest sind Wasser, Aromastoffe - und ganz unsportlich viel Zucker.
Foto: Foodwatch
Laut Danone ist Actimel ein besonderer Joghurt-Drink, der das Immun-System "aktiviert" und "wetterfest" macht. Tatsächlich "aktiviert" Actimel das Immunsystem nicht mehr als herkömmliche Naturjoghurts, ist aber viermal so teuer und enthält doppelt so viel Zucker. Wissenschaftliche Belege für den Schutz vor Erkältungen gibt es nicht.
Foto: Foodwatch
Der Gelbe Zitrone Physalis von Pfanner präsentiert sich als perfekter Wellness-Drink: mit leuchtenden Physalis auf der Packung und dem hochwertigen gelben Tee im Namen. In Wirklichkeit enthält der Drink so wenig von der köstlichen Frucht, dass sie noch nicht einmal als Inhaltsstoff deklariert werden muss, und der gelbe Tee macht gerade mal 15 Prozent der Flüssigkeit aus. Der Rest sind viele Aromastoff und insgesamt 44 Stücke Würfelzucker auf zwei Liter.
Foto: Foodwatch
"Enthält Schokolade mit 75 Prozent Kakao" verspricht Dr. Oetker auf seinem Schoko-Pudding Pur Crema Choc. Das ist nicht gelogen. Nur leider enthält das Dessert insgesamt nur 2,5 Prozent Schokolade - was einem Kakaoanteil von ganzen 1,875 Prozent.
Foto: Foodwatch
Das Bertolli Pesto Verde von Unilever nach "original italienischer Rezeptur" enthält angeblich nur "beste Zutaten" wie "feinstes Bertolli Olivenöl" und Pinienkerne. Tatsächlich ist nur ein Fingerhut Olivenöl drin und kaukm Pinienkerne. Stattdessen werden vor allem Billigzutaten wie "pflanzliches Öl", Cashewnüsse und Aromastoffe eingesetzt.
Foto: Foodwatch
Lecker sieht er aus, der Philadelphia alla Pesto verde & Tomate, mit den frischen Zutaten auf der Verpackung und dem Versprechen von "sonnengereiften Tomaten". Die sind tatsächlich drin - genau 0,4 Prozent der Frischkäsezubereitung machen sie aus. Statt Pesto enthält das Produkt aus dem Hause Kraft eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung - und jede Menge Zusatzstoffe.
Foto: Foodwatch
"Schmeckt leicht, belastet nicht" bewirbt Ferroro seine Milchschnitte - und drückt die "ideale" Zwischenmahlzeit gerne werbewirksam prominenten Sportlern in die Hand. In Wahrheit besteht das Schnittchen zu 60 Prozent aus Fett und Zucker - und haut damit mehr rein als manche Schoko-Sahnetorte.
Foto: Foodwatch
Rama Cremefine will mit 11 Prozent weniger Fett als herkömmliche Schlagsahne ein Produkt für die "leichte Küche" sein. Dabei enthält das künstliche Lebensmittel viele gesättigte Fettsäuren - "schlechtes Fett" wie Rama selbst es nennt. Und kostet dabei noch doppelt so viel wie normale Schlagsahne.
Foto: Foodwatch
Wasabi Erdnüsse von The Lorenz Bahlsen Snack-World. Was fehlt: Wasabi (japanischer Meerrettich). Als Ersatz werden minderwertige Zutaten für den Geschmack verwendet - etwa Spirulina-Konzentrat (Algenkonzentrat), Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Bei den Mini Keks Bolden "Schoko" (Hersteller: Biscuits Delacre) vermissen wir die Schokoladenfüllung im Keks. Stattdessen müssen wir billigen Ersatz essen - Kakaocremefüllung mit Schokoladenimitat, unter anderem aus fettarmem Kakaopulver (3,7%), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt (Verpackung von 2009).
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Beim Combi Weiß in Salzlake, 50 Prozent Fett, (Hersteller: Efe Firat Feinkost) fehlt echter Schafskäse aus Schafsmilch. Stattdessen findet sich in der Dose billiger Ersatz durch Analogkäse, der wie Schafskäse aussieht. Er enthält billiges Pflanzenfett statt Milchfett und Magermilch aus Kuhmilch statt Schafsmilch. Restaurants und Imbissbuden verwenden dieses Käseimitat gerne - und verkaufen es als Schafskäse.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Bei der Surimi-Garnele (loser Verkauf) handelt es sich um gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform. Es gibt täuschend echte Garnelenimitate, in denen Fischeiweiß steckt, das nicht anders verwertbar ist. Zudem Geschmacksverstärker, Aromen, Farbstoffe und Hühnereiweiß. Guten Appetit!
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Hier zum Vergleich eine echte Garnele. Das Imitat wird immer wieder in Imbissen als "Surimi Garnele, gefangen" bezeichnet, was den Eindruck erwecken soll, es handele sich um echte Garnelen.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Der Meeresfrüchte Cocktail mit Krebsfleischimitat (Einkauf bei Kaufhof). Für 40 Euro das Kilo erwarten wir 100 Prozent Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen oder Tintenfische. Stattdessen wird das Produkt mit billigem Surimi (Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Beim Du darfst Putensalat mit Joghurtdressing (Hersteller: Unilever Deutschland) bekommen wir nicht etwa 100 Prozent Putenfleisch. Stattdessen serviert uns der Hersteller zusammengefügte Fleischreste. Zum gewachsenem Putenfleisch kommen Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Im Fol Epi Nuss von Fromageries Rambol gibt es statt 100 Prozent Käse billigen Schmelzkäse. Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt - was bei Käse nicht erlaubt ist. Die Scheiben aus Schmelzkäse sind leicht mit echtem Schnittkäse verwechselbar.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Im Mucci Vanilleeis (Aldi Nord) muss der Verbraucher echte Vanille und 100 Prozent Milchfett vermissen. Stattdessen billiger Ersatz durch überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett, wie die Stiftung Warentest ermittelt hat.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Die Hähnchenschnitten Wiener Art von Vossko-Tiefkühlkost enthalten keine Hähnchenschnitzel aus einem Stück gewachsenem Fleisch. Stattdessen wird billiger Ersatz durch Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch verkauft.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Wer bei den Bio-Vollkorn-Toastbrötchen (Hersteller: Proback, Aldi Nord) denkt, hier handelt es sich um Vollkorntoast-Brötchen aus Vollkornmehl, irrt. Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck verlangt sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten. Gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Was liegt auf Ihrem Teller - Original oder Fälschung? Das ist, wie hier bei Garnelen, nicht immer leicht zu erkennen. Lebensmittelkonzerne nutzen das aus. Sehen Sie die größten Mogel-Lebensmittel - zusammengestellt von der Verbraucherzentrale Hamburg und von Foodwatch.
Foto:
Kraus
Fotostrecken Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Stuttgart 21
Fotostrecken Wirtschaft
Schuldenkrise
Schuldenkrise
Goldener Windbeutel
Bildergalerie ( 17 Bilder )
„Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch“, behauptet Hersteller Ferrero – und unterstreicht die Botschaft mit allerlei
Spitzensportlern in den Werbekampagnen ...
Foto: Foodwatch
... die Wahrheit jedoch ist deutlich schwerer: Die Milchschnitte besteht zu fast 60 Prozent aus
Fett und Zucker, das ist sogar mehr als in einem Stück Schoko-Sahnetorte.
Foto: Foodwatch
118.000 Personen haben sich an der Abstimmung im Internet beteiligt.
Foto: Foodwatch
Direkt nach der Milchschnitte landete Activia von Danone auf Platz zwei. Nimm2 landete auf Platz drei. Ferdi Fuchs Mini-Würstchen auf Platz vier. Das Schlemmertöpfchen Feine Gürkchen auf Platz fünf.
Foto: Foodwatch
Der Nimm2-Hersteller Storck suggeriert, dass seine Bonbons gesünder sind als andere Süßigkeiten…
Foto: Foodwatch
... doch der zugesetzte künstliche Vitamincocktail kann nichts daran ändern: Nimm2 ist nicht
gesünder als andere Bonbons, es bleibt ganz einfach eine Süßigkeit.
Foto: Foodwatch
Hersteller Kühne betont in der Werbung für das Schlemmertöpfchen Feine Gürkchen: die „besten natürlichen Zutaten“, die „erlesenen Kräuter“ und eine Tradition „seit
1722“. Echte Handwerkskunst also? Von wegen…
Foto: Foodwatch
... denn drin stecken Farbstoff und Aromen – modernste Lebensmitteltechnologie also.
Foto: Foodwatch
Mit einem Comic-Fuchs lockt Stockmeyer die Kinder, die Eltern ködert
der Hersteller der „Ferdi Fuchs“-Mini-Würstchen mit dem Hinweis auf einen „täglichen Beitrag
für die gesunde Ernährung“ ...
Foto: Foodwatch
... doch der Salzgehalt ist alles andere als auf die Ernährungsbedürfnisse von Kindern
abgestimmt. 2 Gramm Salz pro 100 Gramm – bei der Ampelkennzeichnung würde das mit
einem roten Warnsignal gekennzeichnet. Ehrlicher wäre es, von einem „täglichen Beitrag zum
späteren Bluthochdruck“ zu sprechen.
Foto: Foodwatch
Activia von Danone suggeriert in seiner Werbung, sein probiotischer Joghurt
sei so etwas wie ein Wundermittel für die perfekte Verdauung ...
Foto: Foodwatch
... doch die Ergebnisse der von Danone viel zitierten Studien sind dünn. Activia ist zwar teuer,
mal eben die Verdauung regulieren kann es aber nicht.
Foto: Foodwatch
Bei der ersten Wahl zum Goldenen Windbeutel 2009 hatte der Konzern Danone für seinen
Trinkjoghurt Actimel gewonnen, weil der – anders als in der Werbung suggeriert –
nicht vor Erkältungen schützen kann…
Foto: Foodwatch
... als foodwatch-Aktivisten den Preis vor der Firmenzentrale in Haar bei München überreichen
wollten, war Danone jedoch nicht zu sprechen.
Foto: Foodwatch
2010 kürten die Verbraucher den überzuckerten Monte Drink der Molkerei Zott zur dreistesten
Werbelüge des Jahres. Mehr als 80.000 hatten sich bei der Online-Wahl beteiligt…
Foto: Foodwatch
... doch auch Zott verweigerte die Annahme des „Goldenen Windbeutel“ und stand foodwatch-
Aktivisten am Firmensitz im bayerischen Mertingen nicht für ein Gespräch zur Verfügung.
Foto: Foodwatch
Die Auszeichnung "Goldener Windbeutel" für die dreisteste Werbelüge ging in diesem Jahr an die Milchschnitte.
Foto: Foodwatch
Fotostrecken Wirtschaft
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Stuttgart 21
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Schuldenkrise
Schuldenkrise
Spekulationen mit Agrar-Rohstoffen ist lauf Foodwatch mitverantwortlich für die Hungersnöte in der Dritten Welt.
Foto: dpa
Spekulationen mit Agrar-Rohstoffen ist lauf Foodwatch mitverantwortlich für die Hungersnöte in der Dritten Welt.
Foto: dpa
Sinn der Wetten, so Studienautor Schumann, sei es ursprünglich gewesen, Händler gegen Preisschwankungen abzusichern. Bei dieser „nützlichen Spekulation“ schließen zum Beispiel Agrarhändler Verträge (Futures) über Warenlieferungen zu einem festen Preis und einem festen Termin in der Zukunft ab – was der Planungssicherheit dient. Bis zur Jahrtausendwende wurde das Gros solcher Future-Verträge von Produzenten und Verarbeitern geschlossen. Doch nach dem Platzen der Dotcom-Blase entdeckten Banken die spekulativen Rohstoff-Papiere als sichere Anlage. Die Deregulierung der Finanzmärkte machte den Rohstoff-Handel auch für institutionelle Anleger lukrativ, die kein Interesse an der Preisstabilität im physischen Handel haben, sondern vor allem auf langfristige Renditen aus sind.
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Das mittlerweile erreichte Ausmaß dieser „legalisierten Preistreiberei“ belegt Foodwatch mit Zahlen von der Chicagoer Börse (CBOT): Lag der Anteil der rein zu spekulativen Zwecken gehaltenen Weizen-Kontrakten an der CBOT bis 1999 bei 20 bis 30 Prozent, so sind es heute bis zu 80 Prozent. Dabei sei die Zahl der gehandelten Futures völlig unabhängig von der verfügbaren Menge der physischen Ware und überschreite diese oft um ein Vielfaches. Für Schumann ist es eindeutig belegbar, dass die Future-Preise für eine nur virtuelle Lieferung die Tarife auf den Spotmärkten beeinflussen, wo die Rohstoffe tatsächlich gehandelt werden.
Die dreistesten Mogel-Lebensmittel
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Die dreistesten Mogel-Lebensmittel
Glaubt man dem Hersteller Nestlé, bieten Fitness Fruits eine "leichte" und "ausgewogene" Ernährung, die zur "Wunschfigur" verhilft. Tatsächlich bestehen die Frühstücksflocken zu einem Drittel aus Zucker und machen auf Dauer eher dick als fit.
Foto: Foodwatch
Capri-Sonne wird als "sportliches Getränk" mit "gesunden Früchten" verkauft. Eine gute Wahl für Kinder, sollte man meinen. Tatsächlich liegt der Fruchtgehalt bei gerade mal 12 Prozent, der Rest sind Wasser, Aromastoffe - und ganz unsportlich viel Zucker.
Foto: Foodwatch
Laut Danone ist Actimel ein besonderer Joghurt-Drink, der das Immun-System "aktiviert" und "wetterfest" macht. Tatsächlich "aktiviert" Actimel das Immunsystem nicht mehr als herkömmliche Naturjoghurts, ist aber viermal so teuer und enthält doppelt so viel Zucker. Wissenschaftliche Belege für den Schutz vor Erkältungen gibt es nicht.
Foto: Foodwatch
Der Gelbe Zitrone Physalis von Pfanner präsentiert sich als perfekter Wellness-Drink: mit leuchtenden Physalis auf der Packung und dem hochwertigen gelben Tee im Namen. In Wirklichkeit enthält der Drink so wenig von der köstlichen Frucht, dass sie noch nicht einmal als Inhaltsstoff deklariert werden muss, und der gelbe Tee macht gerade mal 15 Prozent der Flüssigkeit aus. Der Rest sind viele Aromastoff und insgesamt 44 Stücke Würfelzucker auf zwei Liter.
Foto: Foodwatch
"Enthält Schokolade mit 75 Prozent Kakao" verspricht Dr. Oetker auf seinem Schoko-Pudding Pur Crema Choc. Das ist nicht gelogen. Nur leider enthält das Dessert insgesamt nur 2,5 Prozent Schokolade - was einem Kakaoanteil von ganzen 1,875 Prozent.
Foto: Foodwatch
Das Bertolli Pesto Verde von Unilever nach "original italienischer Rezeptur" enthält angeblich nur "beste Zutaten" wie "feinstes Bertolli Olivenöl" und Pinienkerne. Tatsächlich ist nur ein Fingerhut Olivenöl drin und kaukm Pinienkerne. Stattdessen werden vor allem Billigzutaten wie "pflanzliches Öl", Cashewnüsse und Aromastoffe eingesetzt.
Foto: Foodwatch
Lecker sieht er aus, der Philadelphia alla Pesto verde & Tomate, mit den frischen Zutaten auf der Verpackung und dem Versprechen von "sonnengereiften Tomaten". Die sind tatsächlich drin - genau 0,4 Prozent der Frischkäsezubereitung machen sie aus. Statt Pesto enthält das Produkt aus dem Hause Kraft eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung - und jede Menge Zusatzstoffe.
Foto: Foodwatch
"Schmeckt leicht, belastet nicht" bewirbt Ferroro seine Milchschnitte - und drückt die "ideale" Zwischenmahlzeit gerne werbewirksam prominenten Sportlern in die Hand. In Wahrheit besteht das Schnittchen zu 60 Prozent aus Fett und Zucker - und haut damit mehr rein als manche Schoko-Sahnetorte.
Foto: Foodwatch
Rama Cremefine will mit 11 Prozent weniger Fett als herkömmliche Schlagsahne ein Produkt für die "leichte Küche" sein. Dabei enthält das künstliche Lebensmittel viele gesättigte Fettsäuren - "schlechtes Fett" wie Rama selbst es nennt. Und kostet dabei noch doppelt so viel wie normale Schlagsahne.
Foto: Foodwatch
Wasabi Erdnüsse von The Lorenz Bahlsen Snack-World. Was fehlt: Wasabi (japanischer Meerrettich). Als Ersatz werden minderwertige Zutaten für den Geschmack verwendet - etwa Spirulina-Konzentrat (Algenkonzentrat), Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Bei den Mini Keks Bolden "Schoko" (Hersteller: Biscuits Delacre) vermissen wir die Schokoladenfüllung im Keks. Stattdessen müssen wir billigen Ersatz essen - Kakaocremefüllung mit Schokoladenimitat, unter anderem aus fettarmem Kakaopulver (3,7%), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt (Verpackung von 2009).
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Beim Combi Weiß in Salzlake, 50 Prozent Fett, (Hersteller: Efe Firat Feinkost) fehlt echter Schafskäse aus Schafsmilch. Stattdessen findet sich in der Dose billiger Ersatz durch Analogkäse, der wie Schafskäse aussieht. Er enthält billiges Pflanzenfett statt Milchfett und Magermilch aus Kuhmilch statt Schafsmilch. Restaurants und Imbissbuden verwenden dieses Käseimitat gerne - und verkaufen es als Schafskäse.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Bei der Surimi-Garnele (loser Verkauf) handelt es sich um gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform. Es gibt täuschend echte Garnelenimitate, in denen Fischeiweiß steckt, das nicht anders verwertbar ist. Zudem Geschmacksverstärker, Aromen, Farbstoffe und Hühnereiweiß. Guten Appetit!
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Hier zum Vergleich eine echte Garnele. Das Imitat wird immer wieder in Imbissen als "Surimi Garnele, gefangen" bezeichnet, was den Eindruck erwecken soll, es handele sich um echte Garnelen.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Der Meeresfrüchte Cocktail mit Krebsfleischimitat (Einkauf bei Kaufhof). Für 40 Euro das Kilo erwarten wir 100 Prozent Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen oder Tintenfische. Stattdessen wird das Produkt mit billigem Surimi (Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Beim Du darfst Putensalat mit Joghurtdressing (Hersteller: Unilever Deutschland) bekommen wir nicht etwa 100 Prozent Putenfleisch. Stattdessen serviert uns der Hersteller zusammengefügte Fleischreste. Zum gewachsenem Putenfleisch kommen Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Im Fol Epi Nuss von Fromageries Rambol gibt es statt 100 Prozent Käse billigen Schmelzkäse. Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt - was bei Käse nicht erlaubt ist. Die Scheiben aus Schmelzkäse sind leicht mit echtem Schnittkäse verwechselbar.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Im Mucci Vanilleeis (Aldi Nord) muss der Verbraucher echte Vanille und 100 Prozent Milchfett vermissen. Stattdessen billiger Ersatz durch überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett, wie die Stiftung Warentest ermittelt hat.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Die Hähnchenschnitten Wiener Art von Vossko-Tiefkühlkost enthalten keine Hähnchenschnitzel aus einem Stück gewachsenem Fleisch. Stattdessen wird billiger Ersatz durch Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch verkauft.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
Wer bei den Bio-Vollkorn-Toastbrötchen (Hersteller: Proback, Aldi Nord) denkt, hier handelt es sich um Vollkorntoast-Brötchen aus Vollkornmehl, irrt. Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck verlangt sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten. Gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
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Was liegt auf Ihrem Teller - Original oder Fälschung? Das ist, wie hier bei Garnelen, nicht immer leicht zu erkennen. Lebensmittelkonzerne nutzen das aus. Sehen Sie die größten Mogel-Lebensmittel - zusammengestellt von der Verbraucherzentrale Hamburg und von Foodwatch.
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Kraus
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Stuttgart 21
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Schuldenkrise
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Goldener Windbeutel
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„Schmeckt leicht. Belastet nicht. Ideal für zwischendurch“, behauptet Hersteller Ferrero – und unterstreicht die Botschaft mit allerlei
Spitzensportlern in den Werbekampagnen ...
Foto: Foodwatch
... die Wahrheit jedoch ist deutlich schwerer: Die Milchschnitte besteht zu fast 60 Prozent aus
Fett und Zucker, das ist sogar mehr als in einem Stück Schoko-Sahnetorte.
Foto: Foodwatch
118.000 Personen haben sich an der Abstimmung im Internet beteiligt.
Foto: Foodwatch
Direkt nach der Milchschnitte landete Activia von Danone auf Platz zwei. Nimm2 landete auf Platz drei. Ferdi Fuchs Mini-Würstchen auf Platz vier. Das Schlemmertöpfchen Feine Gürkchen auf Platz fünf.
Foto: Foodwatch
Der Nimm2-Hersteller Storck suggeriert, dass seine Bonbons gesünder sind als andere Süßigkeiten…
Foto: Foodwatch
... doch der zugesetzte künstliche Vitamincocktail kann nichts daran ändern: Nimm2 ist nicht
gesünder als andere Bonbons, es bleibt ganz einfach eine Süßigkeit.
Foto: Foodwatch
Hersteller Kühne betont in der Werbung für das Schlemmertöpfchen Feine Gürkchen: die „besten natürlichen Zutaten“, die „erlesenen Kräuter“ und eine Tradition „seit
1722“. Echte Handwerkskunst also? Von wegen…
Foto: Foodwatch
... denn drin stecken Farbstoff und Aromen – modernste Lebensmitteltechnologie also.
Foto: Foodwatch
Mit einem Comic-Fuchs lockt Stockmeyer die Kinder, die Eltern ködert
der Hersteller der „Ferdi Fuchs“-Mini-Würstchen mit dem Hinweis auf einen „täglichen Beitrag
für die gesunde Ernährung“ ...
Foto: Foodwatch
... doch der Salzgehalt ist alles andere als auf die Ernährungsbedürfnisse von Kindern
abgestimmt. 2 Gramm Salz pro 100 Gramm – bei der Ampelkennzeichnung würde das mit
einem roten Warnsignal gekennzeichnet. Ehrlicher wäre es, von einem „täglichen Beitrag zum
späteren Bluthochdruck“ zu sprechen.
Foto: Foodwatch
Activia von Danone suggeriert in seiner Werbung, sein probiotischer Joghurt
sei so etwas wie ein Wundermittel für die perfekte Verdauung ...
Foto: Foodwatch
... doch die Ergebnisse der von Danone viel zitierten Studien sind dünn. Activia ist zwar teuer,
mal eben die Verdauung regulieren kann es aber nicht.
Foto: Foodwatch
Bei der ersten Wahl zum Goldenen Windbeutel 2009 hatte der Konzern Danone für seinen
Trinkjoghurt Actimel gewonnen, weil der – anders als in der Werbung suggeriert –
nicht vor Erkältungen schützen kann…
Foto: Foodwatch
... als foodwatch-Aktivisten den Preis vor der Firmenzentrale in Haar bei München überreichen
wollten, war Danone jedoch nicht zu sprechen.
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2010 kürten die Verbraucher den überzuckerten Monte Drink der Molkerei Zott zur dreistesten
Werbelüge des Jahres. Mehr als 80.000 hatten sich bei der Online-Wahl beteiligt…
Foto: Foodwatch
... doch auch Zott verweigerte die Annahme des „Goldenen Windbeutel“ und stand foodwatch-
Aktivisten am Firmensitz im bayerischen Mertingen nicht für ein Gespräch zur Verfügung.
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Die Auszeichnung "Goldener Windbeutel" für die dreisteste Werbelüge ging in diesem Jahr an die Milchschnitte.
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„Eine Preiserhöhung um nur wenige Prozent entscheidet über Leben und Tod“, sagte Bode. Da die Menschen in den ärmsten Ländern bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aufwenden müssten, hätten Preissteigerungen oft schnell fatale Folgen. Der Foodwatch-Chef zitierte eine Weltbank-Studie, nach der während der Hochpreisphase 2007/2008 weltweit rund 100 Millionen mehr zusätzlich an Hunger leiden mussten.
Zockerei im Rohstoff-Kasino
In einem Offenen Brief fordert Foodwatch deshalb Deutsche-Bank-Chef Ackermann auf, sich nicht länger einer effektiven staatlichen Regulierung der Spekulation mit Nahrungsmitteln zu widersetzen, sondern sie aktiv zu unterstützen. Das Frankfurter Institut selbst solle beispielhaft vorangehen und in ihren Fonds auf jeglichen Handel mit Agrarrohstoffen verzichten.
Foodwatch bezieht sich dabei auf ein Versprechen der Deutschen Bank selbst. Im Bericht des Instituts über „gesellschaftliche Verantwortung“ heißt es, das Geldhaus wolle „ökologisch und sozial möglichst verantwortlich“ handeln. Doch dieser hehre Anspruch, so der Offene Brief, stehe bislang in krassem Gegensatz zur Geschäftspolitik der Bank.
Auch an die europäischen Regierungen adressiert Foodwatch Forderungen. „Die Zockerei im Rohstoff-Kasino muss durch Spielregeln eingedämmt werden“, sagte Bode. Doch anstatt einzuschreiten, gäbe die Politik nur den „Tanzbären der Banken“. Das Verhalten von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nannte er jämmerlich. Ihre Forderungen nach Eindämmung der Spekulation habe sie, wohl nach Einflüsterungen der Agrarlobby, immer weiter abgeschwächt.
Abhilfe kann nach Ansicht von Foodwatch nur ein Ausschluss institutioneller Investoren von Rohstoffgeschäften schaffen. Die Verbraucherorganisation macht sich zudem dafür stark, Publikumsfonds für Agrar- und Energierohstoffe zu verbieten.
Die Deutsche Bank zeigte sich zumindest am Dienstag nicht einsichtig. Preissteigerungen bei Agrarrohstoffen, so das Institut, seien vor allem auf Wetterereignisse, die steigende Nachfrage aus den Schwellenländern sowie den wachsenden Bedarf an Biodiesel zurückzuführen.
Foodwatch indes will den Druck auf das Institut jetzt erhöhen. Verbraucher können sich mit einer E-Mail an der Kampagne „Hände weg vom Acker, Mann“ beteiligen.