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24. Oktober 2012

Ford in Europa: Ford-Werk in Belgien wird geschlossen

Trauer in Genk: Trotz Lohnverzichts verlieren rund 4.300 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.  Foto: dapd

Nach General Motors in Antwerpen schließt Ford sein Werk in Genk. Der US-Autobauer will seine Produktion in Europa nun komplett umkrempeln.

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Es mögen vielleicht 100 Arbeiter sein, die am Mittwochmittag ratlos vor der improvisierten Mahnwache am Tor des Ford-Werks im belgischen Genk stehen. Es ist still, verdammt still. Ein paar Transparente, keine lautstarken Proteste, Gewerkschaftsfahnen hängen schlaff herunter. Dass hier vor drei Stunden 4300 Jobs vernichtet wurden, ist in den Köpfen der Menschen noch gar nicht richtig angekommen. Ende 2014 sollen die Bänder, auf denen Mondeo, S-Max und Galaxy produziert werden, abgeschaltet werden. Für immer.

Geschäftsführung ändert Meinung

Natürlich haben die Leute hier die Schließungsgerüchte der letzten Tage mitbekommen, doch haben sie der Zusage der Geschäftsführung vertraut. Der Standort Genk stehe nicht zur Disposition, hatte Ford-Europachef Stephen Odell noch vor fünf Wochen versprochen. „Ich habe ihm in die Augen geschaut. Ja, alles laufe wie geplant, hatte er gesagt. Wir bekommen den neuen Mondeo“, erzählt Rohnny Champagne, Präsident der Gewerkschaft ABVV Metaal in der Region Limburg.

Am Mittwochmorgen war er dann dabei, als Werkschef Philippe Verbeeck und Personalvorstand Dirk Cattoir das Schließungsschreiben des Europa-Managements verlasen. Drei Namensschilder hätten vor drei Stühlen gestanden, die leer geblieben seien: Stephen Odell, Jeff Wood, Nick Caton, Spitzenmanager von Ford Europa. „Die haben nicht einmal den Mumm, uns das persönlich ins Gesicht zu sagen“, sagt Champagne.

Um ihre Jobs gebangt haben die 4300 Ford-Werker und die 5000 Beschäftigten, die in der Zulieferindustrie arbeiten, schon seit 2003. Damals wurde die Produktion des Transporters Transit in die Türkei verlagert. Drei Jahre später stellte man Genk die Focus-Fertigung in Aussicht, woraus nichts wurde. Jetzt habe man sich voll auf den wegen der Absatzkrise verschobenen Produktionsstart des neuen Mondeo verlassen. Das war gestern. „Unser Werk ist Geschichte“, sagt Ford-Werker Alfons Thijs. Das Werk in Genk ist nur zu zwei Dritteln ausgelastet.

Produktion geht nach Valencia

Künftig soll die Produktion der Modelle Mondeo, S-Max und Galaxy nach Valencia in Spanien verlagert werden. Experten schätzen, dass Ford durch die Aufgabe des Standorts Genk jährlich rund 500 Millionen Dollar einsparen wird, die der US-Hersteller gebrauchen kann. Denn in diesem Jahr wird der Ford-Konzern in Europa einen Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar einfahren.

Das Ford-Werk im Saarland wird von dem Aus für Genk profitieren, da die Fertigung des C-Max von Spanien nach Saarlouis verlagert wird. Auf Köln hat die Schließung keine Auswirkungen, wenngleich auch die Fiesta-Produktion dort nicht ausgelastet ist und die B-Max-Fertigung teils an ein Werk in Rumänien verloren wurde.
Mit der Schließung des Werks in Genk verliert Belgien ein Drittel seiner gesamten Autoproduktion. Knapp 44 Millionen Euro haben die flämischen Behörden dem Autobauer vor zwei Jahren zugesichert, damit Genk erhalten bleibt. „Im Oktober 2010 haben wir einen millionenschweren Deal unterzeichnet“, sagt der flämische Ministerpräsident Kris Peeters. „Und jetzt sagen sie: „Okay, lasst uns Genk dicht machen.“

Auch bei den Gewerkschaftsvertretern, die in ihrer Hilfslosigkeit damit beginnen, vor der Mahnwache belegte Baguettes zu verteilen, sieht man keine Chance, zu einer verträglichen Lösung zu kommen. Im Gegenteil: Der Schließung in Genk könnte noch in dieser Woche in Europa ein zweites Ford-Werk folgen. Im englischen Southampton steht das Transit-Werk auf der Kippe. Die Fertigung könnte komplett in die Türkei verlagert werden. Für diesen Donnerstag hat der Ford ein Krisentreffen mit britischen Gewerkschaftern bei London angekündigt. Das verheißt nichts Gutes.

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