Herr Naumann, ist der Schritt, annähernd 70 ICE T Züge von einer Minute auf die andere aus dem Verkehr zu ziehen, richtig?
Aus unserer Sicht auf jeden Fall in Sinne der Sicherheit von uns Fahrgästen. Wenn es da Zweifel an der Zuverlässigkleit der Züge gibt, dann muss die Bahn sich das intensiv angucken und handeln, bevor ein Zug mit Menschen entgleist.
Hätte dieser Schritt nicht unmittelbar nach dem Entdecken des Zwei-Millimeter-Risses geschehen müssen?
Soweit wir wissen, hat die Bahn zunächst mit der Industrie über dieses Thema gesprochen. Und erst als die keine Garantie abgeben wollte, hat sie sich zu diesem Schritt entschlossen. Es gibt seit langem Zerwürfnisse zwischen den Bahn und der Industrie, weil die Züge abliefert, die nicht richtig funktionieren.
Spielen bei dem jetzigen Schritt, unter dem ja gerade auch die Passagiere leiden, auch Regressforderungen eine Rolle?
Ich weiß nicht, ob die Regressforderungen im Hintergrund stehen, aber das ist durchaus vorstellbar.
Hat die Bahn zu wenig Ersatzzüge? Das heißt, ist das Unternehmen zu wenig auf extreme Situationen vorbereitet?
Es gibt kaum Ersatzzüge, das stimmt. Das ist letztlich aber eine Vorgabe der Politik. Die sagt: Ihr sollt wirtschaftlich handeln. Luftfahrtgesellschaften leihen sich Maschinen von anderen Gesellschaften. Das geht bei der Bahn nicht so ohne weiteres, auch weil die Fahrzeuge unterschiedlich sind. Wir treten dafür ein, dass man für diesen Fall eine nationale Zug-Reserve aufbaut. Züge aus diesem Kontingent könnten dann an die Eisenbahnunternehmen ausgeliehen werden, und zwar nicht nur an die Deutsche Bahn, sondern auch an Privatbahnen.
Werden die Bahnreisenden derzeit ausreichend über die momentane Situation informiert?
Ein klares Jein. Auf der Homepage der Deutschen Bahn ist die Lage sehr gut beschrieben, geht man ins Detail, sieht es schlechter aus. Da fehlen Informationen über Züge, die tatsächlich ausfallen, und es fehlen Hinweise auf Ersatzzüge. Eine Planung ist so leider nicht mehr richtig möglich.
Interview: Stephan Börnecke
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