Jetzt lehnen Sie sich aber weit aus dem Fenster. E-Plus gilt als der Mobilfunker mit dem löchrigsten Netz.
Warten wir mal ab, was da noch kommt. Wir investieren derzeit massiv in unser Netz. Wir sind aber mit unseren Marken nicht der Anbieter für die Innovatoren, die immer das Neueste als Erste haben wollen, egal was es kostet. Wir sind die Experten dafür, Geräte und Dienste massenmarktfähig zu machen. Denn wir als E-Plus müssen schlauer als die Großen sein. Das haben wir in der Vergangenheit oft genug bewiesen.
Fragt sich nur, ob sich das in der Zukunft wiederholen lässt. Bei der Auktion der neuen Mobilfunkfrequenzen im Mai 2010 hat E-Plus keine der wirklich lukrativen Frequenzen ersteigert, die schnelles Internet in ländlichen Regionen ermöglichen.
Sie machen den gleichen Fehler wie viele andere. Die besagten Frequenzen sind vor allem nützlich, um ländliche Gebiete zu versorgen, da eine Antenne eine große Fläche abdeckt. Unser Ziel ist es aber nicht, als erster in das letzte Dorf Breitband zu bringen. Es ist extrem schwer, daraus ein profitables Geschäft zu machen. Aber auch dafür haben wir Ideen und Initiativen gestartet. Mobiles Breitband in Ballungsregionen ist hingegen extrem lukrativ. Da sind wir immens aktiv.
Aber dort ist auch der Wettbewerb am härtesten.
Worum geht es? Es geht darum, eine Infrastruktur für das mobile Internet aufzubauen. Und zu diesem Ziel gibt es verschiedene Wege. Wir verkaufen derzeit über Base überaus erfolgreich Smartphones inklusive einer günstigen Datenflatrate. Das erschließt den Markt fürs mobile Internet. Unser Weg funktioniert also.
Planen Sie da weitere Preissenkungen?
Es geht nicht nur über den Preis. Wir werden die Auswahl der Geräte noch erhöhen. Wir werden das auch für Tablet-PC anbieten. Wenn der Kunde es will, werden wir ihm so ziemlich jedes Gerät in einem solchen Preismodell anbieten.
Das hört sich so an, als gäbe es im Mobilfunkgeschäft einen beinahe idealen Markt.
Dem ist leider nicht so. Es wird vielmehr höchste Zeit, dass der Regulierer seiner Verpflichtung nachkommt und den Geburtsfehler des Mobilfunks in Deutschland beseitigt.
Das müssen Sie erläutern.
Der Regulierer hat der Telekom und Mannesmann, heute Vodafone, einst großzügig kostenlos extrem attraktive Sendefrequenzen zugeteilt. Das war noch bevor E-Plus überhaupt am Markt war.
Welche Folgen hatte dieser Geburtsfehler aus Ihrer Sicht?
Mit dem Wettbewerbsvorteil der Frequenzen haben die beiden Unternehmen mehr als anderthalb Jahrzehnte lang viel Geld verdient. Die daraus resultierende Marktdominanz verhindert günstigere Preise für die Konsumenten. Denn die Bundesnetzagentur scheut sich leider bislang viel zu oft, für nachhaltigen Wettbewerb zu sorgen. Ein Regulierer muss den Großen aber auch einmal vors Schienbein treten und konsequent seine Rolle als Anwalt des Verbrauchers wahrnehmen. In anderen europäischen Ländern sind ähnliche Ungleichgewichte längst beseitigt.
Was fordern Sie konkret?
Der Geburtsfehler muss jetzt korrigiert werden. Es gibt nicht nur den einen Weg zum mobilen Internet für alle. Die Netzagentur muss die Telekom und Vodafone zwingen, einen Teil der einst geschenkten Frequenzen, die sich enorm gut fürs mobile Internet eignen, an E-Plus und O2 gerecht umzuverteilen. Wir wollen das aber nicht umsonst, sondern sind bereit, im Gegenzug andere Frequenzen mit weniger Reichweite den beiden Großen zu überlassen.
Ist dieser staatliche Eingriff wirklich nötig? E-Plus verdient doch kräftig, erzielt im Verhältnis zum Umsatz vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen eine Gewinnmarge von 43 Prozent. Von solchen Spannen können andere Branchen nur träumen.
Sie dürfen aber nicht vergessen, dass wir eine extrem investitionsintensive Branche sind. Einzelhändler etwa haben weit geringere Investitionssummen.
Gleichwohl sind Mobilfunk-Tarife noch immer erheblich höher als im Festnetz. Die Gebühren sind doch immer noch überzogen?
Wir haben den Mobilfunk demokratisiert. Durch die Einführung unserer Marke Simyo sind die Preise gepurzelt. Vor der Einführung von Simyo 2005 mussten sie im Pre-Paid-Bereich mehr als 35 Cent pro Minute zahlen. Heute sind es weniger als zehn Cent.
Werden die Preise dennoch weiter fallen?
Der Regulierer hat ja kürzlich die Entgelte, mit denen die deutschen Mobilfunker untereinander die Weiterleitung von Gesprächen verrechnen, deutlich gesenkt. Die EU will, dass diese Entgelte noch weiter reduziert werden. Eine Absenkung von Endkundenpreisen ist nun zwar theoretisch denkbar. Fraglich ist aber, was sie den Unternehmen bringen würde.
Warum?
Wenn der erste Anbieter um einen Cent senkt, ziehen die anderen erfahrungsgemäß schnell nach. Ergebnis: Ein paar hunderttausend Kunden wechseln hin und her. Keiner der vier Netzbetreiber gewinnt aber groß Marktanteile.
Ein weiteres Ärgernis sind die enorm hohen Auslandsgebühren, die technisch überhaupt nicht zu rechtfertigen sind.
Sie haben Recht. Die EU ist da dran. Ich bin für eine Regulierung zur Förderung des Wettbewerbs, aber nicht wie bislang mit einem maximal zulässigen Preisdiktat für Endkunden.
Warum? Ein Maximalpreis für alle ist doch verbraucherfreundlich.
Eben nicht. Ein maximaler Endkundenpreis gibt zwar den Nutzern Sicherheit. Aber die Großhandelspreise für grenzüberschreitende Gespräche, die die Mobilfunker untereinander aushandeln, sind der entscheidendere Hebel für Wettbewerb. Aber da haben die multinationalen, meistens ehemals staatlichen Konzerne eine erhebliche bessere Verhandlungsposition. Ich fordere deshalb eine deutlich schärfere Regulierung dieser Großhandelspreise. Das fördert den Wettbewerb. Denn dann kann ich als E-Plus bei Mobilfunkern im Ausland billig einkaufen und diese Preise an meine Kunden weitergeben. Das wäre ein weiteres Stück zur Demokratisierung des Mobilfunks zugunsten der Verbraucher.
Interview: Frank-Thomas Wenzel
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