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Versicherungs-Check: Fragwürdige Empfehlungen

Vergleichsportale im Internet geben sich unabhängig - doch gelistet wird nur, wer dafür auch bezahlt. Sonst tauchen auch große Versicherungen im Vergleich erst gar nicht auf.

Screenshot des Vergleichsportals Check2
Screenshot des Vergleichsportals Check2
Frankfurt –  

Versicherungen, Kredite, Sparzinsen, Energie: Millionen Menschen sind auf Preisvergleichsportalen im Internet unterwegs. Sie suchen im Dickicht dutzender Anbieter nach günstigen Konditionen. Was den wenigsten bekannt ist: Um unabhängige Vergleiche handelt es sich in der Regel nicht. Denn oftmals erscheint in den Listen nur der, der bezahlt – zum Schaden der Verbraucher.

Prominentestes Beispiel ist das Vergleichsportal Check24, das nach eigenen Angaben mehr als 50 Prozent Marktanteil bei den Vergleichsportalen für Kfz-Versicherungen hat. Auf seiner Startseite warb Check24 gestern damit, aus „allen namhaften Versicherungsgesellschaften“ den günstigsten Anbieter für eine Kfz-Police ausfindig zu machen. Die Aussage ist falsch. So fehlt ausgerechnet der Marktführer HUK Coburg im Vergleich. Ein Check24-Sprecher sagte auf Nachfrage, es würden nur 70 von rund 100 Anbietern berücksichtigt, dies gehe auch aus einer Liste hervor, die auf der Internetseite abzurufen sei – diese ist allerdings erst mit mehreren Klicks zu erreichen. Nach der Anfrage dieser Zeitung änderte Check24 seine Startseite und schreibt nun von „vielen“ statt „allen“ Versicherungen.

Auch der Tagesgeld-Vergleich bei Check24 verdient seinen Namen nicht: Lediglich 14 Bankangebote sind berücksichtigt, ein Bruchteil der nationalen Anbieter. Der Check24-Sprecher sagte dazu: „Da legen Sie den Finger in die Wunde, das Angebot ist noch im Aufbau.“ Umfassender, aber ebenfalls noch lange nicht vollständig ist das Angebot zum Beispiel bei Tagesgeldvergleich.net.

Der Grund für die Unvollständigkeit: Gelistet werden fast ausschließlich Angebote, für die die vermeintlich unabhängigen Vergleichsportale Provision kassieren. Laut Brancheninsidern bringt den Portalen zum Beispiel ein Kfz-Kunde 70 bis 90 Euro Provision – ein millionenschweres Geschäft. Allein Check24 hat 2010 450.000 Autoversicherungen vermittelt. Doch Check24 ist kein schwarzes Schaf: Fast alle Vergleichsportale für Versicherungen und Finanzen arbeiten so.

Tipps vom verbraucherschutz

Illusion: Wer vor der Suchmaske von Google sitzt, wähnt sich als Souverän der Konsumwelt. Per Schlagwort und mit einigen Klicks ist der günstigste Preis gefunden. Schon die Suchmaschinentreffer allerdings werden von Unternehmen systematisch über sogenannte Search Engine Optimisation (SEO) manipuliert. Und die Vergleichsportale, auf denen die Verbraucher oft landen, sind ebenfalls käuflich. Besonders im Finanz- und Versicherungsbereich wird häufig nur gelistet, wer auch bezahlt.
Schutz: Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen rät zum Misstrauen. „Verbraucher sollten mehrere Vergleichsportale nutzen und sich genau anschauen, nach welchen Kriterien gesucht wird“, sagte sie. Oft muss man allerdings lange suchen, bis man erfährt, dass zum Beispiel bestimmte Anbieter unberücksichtigt bleiben. Heyer sagte weiter: „Eine anbieterunabhängige Beratung bei der örtlichen Verbraucherzentrale kann ebenfalls dazu beitragen, Geld und Zeit zu sparen.“

Die Verbraucherzentralen warnen deshalb eindringlich. Andrea Heyer, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen, sagte der FR: „Viele Vergleichsportale berücksichtigen systematisch Angebote nicht, bei denen sie keine Provision verdienen können. Die Vergleichsportale sind sehr oft unvollständig.“ Verbraucher sollten sich also auf keinen Fall zu stark auf Vergleichsportale verlassen, so Heyer, sie seien oft „massiv interessengeleitet und nicht dem Verbraucher verpflichtet“.

„Überzogene Provisionen“

Betroffen sind aber nicht nur arglose Verbraucher, sondern auch Firmen, die nicht zahlen wollen. So bietet die BMW-Bank zum Beispiel attraktive Zinsen für Fest- und Tagesgeld. 2,2 Prozent Zinsen gibt es auf dem Online-Sparkonto, damit würde die Bank in vielen Vergleichsportalen oben mitmischen. Doch BMW ist auch bei intensiver Recherche in keiner Vergleichsliste zu finden. Ein Anruf in München offenbart, warum: „Wir lehnen es ab, die hohen Provisionen, die für eine Auflistung fällig sind, zu bezahlen“, sagte ein Sprecher. Ein Insider geht sogar noch weiter. So würden voreingestellte Suchkriterien bei vielen Vergleichsportalen derart verändert, dass sie das Angebot der Kunden anzeigen, die am meisten zahlten. „Die Öffentlichkeit ahnt nicht, wie massiv da manipuliert wird“, so der in der Branche tätige und gut vernetzte Mann.

Die HUK, die 2010 beim Kfz-Vergleich von Check24 ausstieg, begründet den Schritt mit „überzogenen Provisionen“. Der Versicherer will nun ein Konkurrenzportal aufbauen und hat sich mit dafür mit den Versicherungen WGV und HDI Direct zusammengetan. Im Verbund kauften sie im Frühjahr das Vergleichsportal Aspect Online und wollen es unter der Marke Transparo.de im Herbst neu positionieren. Nach Branchenschätzungen wird dafür eine mittlere zweistellige Millionensumme investiert, unter anderem soll den Angriff auf Check24 eine aufwändige TV-Kampagne begleiten. Die HUK verspricht zwar „maximale Transparenz“. Dennoch kommen die Kunden mit Transparo vermutlich vom Regen in die Traufe: Denn von Unabhängigkeit kann bei einem Vergleichsportal, das den Anbietern, die verglichen werden, gehört, erst recht nicht die Rede sein.

Autor:  Jakob Schlandt
Datum:  19 | 8 | 2011
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