Paris. Der französische Konzern Areva hat mit dem indischen Unternehmen Npcil eine Absichtserklärung über die Lieferung von bis zu sechs europäischen Druckwasserreaktoren (EPR) unterzeichnet. Der Stückpreis dieser AKW der dritten Generation beträgt rund fünf Milliarden Euro. Areva-Chefin Anne Lauvergeon erklärte, man wolle helfen, Indiens gewaltigen Energiebedarf zu decken.
Möglich wurde Deal durch die Vorarbeit von Nicolas Sarkozy. Frankreichs Staatschef hatte im September mit dem indischen Regierungschef Manmohan Singh eine enge Kooperation in der zivilen Atomenergie vereinbart.
Indien ist der jüngste Stein in der Strategie, mit der die französische Atomindustrie -"le nucléaire" - von der Kernkraft-Renaissance profitieren will. Areva baut in Finnland und Frankreich mehrere EPR und hat Projekte in Großbritannien, den USA, Südafrika und China. In diesen Ländern haben Areva und die für den Betrieb zuständige Electricité de France (EDF) schon im vergangenen Jahr Milliardeninvestitionen getätigt.
Die EPR entwickelte Areva zusammen mit Siemens. Nach dem Ausstieg der Münchner sorgt nun die französische Atomwirtschaft allein für die Vermarktung.
Ihr Handelsvertreter ist Sarkozy. Er fädelte nicht nur den Deal mit Indien ein, sondern auch Geschäfte mit Südafrika und China. Vor Neujahr bereitete er für Areva in Brasilien den Boden. In der französischen Ex-Kolonie Niger in Westafrika regelte er einen politische Konflikt, sodass Areva das Uran des Landes künftig in noch größerem Umfang abbauen kann. Umweltschützer nennen Areva, EDF und die Staatsspitze in Paris spöttisch die "atomare Dreifaltigkeit Frankreichs".
Vorige Woche kündigte Sarkozy den Bau eines zweiten Atommeilers in Nordfrankreich an. Er soll in Penly 2017 ans Netz gehen. Europaminister Bruno Le Maire sagte, dies werde ganz Europa dienen. Umweltschützer widersprechen: Frankreich wolle die Kernkraft der ganzen EU aufzwingen, da der Überschuss daraus exportiert werde. Indem Sarkozy auf die teure ERP-Technik setze, vernachlässige er die erneuerbaren Energien und das Stromsparen. Greenpeace-France behauptet zudem, Abfälle aus dem EPR seien sieben mal radioaktiver als bei heutigen AKW.
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