Bei der Frauenförderung wollen sich die Manager aus dem Rhein-Main-Gebiet nicht reinreden lassen. Eine deutliche Mehrheit der Aufsichtsräte und Vorstände börsennotierter Unternehmen spricht sich gegen eine gesetzliche Frauenquote bei der Besetzung der Führungsspitze eines Unternehmens aus. Das zeigt der neue Rhein-Main-Kompass.
Eine Umfrage des Psephos-Instituts im Auftrag von Frankfurter Rundschau, Rhein-Main-TV und Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) belegt: Weder die von Ursula von der Leyen (CDU) geäußerte Idee zur Einführung fester Frauenquoten noch die Initiative ihrer Ministerkollegin Kristina Schröder (CDU) für einen Stufenplan mit flexibler Quote stößt auf Zustimmung.
Der Rhein-Main-Kompass ist eine repräsentative Trend-Umfrage zu aktuellen Themen unter Managern aus dem Ballungsraum Rhein-Main. Im Auftrag von Frankfurter Rundschau, Rhein-Main-TV und der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ermittelt das Institut für Markt-, Politik- und Sozialforschung Psephos aus Hamburg einmal monatlich per Telefonumfrage, wie Inhaber, Geschäftsführer und Vorstände bestimmte Entwicklungen einschätzen.
Für die zweite Erhebung dieses Jahres wurden im Februar 407 Manager aus der Region zu Standortbedingungen der Wirtschaft, Investitions- und Beschäftigungsklima, Konjunkturerwartungen, Auftragslage und ihrer Einstellung zu gesetzlichen Frauenquoten befragt. (FR)
Nur fünf Prozent der Befragten sprachen sich für den Ansatz von der Leyens aus, eine feste Frauenquote von 30 Prozent einzuführen. Schröders Vorschlag, wonach die Unternehmen zunächst auf freiwilliger Basis mehr Frauen anstellen sollen, stimmten immerhin 38 Prozent zu. 58 Prozent sind gegen jedwede Quote. Auch bei nicht-börsennotierten Unternehmen lehnen drei Viertel der Befragten eine gesetzliche Quote ab.
Den geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen erklären die weit überwiegend männlichen Manager aus der Region mit „Problemen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ (60 Prozent). 30 Prozent machen eine „vorherrschende Männerkultur“ für den geringen Anteil an weiblichem Führungspersonal verantwortlich. 38 Prozent nennen den „fehlenden Willen von Frauen zum Aufstieg“, eine „nicht ausreichende Qualifikation“ und eine „mangelnde Zahl von Bewerberinnen“ als Grund.
Zufrieden mit dem Standort
Jenseits der Debatte über die Quote äußerten sich die befragten Wirtschaftsführer zufrieden über die Lage im Rhein-Main-Gebiet. Zwei Drittel charakterisieren ihre Standortbedingungen ohne Abstriche als „gut“, das ist allerdings ein Prozentpunkt weniger als im November. Für die Zukunft sind sie optimistisch. 74 Prozent erwarten, dass die Lage gleichbleibt, 23 Prozent − sogar zwei Prozentpunkte mehr als im November − rechnen mit einer Verbesserung.
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